Vom Sinn einer Bucket List

Wer von uns hat keine Liste mit Zielen, bevor er die ewigen Jagdgründe oder das Nirwana erreicht, oder jenen zeitlosen Ort, den wir im Gegensatz zu der Glut unter uns den „Himmel“ nennen? Das ist dem englischen Wortsinn nach jene Bucket List.

Kurioserweise scheint sie länger zu werden, je mehr man sie abarbeitet. Wobei „Arbeit“ hier aus der Kultur des Erwerbslebens stammt. Eine Bucket List gilt es eher abzugenießen, abzuerleben oder sich an ihr abzuerfreuen. Sie ist eine Liste noch unerfüllter Träume, die aber nicht gänzlich abseits der Realität liegen. Sie sollen anspornen, Ziele zu setzen, dem Alltag einen zusätzlichen Sinn geben (oder die Zeit nach einem nervigen Job auszufüllen).

Es liegt in der Logik der Bucket List, dass sie mit fortschreitendem Alter schnell Makulatur werden kann. „Who wants to live for ever?“ sang einst Queen. Dennoch, bei mir steht eine im Raum und bleibt zumindest virtuelle Wirklichkeit.

Jingdezhen, Qingdao und Nanjing per Highspeed-Zug, Vulkane auf Kyushu, Andenquerung von Buenos Aires nach Santiago de Chile mit Abstecher nach Patagonien, Samarkand, Buchara oder die Band-i-Amir Seen in Afghanistan, ein Trip mit der Transsib oder wenigstens nach St. Petersburg, zu den Ruinen von Ur und Babylon, Armenien …. Die offene Liste ist lang, und bleibt in meinem Fall ziemlich sicher unerfüllt. Umso mehr zehre ich von den Erinnerungen der Bucket List aus meinen Fünfzigern, zum Beispiel aus dem östlichen Himalaya.

Bilder von der Trekking Tour im März 2009: 7 Tage, 95 km, 2.500-3.600 m NN

Irgendwann im Jahr 2008 reifte in mir der Plan zu einem Himalaya-Trek. Ich ging auf die 55 zu und wollte das unbedingt bewältigen. Mir half die Bekanntschaft mit einem kleinen Unternehmen im indischen Darjeeling, über das ich meine private Tour samt Guide und zwei Trägern buchen konnte. Es wurde ein Erlebnis, von dem ich noch (und besonders) heute zehre.

Grenzwanderung: Singalila-Trek. Reiners.blog, 17.2.2021

Also, ob Wüstencamp, tropische Inseln am Ende der Welt, oder Jungle Walks, ob Mangrovensümpfe, Berglandschaften, Karsthöhlen – lass Dich nicht einschränken bei der Bucket List. Sogar jenseits des (über)touristischen Gedränges in manchen Städten, es gibt Fluchtpunkte, secret escapes und kulturelle Highlights außerhalb des Instagram-Zwangs.

Die Welt des Internets (sine KI) bietet die Möglichkeit virtuellen Reisens: Wer früher gern den Atlas aufschlug oder verträumt auf den Globus schaute, der kann das heute zum Beispiel mit Google Maps und den dort verorteten Sehenswürdigkeiten tun. Von irgendeinem Punkt aus mit Street View lassen sich Straßen überall auf der Welt nachfahren oder so frühere Ort erneut „besuchen“.

Ich plane Sonntagsausflüge zum Beispiel mit Google und finde die kuriosesten Orte für Träume von Wildwest-Abenteuern ganz in der Nähe (https://maps.app.goo.gl/nHBkUyhHQZjP2ML57).

Also, hier mein leidenschaftliches Plädoyer für eine Bucket List: ob Harzquerung oder Himalaya Trek, Hauptsache den Traum wachhalten.

Titelfoto: Blick von Sandakphu auf die 8.000er des mittleren Himalaya (Makalu, Lhotse und Everest), März 2009


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