24. u. 25.1.2024 – Abschluss

Ich bin zurück in Malacca in Malaysia, im selben Apartment wie vor knapp zwei Monaten. Gestern Mittag ging mein Flug von Taipei zurück nach Kuala Lumpur. Wir landeten in der Dunkelheit: Keine Zeitumstellung, aber vom Winter in die tropische Hitze in 5 Stunden. Ich blieb in einem Hotel direkt am Flughafen. Um 10 Uhr heute Morgen brachte ein blutjunger Vertreter der Mietwagenfirma das Auto zum Hotel. Knapp zwei Stunden dauert die Fahrt über die Autobahn bis in die Innenstadt von Malacca.

Die Woche in Taiwan war eine Bereicherung. Alles hat perfekt geklappt, ein Markenzeichen von Ostasien. Und so langsam neigen sich meine zwei Monate Südost- und Südasien dem Ende zu. Es gäbe unendlich viel hier zusehen: die Molukken, Laos, der Süden Sumatras oder Yunnan würden mich besonders interessieren, aber realistischerweise schließt sich das Zeitfenster für solche Abenteuer.
23.1.2024 – Museumstag
Es ist mein letzter voller Tag in Taiwan, morgen Nachmittag geht es zurück in die tropische Hitze Malaysias. Wird auch Zeit, denn hier ist Winter ausgebrochen: nass und kalt (heute 9° Celius). Ideales Wetter zu einem Museumsbesuch, das müssen sich auch die anderen Tausend und mehr gedacht haben.

Ich fuhr mit einem Uber-Taxi vom Hotel diagonal durch die Großstadt zu dem Museum Taiwans, das National Palace Museum in den Bergen nördlich der Stadt.


Hier wird alles zur Kulturgeschichte der chinesischen Kaiserzeit ausgestellt, was die Paläste in Peking und Nanjing hergaben – alles 1949 von den Kuomintang-Truppen unter Chiang Kai-scheck bei der Flucht vom Festland auf die Insel geschafft. Man befürchtete, dass die Legionen Maos von diesen Schätzen nichts übrig lassen würden. Entsprechend groß ist der Andrang in diesem Juwel von Museum, auch unter den ausländischen Besuchern Taipeis.



Man hätte stundenlang drin rumlaufen können. Mir gefiel besonders eine Sonderausstellung zum Ost-Westhandel im 16. Jahrhundert. Zwei Kulturen trafen aufeinander: die Portugiesen und die Ming-Kaiser, denen alles Fremde verdächtig war.

Nach zwei Stunden machten meine Beine schlapp. Ich besuchte noch den Museumsshop und erwarb zwei Miniaturvasen der Ming-Zeit – natürlich nachgemacht, die Originale hätten zehntausede Euro gekostet.
Ein Glüchsfall war der Uber-Fahrer zurück zum Hotel in Banqiao: Er war früher Reiseführer und sprach fließend Englisch. Die 45 Minuten Fahrt war viel zu kurz, um all die Fragen zu diskutieren. Er war interessiert an (gesamt)chinesischer Geschichte und würde gern einmal aufs Festland reisen, nach Yunnan und Guillin – da trafen sich unsere Geschmäcker. Er konnte es aus wirtschaftlichen Gründen nicht, da er sich um seine alten Eltern kümmern mus (die auch hier in Banqiao leben). Er fand es auch nicht gut, dass die Regierung Taiwans Festlands-chinesischen Reisegruppen keine Taiwanbesuche erlaubt, umgekehrt gibt es keine Restriktionen. Kritisch sah er den jüngst gewählten neuen Präsidenten, dem er keine Verlässlichkeit zutraute. Aber das gelte für die gesamt Politik und das Parteienspektrum.
Er gab mir seine Visitenkarte, als wir vorm Hotel anhielten.
22.1.2024 – Grauer Himmel
Waren es vorgestern noch über 25 Grad, so zeigte das Thermometer an einem Hochhaus gegenüber dem Hauptbahnhof von Taipei 13 Grad an. Der Himmel war grau, was eine ansonsten bunte Stadt ebenso grau erscheinen lässt. Da muntern die Comic-Figuren auf, die man selbst in Parkhauszufahrten oder am Eingang einer Mall findet – wie heute auf dem weg zur U-Bahnstation Banqiao.




In zehn Minuten erreicht die Banlan Line das Untergeschoss der Taipei Main Station. Bis man raus findet vergehen aber nochmals 20 Minuten.

Oberirdisch betrete ich eine große Halle, die nicht an einen Bahnhof erinnert, eher an einen Gourmettempel. Umso schockierender draußen auf der Plaza eine Armee von Obdachlosen, die unter den Zugängen saßen.



Da hüllte sich der über 500 Meter hohe Taipei 101 (one ou one) Tower in Wolken. Ich wollte schon zurück ins Hotel, da hielt vor mir ein roter Doppelstockbus, der froh war, noch einen Kunden für eine Stadtrundfahrt zu gewinnen. Ich stieg ein und ließ mich mit fünf anderen Fahrgästen 75 Minuten durch die Stadt fahren. Dann war Zeit für eine warme Chicken Mushroom Noodle Soup nahe dem Bahnhof und auf gings zurück zur U-Bahn und ins Hotel.
21.1.2024 – Am Pazifik

Das sommerliche Wetter ist weg, der Tag begann mit grauem Himmel und strömendem Regen. Zum Glück hörte er etwas auf, als ich gegen 8.30 Uhr heute früh zum Bahnhof musste.



Um 9.33 Uhr fuhr mein Expresszug Richtung Hualien ab, zehn Minuten später schon waren wir in Taipei Hauptbahnhof. Die erste halbe Stunde fuhr der Zug komplett unterirdisch. Erst jenseits des Großraums Taipei schlängelte er sich durch die engen Täler und steilen Gebirgshänge im Nordosten Taiwans.

Nach einer knappen Stunde erreichten wir die Pazifikküste und fuhren weitere 90 Minuten nach Süden. Ankunft Hualien 12.03 Uhr – keine Sekunde Verspätung. Der Himmel war immer noch grau, aber kein Regen und einigermaßen warm.


Die Stadt ist Ausgangspunkt für Ausflüge in den Taroko-Nationalpark und die gleichnamige Schlucht in den Bergen des Hinterlandes. Aber letztere waren von Wolken verhangen. Ein Taxifahrer brachte mich ins Zentrum, wo ich einen Rundgang machte. In einigen engen Straßen gab es einen Sonntagsbazar.

Überhaupt war die Stadt mit roten Lampions fürs chinesische Neujahr geschmückt, auffallend auch die vielen Flaggen der Republik China, die man sonst nur vor öffentlichen Gebäuden sieht.


Die Ostasiaten – Korea und Japan ebenso wie Taiwan – lieben Comic-Figuren. Die Stadt ist voll davon: auf Trinkbecher, als Kuscheltiere oder vorm Bahnhof.




Der Zug zurück verließ Hualien um 15.25 Uhr. Ich fuhr – mangels Platz anderswo – Business class (sie hieß wirklich so). Dort bekommt der Fahrgast eine Bento-Box mit einer warmen Mahlzeit und ein Getränk. Der ältere Herr neben mir sprach Englisch und war ebenfalls auf Tagestour in Hualien zu einer Feier. Jahrgang 1949, als so alt wie China (die Volksrepublik) und Taiwan (die Republik). Er war Ingenieur, hatte zwei Kinder und mehrere Enkelkinder. Wir unterhielten uns ein wenig über dies und das, waren aber beide zu müde für eine intensive Konversation. Um 18.02 Uhr erreichte der Express wieder Banqiao, den unterirdischen Bahnhof sozusagen vor meinem Hotel.
20.1.2024 – Hotelwechsel
Ich habe mich näher an die Innenstadt von Taipei bewegt und ein Hotel im Zentrum von Banqiao bezogen, einem Stadtteil von New Taipei.
Es hatte logistische Gründe, weil das Hotel in Taoyuan zu weit weg von U- und S-Bahnen im Großraum Taipei lag (ich hatte ja ursprünglich vor ein Auto zu mieten). Den Vormittag verbrachte ich damit, im Hotelkeller Wäsche zu waschen und zu trocknen. Das Hotel stellte ein Waschmittel zur Verfügung. Das klappte gut.
Außerdem habe ich im Internet für morgen reguläre Bahntickets besorgt. Die musste ich heute Nachmittag am unterirdischen Bahnhof von Banqiao ausdrucken. Der liegt direkt vor meinem Hotel, aber mit hunderten Metern zu laufen.


In Banqiao kreuzen sich U-Bahnlinien, Bahnlinien und die Hochgeschwindigkeitsstrecke. Der Bahnhof ist aber ähnlich wie in Japan ein Gourmettempel feinster Güte. Ich aß ein Korean Chicken, in eine Honigkruste gebratenen Hühnchen-Stücke. Aber man hätte tausendfach probieren können.




19.1.2024 – Bergwandern

Eigentlich sind Treppen und steile Wege bei mir zur Zeit tabu, aber heute war es anders. Erstens wollte ich einen aus japanischer Zeit (d.h. 1938) stammenden Shinto-Schrein besuchen und zweitens lag der an einem Berghang in einem herrlichen Wald. Dazu war das Wetter ein Gedicht. Über Seitentreppchen schaffte ich es bis zur halben Höhe des Tempels, immerhin.

Die Anlage war einzigartig, vor dem letzten Treppenanstieg lag ein kleiner Park mit einem „No Worries Cafe“ – es hieß wirklich so. In der Mittagssonne bei gut 28 Grad unter Bäumen einen Cappucino zu genießen – am 19. Januar! – besser konnte es nicht sein. Ich war schon auf dem Weg zurück runter an die Straße, wo mich das Taxi abgesetzt hatte, da entdeckte ich einen hölzernen Steg. Es stellte sich heraus: der Berg war für Rollstuhlfahrer begehbar gemacht worden.




Im Zickzack mit leicht ansteigendem Winkel konnte ich locker den steilen Berghang hoch, sogar einen Kinderwagen schieben wäre noch drin gewesen.
Von oben hatte man einen gute Blick auf Downtown Taoyuan. Und auf der anderen Seite ging es ebenso sanft auf Stegen hinunter bis zur Straße.




An der Statue eines edlen Ritters (?) holte mich ein Uber-Taxi ab und brachte mich zurück ins Hotel. Dennoch habe ich mich heute Abend in den tosenden Verkehr begeben – wörtlich, denn Bürgersteige sind ebenso unbekannt wie innerorts 50 km/h – eher 80 bis 100!

In einem Einkaufszentrum fand ich ein japanisches Restaurant mit englisch-sprachigem Personal und einem freien Platz für eine Einzelperson, eine Wohltat. Das tolle Essen beendete einen weiteren schönen Tag in Taiwan.


18.1.2024 – Hochgeschwindigkeit


Es gibt Tage, da könnte alles schief gehen. Erst recht, wenn man Bahn fährt. Nicht in Taiwan. Ich habe heute einen Tagesausflug in die Metropole Tainan im Süden der Insel gemacht. Das geht, Dank Taiwan High Speed Railways. Und alles klappte!

Es fing schon gut an: Mein Hotel bot ein fantastisches Frühstücksbuffet, das Taxi zum Bahnhof für Hochgeschwindigkeitszüge stand bereit und wir erreichten den Taoyuan HSR-Bahnhof mit ausreichend Zeit. Nachteil jener hypermodernen Bahnhöfe (auch später in Tainan): Sie liegen weit außerhalb der Stadtzentren – jeweils 40 Minuten mit dem Taxi.



Das online gebuchte Ticket musste ich an einem speziellen Schalter ausdrucken lassen (die vier letzten Nummern meines Passes und die Reservierungsnummer, und der Automat spukte zwei Scheckkarten große Fahrkarten aus, Sitzplatzreservierung incl.). Man kann die Tickets aber auch im Bahnhof kaufen, die letzten beiden Wagen in den Zügen sind nicht-reservierten Plätzen vorbehalten. Das Rückfahrtticket kostete 71 € - die vier Taxifahrten zu den Bahnhöfen insgesamt genauso viel.



Pünktlich um 11.10 Uhr ging es los (die Züge fahren viertelstündlich!): Die Fahrgäste stellen sich in auf dem Bahnsteig markierte Flächen ihrer designierten Wagen. Die Züge halten für genau zwei Minuten!! Das reicht tatsächlich zum Ein- und Aussteigen- stressfrei, ohne Stufen (man „fährt“ die Koffer geradezu in den Zug).


90 Minuten späterr erreichten wir Tainan, die Laufschrift im Zug hatte angekündigt: Chance of rain o %, Temperature 24-26° Celsius. Kaiserwetter mithin. Zwischendurch fuhr der Zug exakt 296 km/h.

Zum Besuch des Fort Zeelandia-Viertels schreibe ich einen eigenen Blog (hier verlinkt). Tainan ist eine wohlhabende Großstadt und ich platzte mitten in ein Straßenfest rund um die alte holländische Festung.



Ich besuchte das Museum im alten Sitz der Niederländischen Ostindischen Handelsgesellschaft. Für Gehbehinderte war extra ein gläserner Außenlift an der Rückseite des Gebäudes angebracht! Nach einem Rundgang durch das alte chinesische Viertel mit Tempel und Friedhof (mitten in der Stadt) nahm ich wieder ein Taxi zurück zum Bahnhof.


Um 17.13 Uhr fuhr der Zug Nr. 666 zurück nach Taoyuan, in die untergehende Sonne. Es war stockdunkel, als mich um halb acht das Taxi wieder am Hotel ablieferte.

17.1.204 – Von Südost nach Ost
Wenn Asien in Istanbul beginnt, dann mag es in Taipei enden. Ich bin heute von Kuala Lumpur in vier einhalb Stunden in die Hauptstadt Taiwans geflogen. Insgesamt ein perfekter Tag!

Er begann um 6.45 Uhr, als der Hotelbus mich von Kota Warisan zum Terminal 2 des internationalen Flughafens von Kuala Lumpur fuhr. Nach dem Check-in blieb Zeit für eine Chicken Wonton Noodle Soup zum Frühstück. Dann brachte mich der Wheelchair Service von AirAsia in Nullkommanix bis an die Flugzeugtür. Wir starteten um 10 Uhr und um 14.20 Uhr landeten wir in Taoyuan, eine halbe Stunde früher als im Plan. Der Clou: Malaysia und Taiwan haben die gleiche Ortszeit – daher keine Zeitumstellung.
Wieder erwartete mich ein junger Mann mit Rollstuhl an der Flugzeugtür. Und in kürzester Zeit hatten wir die Passkontrolle passiert, das Gepäck erhalten und Geld am Automaten abgeholt. Ich saß eine Stunde nach der Landung im Taxi ins Zentrum von Taoyuan, einer Industrievorstadt von Taipei. Das Hotel liegt mitten zwischen belebten Straßen, aber in meinem Zimmer hört man keinen Ton! Ich bleibe drei Nächte hier und ziehe dann nach Taipei um (mein ursprünglicher Plan ein Auto zu mieten und in die Berge zu fahren scheiterte an nicht kontrollierbaren Umständen).

Früh abends habe ich mich der Straße entlang „gehangelt“ – Fußgänger haben im Gebrodel aus Autos und Schwärmen von Mopeds kaum eine Chance. Immerhin, ich lebe noch. Es war wie der erste Spaziergang auf dem Mond. In Taiwan ist Rechtsverkehr, ich musste mich wieder umgewöhnen. Das Hotel gab mir einen Tipp fürs Abendessen, und so fand ich ein Restaurant, das mit auffallenden Fotos an der Straße für sich warb.


Das Problem ist die Speisekarte: kein Wort in Englisch. Da hilft es, die Google Translate App auf dem Handy zu haben: Man hält deren Kamera auf den Text und schon erscheint die deutsche Übersetzung auf dem Schirm. Ich aß Rindfleisch mit Reis, Gemüse und einer Suppe – für rund 4 Euro.

Der Kurs ist 35 Taiwanesische Dollar für 1 Euro. Der Benzinpreis für Super 95 liegt also unter 1 Euro. Überhaupt Autos: Deutsche Marken sind um ein Vielfaches häufiger vertreten als in Malaysia.


Man arbeitet viel mit Piktogrammen, so dass sich der Nicht-Chinesisch-sprachige zurecht finden kann.





Ein Metzger hatte ein ziemlich eindeutiges Zeichen an seiner Tür und auch Erwachsene spielen im Kinderparadies an den Automaten: An einem konnte man Hähnchenschenkel (natürlich aus Plastik) „fischen“.
Alles nur erste Eindrück ein paar hundert Meter vom Hotel. Aber in einem 7-Eleven, in dem ich ein paar Süßigkeiten gekauft habe (und der Kassierer sehr gut Englisch sprach), kamen sich Taiwan und die Heimat ganz nah.


