„Wer würde denn freiwillig hier bleiben?“ Kann man sagen, wenn man sich auf in den Regierungsflieger nach Hause macht. Brüskierungen und Beleidigungen gehören jetzt zum akzeptierten Ton unter Staatschefs – übrigens auch das Gegenteil: Huldigungen wie im Mittelalter gegenüber einem von ihnen. Der herrschte vor einigen Tagen sogar eine Reporterin an: „Halt die Klappe, Schweinchen!“ (meine freie Übersetzung von „Quiet, piggy!“).
Der neue Klartext spielt sich auf unterstem Niveau ab – nicht einmal auf einem Kasernenhof wäre das zulässig. Mancher Regierungschef hat da noch Lernbedarf, auch wenn man das in fortgeschrittenem Alter schon hinter sich haben sollte. Erst denken, dann sprechen. Internationale Politik ist keine Abteilungssitzung mit „Na, heute keine Zeit zum Rasieren gehabt?“
Wer einmal in multinationalen Unternehmen, Organisationen oder in internationaler Bildung gearbeitet hat, dem ist das ins Blut übergegangen. Man stelle sich vor, wie viel Porzellan unter Kollegen aus 15 Ländern im UN-Büro in Dhaka zerschlagen worden wäre, wenn wir da freien Lauf gelassen hätten. Selbst der Telex-Stil brauchte Höflichkeit „Appreciate response a.s.a.p.“ hieß „Umgehend Antwort erwartet.“ Und erst Recht im Gastland, wo der Erfolg unserer Arbeit von vertrauenswürdiger Kooperation abhing. Ich stelle mir im Familienplanungsprogramm den Spruch vor „Nehmen Sie doch einfach ein Kondom!“
Oder als Lehrer in einer Schulklasse mit 20 Schülern aus vier Kontinenten. Professionalität im Ausdruck bestimmt dort den Lernerfolg und das Miteinander in Diskussionen. Ich würde dort wohl Clips aus dem Weißen Haus zensieren müssen.
Wir Deutschen sind für klare und präzise Sprache bekannt. Und das schätzt man unter Ingenieuren oder Bauunternehmern. Da ist es sogar wichtig, damit keine Fehler und Missverständnisse passieren. Aber im diplomatischen Kontext bedarf es größter Umsicht. Das kann manchmal so weit gehen, dass hinter Floskeln keiner versteht, was wirklich gemeint ist. „We will continue to monitor the situation“ heißt: Wir haben keine Ahnung. Und ich habe lange gebraucht zu verstehen, dass hinter „Thank you for your application. Currently we have no suitable opening. But we will keep you application on file, should the opportunity occur!“ einfach nur steckt: Absage und Ihre Bewerbunsgunterlagen werfen wir weg.
So habe ich gelernt, statt „So ein Schwachsinn“ zu sagen „Ein guter Ansatz, aber er bedarf noch weiterer Überlegungen“. Geht doch.
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