Die Diskussion nervt. Nicht weil ich Rentner bin und sie mich nichts mehr angeht. Sondern weil hinter den scheinbar objektiven demographischen und monetären „Fakten“ ein gutes Stück neoliberaler Ideologie steckt. Vorweg: das deutsche Rentensystem muss(te) immer wieder justiert werden, weil sich im Generationenvertrag die Gewichte verschieben. Aber es hat seit Bismarck überlebt, vom Kaiserreich über Weimar und die Nazizeit bis in die neue Bundesrepublik – samt DDR! Es gibt genug Vorschläge, wie das System in der Balance zu erhalten und zu finanzieren ist, andere (Nachbar)Länder machen das vor.
Was nicht geht, ist für eine vielleicht unvollkommene Reform die Regierungskoalition zu sprengen. Ich las von Überlegungen der Linken, die fehlenden Stimmen beizusteueren. Das wäre mal eine „patriotische Leistung“, die den Kanzler erröten lassen müsste. Und nebenbei eine Regierung der Blauen verhindern würde.
Wenn es etwas gibt, was mich in meiner Lebensplanung seit jenem „Blitz“ zum 30. Geburtstag in der Wüste von Rajasthan geleitet hat, dann war es Altersvorsorge. Arm und vielleicht krank im Alter, das war schon damals für mich ein Albtraum, dem es entgegen zu arbeiten galt. Wenn man das nach langer Ausbildung oder ersten Berufsjahren realisiert, kann die Zielsetzung beginnen: Familie gründen oder Wohneigentum ansparen oder beides. Zwischenziele setzen hilft: weniger Sportwetten, mehr Sparplan. Realistischer Konsum, statt buy now, pay later. Aber über den Tag denken ist unmodern oder wird gezielt aberzogen. Das Gejammere einer jüngeren Generation, für sie bleibe nichts übrig, geht mir auf den Geist. Als ob früher Job und Auskommen geradezu von selbst garantiert waren. Mobilität, Flexibilität und Akzeptanz mancher Abstriche wurden auch von meiner Generation gefordert, das allgemeine „Verbeamtentum“ war schon Anfang der 1980er Jahre vorbei.
Selbst in der stark sozialdemokratisch geprägten Zeit der 1970er und -80er Jahre (ja, auch unter Kohl und Co.) musste man die Ar…backen zusammen kneifen um das Leben in den Griff zukriegen. Es stimmt, der Staat stützte mehr als heute: Bafög war großzügig, Bildungspolitik wichtiger als sagen wir Steuererleichterungen und Abrüstung in einer europäischen Friedensordnung setzte Gelder aus der Rüstung frei – erst recht nach 1990. Und zugegeben, es herrschte ein Geist der unbegrenzten Möglichkeiten – dafür brauchte man nicht in die USA auszuwandern.
Heute müssen wir also F-35 (Systempreis 100 Mio. € pro Stück) gegen rechnen gegen Kitas, Pflege und Rente. Das ist tatsächlich unfair und ganz sicher ungewollt. Aber es war erklärtes Ziel der Volksparteien, Sozialstaat nicht gegen Rüstung aufzurechnen. Gerechtere Besteuerung und effizientere Verwaltung macht schon ein paar Dutzend „Milliärdchen“ aus. Die Jungen in der Kanzlerpartei kümmern sich um die Zukunft der Generation X, Y oder Z? Wer’s glaubt mag selig werden.
Nachtrag 20.11.25: Interessante Zahlen: Wo die Renten in Deutschland am höchsten sind. Spiegel online
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Du sprichst mir aus der Seele. Und ich als angehender Rentner bin bereit, etwas abzugeben, damit die Jüngeren nicht alleine durch höhere Beiträge alles tragen müssen. Wegen mir könnte man damit anfangen, die Rentenerhöhungen an die Inflation zu koppeln und nicht mehr an die Löhne. Denn warum sollte man ab Renteneintritt immer mehr Kaufkraft bekommen? Was im Jahr des Renteneintritts reicht, sollte doch auch später genügen.
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Danke für Deine Einschätzung Marco. Es gibt ganz viele Vorschläge zur Reform des Systems. Deiner klingt vernünftig. Es scheint aber innerhalb der Koalition ein Vermittlungsproblem zu geben. Das wäre nicht das erste Mal.
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