Reisetagebuch Thailand 1/2024

8. – 10.1.2024 – Rückweg(e)

Beleg zur Autowäsche in Chiang Rai: 8.1.2567

Gestern haben wir uns von Chiang Rai verabschiedet. Nicht ohne unser Auto in einer Waschanlage, gleich gegenüber dem Laluna-Hotel, gründlich reinigen zu lassen: Bei einem Fahrmanöver hatte sich an einem Hinterrad eine Bitumenschicht fest geklebt. Mit wie neu glänzendem Auto fuhren wir knapp vier Stunden Richtung Südwesten und erreichten um halb vier nachmittags unser Hotel in der Innenstadt von Chiang Mai.

Als es gerade dunkel wurde, fiel mir ein, das Auto noch vollzutanken. Eine schlichte Aktion, meint man. In einer thailändischen Millionenstadt ein Abenteuer an Fahr“vergnügen“, dem jede Vorstellung abgeht. Nach einer Stunde waren wir heil zurück im Hotel.

Heute früh in der Dunkelheit mussten wir zum Flughafen – auch das ein Fahrabenteuer. Wir fanden den dunklen Parkplatz unseres Autovermieters, auf dem ein junger Mann mit Taschenlampe wartete. Er brachte uns noch zum internationalen Terminal. Um 9 Uhr ging es pünktlich los auf den dreistündigen Flug nach Kuala Lumpur, wo wir um kurz nach 13 Uhr Ortszeit (zwischen Thailand und Malaysia gibt es eine Stunde Unterschied) ankamen.

Einreise und Gepäck waren unproblematisch. Es blieb Zeit für eine Gemüsesuppe im Food Court der Ankunftshalle, bevor uns ein Grab-Taxi ins Hotel hier nach Sepang, 20 Minuten vom Terminal brachte.

Morgen trennen sich unsere Wege. Anne fliegt vormittags über Dubai zurück nach Deutschland, ich fahre wieder nach Malacca. Weitere Pläne sind noch nicht festgelegt.

7.1.2024 – ein typischer Sonntag

Der Tag begann mit einem Kirchgang. Es ist das Fest der Epiphanie und wir erreichten die Kirche von Chiang Rai zum Ende des Gottesdienstes in Thai. Der Bischof des Bistums Chiang Rai (seit 2018 ein selbständiges Bistum mit rund 20.000 Katholiken) stand am Eingang und hatte Zeit für ein Gespräch mit uns, bevor der Gottesdienst in englischer Sprache begann. Er wollte wissen, woher wir kommen. In Deutschland hatte er Stätten Martin Luthers besucht, vor Kurzem war er in der Mongolei beim dortigen Papstbesuch. Katholiken seien weniger als 0,05 % der thailändischen Bevölkerung, in seiner Diözese seien es die Stämme der Karen-Volksgruppe rund um Chiang Rai.

Bei strahlend blauem Himmel folgt dann natürlich ein Sonntagsausflug. Wir machten uns auf Richtung Südosten, in eine tolle Landschaft von Reisfeldern und Kegelkarstfelsen.

Wir fanden, was wir suchten: Dorftempel und ein tolles Restaurant im Reisfeld.

Das Restaurant servierte Fleischspezialitäten mit einer besonderen Soße aus roten Trauben. Die wurden gleich nebenan geerntet. So endete der Sonntag sogar noch mit einem „Sonntagsbraten“.

6.1.2024 – Höhlenkoller

Im Juni 2018 spielte sich im karstreichen Grenzgebirge von Thailand zu Myanmar ein Drama ab: 13 Jungs samt Trainer, das Fußball-Team der Wild Boars, waren in der Thamluang-Höhle verschwunden und nach starken Regenfällen eingeschlossen. Nach neun Tagen (!) wurden sie gefunden und in einer spektakulären Aktion gerettet (über die es einen Film bei Amazon Prime gibt – „Dreizehn Leben“). Damals hielt die Welt den Atem an, heute haben wir die Höhle besucht. Sie liegt nur wenig südlich der Grenzstadt Mae Sai.

Wir fuhren von Chiang Rai aus gut 60 km nach Norden und bogen von der AH 2 einige Kilometer nach Westen an den Fuß der Berge ab. Vom Parkplatz werden die (überwiegend thailändischen) Besucher in zwei Staffeln mit Kleintransportern bis an den Fuß des Höhleneingangs gefahren.

Dort huldigen sie der Schutzgöttin des Gebirgsmassivs, der sie glauben, die Rettung der Jungs zu verdanken haben. Die Besucher bringen Blumensträuße mit und legen sie vor den Statuen oder Altären ab.

Über die vergangenen fünf Jahre ist die Thamluang Höhle zu einer nationalen Wallfahrtsstätte geworden, wo Thailand seine jungen Helden und die Solidarität der Retter aus aller Welt ehrt.

Es war trotz des Wochenend-Besucherstroms ein denkwürdiger Ausflug. Leider vereitelten eben jene Besuchermassen unseren Plan, in Mae Sai einen Tempel zu besuchen, von dem man einen Rundblick auf die benachbarte Stadt Tachileik in Myanmar hat. So fuhren wir in einem Bogen am Mekong entlang in unser „Hauptquartier“ zurück.

5.1.2024 – Jenseits der Berge

Die Grenzregion zu Myanmar ist gebirgig und war einst für ihren Opiumanbau berüchtigt. Wir sind heute nach Mae Salong gefahren, mitten in die Bergwelt hinein: friedlich und unter blauem Himmel.

Einen Stopp machten wir an einem Monument, das an die Gefallenen und Geflüchteten aus dem chinesischen Bürgerkrieg erinnert. Für sie bot Thailand nach 1950 eine Heimat, Taiwan unterstützte sie. Heute betreiben sie Teeplantagen und bauen Orangen an.

Zu Mittag aßen wir in einem sensationellen Restaurant, im Nirgendwo im Reisfeld. Thailand ist für viele Überraschungen gut.

4.1.2024 – Opium im Dreieck

Eine Stunde Autofahrt nördlich von hier liegt das Goldene Dreieck.

Ich war im vergangenen Jahr hier und auch vor gut 44 Jahren. Natürlich ist von damals nichts wieder zu erkennen – außer der Platz, an dem ich damals fotografiert wurde.

September 1979
Ich bin in Thailand, hinter mir die Landzunge ist Myanmar und am anderen Ufer des Mekong liegt Laos.

Die Gegend war für den Opiumhandel und die Bandenkriminalität bekannt (daher „golden“). Die ist im sensationell sehenswerten Opium-Museum (Hall of Opium) dokumentiert, das wir besichtigt haben.

Wir sind dann an das Ufer des Mekong gefahren, von dem man aus das lebhafte, grenzüberschreitende Treiben beobachten kann.

Unser Plan, im Reisfeld zu Mittag zu essen, schlug fehl, weil ich das Restaurant aus dem vergangenen Jahr nicht mehr fand. Aber auch unser Hotel hier in Chiang Rai bietet exzellente Küche.

Abends sind wir noch zur Chiang Rai Flower Show am Ufer des Kok Rivers gefahren. Sie findet jährlich im Dezember/Januar statt.

2.-3.1.2024 – Buddhaland

Wir sind gestern Mittag von Bangkok nach Chiang Rai geflogen – und in einer anderen Welt gelandet: ruhig, ländlich, peripher, im Goldenen Dreieck. Den Mietwagen erhielten wir in Minuten am kleinen Flughafen und auf ging es in die Stadt.

Unser Hotel ziemlich mitten in der Stadt ist eine Oase, wörtlich: eine mit üppiger tropischen Bepflanzung ausgestattete Anlage. Die Zimmer sind kleine Bungalows an gärtnerisch wunderbar gestalteten Pfaden.

Heute hatten wir uns Sehenswürdigkeiten in der Umgebung der Stadt vorgenommen – und landeten wieder im Touristengewimmel. So wurde der Zugang zum Weißen Tempel von der Polizei geregelt, die mit Lautsprecherdurchsagen die lange Schlange von Besuchern anwieß, sich doch schneller zu bewegen (Selfies halten halt auf).

Besser war es bei der nächsten Station am Westrand von Chiang Rai: Auf einem Hügel steht eine gewaltige Statue von der „Göttin der Barmherzigkeit“ samt Tempel, ebenfalls in weiß.

Letzte Station war der Blaue Tempel, wo sich die Touristenschwemme wiederholte.

Es ist halt auch in Thailand Ferienzeit und man muss damit rechnen, nicht der Einzige zu sein, der die bunten Sehenswürdigkeiten besuchen will.

1.1.2024 – Bunt in Ruinen

Der Neujahrstag führte uns nach Ayutthaya, einer alten Königsstadt gut 120 km nördlich von Bangkok. Wie mit Ning gestern vereinbart, stand er mit seinem gelb-grünen Taxi um halb elf heute Vormittag vor dem Hotel.

Extra für uns hatte er sich ein Poloshirt mit „Germany“ drauf angezogen. Los gings aus dem Gewirr der Wolkenkratzer über die Autobahn in die Reisbau-Ebene des Chao Praya, des zentralen Flusses in Thailand. Wir erreichten Ayutthaya gegen 12 Uhr, als die Sonne ziemlich stark auf uns herab brannte. Aber was für eine Überraschung: Neujahr ist auch in Thailand Feiertag und viele Familien kommen in eines der vielen Wats (Tempelanlagen) aus früher Zeit, um fröhlich und mit einem Gebet das Neue Jahr zu beginnen.

Sie tragen traditionelle Kleidung und fotografieren sich gegenseitig. Überall bunte Schirmen in den Ruinen der Pagoden und Tempeln aus dem 15. Jh.

Wir machten einen Rundgang und trafen uns mit Ning wie verabredet, um die nächste Tempelanlage anzufahren.

Die ist bekannt für den ikonischen Buddha-Kopf im Wurzelgeflecht eines Ficus-Baums. Den zu fotografieren drängen sich die Touris vor der wuchernden Pflanze.

Auf einen Elefantenritt verzichteten wir, dafür hatten wir ja die Pferdestärken unseres temperamentvollen Taxifahrers. Er brachte uns gegen vier Uhr gut zurück in den Beton-Dschungel Bangkoks.

30.-31.12.2023 – Anreise und Silvester

Am Samstag sind wir von Kuala Lumpur nach Bangkok geflogen. In gut zwei Stunden landeten wir in der thailändischen Hauptstadt. Einreise, Gepäck und Fahrt zum Hotel in der Innenstadt (zwischen den Hochhäusern im Stadtteil Sukhumvit), alles problemlos.

Unser Hotel hat eine schöne Bar auf der Dachterrasse, mehr noch einen Swimming Pool hoch über Bangkok. Beides nutzen wir gern, Schwimmen morgens, die Bar abends.

Gestern, Sonntag und Silvester, hatten wir die Idee, den königlichen Palast, vor allem aber den Tempel des Smaragd-Buddha in der Innenstadt zu besuchen. Allein die Fahrt von Sukhumvit dorthin dauerte eine Stunde. Was uns dann erwartete, verschlug uns den Atem. Abertausende hatten die gleiche Idee. Ich brauchte eine Hose, da ich mit Shorts nicht in die Tempelanlage durfte. Ein solches Kleidungsstück ließ sich für weniger als 3 Euro in den Läden gegenüber erwerben (und überziehen).

So begannen wir unseren Marsch mit den Massen durch goldene Pagoden und glitzernde Tempelfassaden. Der Himmel war blau und die Sonne zunächst einigermaßen gnädig, aber es wurde schnell heißer.

Kaum ein Schritt, kaum ein Foto ohne die Besuchermassen – als habe sich die Welt hier verabredet,

So überwältigend die Tempelanlage ist, das Gewimmel nahm fast alles an Eindrücken weg, die mit Buddhismus oder Meditation zu tun haben. Aber vielleicht ist Silvester auch dazu nicht der Tag.

Nach einer guten Stunde fanden wir zum Ausgang zurück, überquerten die Straße Richtung Chao Praya River und landeten erschöpft im (klimatisierten) Cafe der Navyfrauen. Ein kleiner Snack und auf mit dem Grab-Taxi (der Mitfahrdienst in Südostasien) zurück ins Hotel, so der Plan. Das erste war einfach, das zweite wurde wegen gesperrter Straßen im Palast- und Tempelbezirk zum Problem. Alle Fahrer ließen uns hängen.

Wir sprachen einen Taxifahrer an, der es wohl geschafft hatte, durchzudringen. Er war bereit, uns für 800 Bhat – rund 20 € aus dem Chaos rauszuholen. Er stellte sich in vielerlei Hinsicht als Glücksfall heraus: ein schönes, großes Auto, ein freundlicher, ja geradezu begeisterter Mensch, der viele Fragen zu Deutschland hatte, und ein erfahrener Fahrer, der ohne ein Navi zurück nach Sukhumvit fand.

Wir verabredeten uns gleich mit ihm für den Neujahrstag und machen mit ihm einen Ausflug in die alte Königsstadt Ayutthaya. Na, denn ein frohes neues Jahr.

Sieht aus wie ein Tempel, ist aber Teil des Königspalastes