Paris, Samstag, 3.8.1974: Auf Gleis 8 in Köln wartete (gestern) eine riesige Menschenmenge auf den Schnellzug Warschau-Paris. Der Zug, der dann mit viertelstündiger Verspätung einlief, wurde brechend voll. Ich fand noch einen Stehplatz im Gang eines französischen Liegewagens. In Düren jedoch stieg ich aus und zwei Wagen weiter vorn wieder ein. Durch Zufall entdeckte ich ein Liegewagenabteil, in dem zwar alle Plätze reserviert, drei Betten allerdings frei waren. Ich fragte den für den Wagen zuständigen Schaffner, ob ich eine Liegewagenkarte nachlösen könne, und in zehn Minuten konnte ich mich Schlafen legen. Vorher mußte ich noch eine schriftliche Zollerklärung abgeben, mein Personalausweis und die Fahrkarte wurden eingeschlossen. So habe ich also gut geschlafen, während der Zug durch Belgien und Nordfrankreich raste.

Planmäßig erreichte der Zug gegen 6.45 Uhr den Pariser Nordbahnhof. Ja, ziemlich ratlos stand ich da zwischen Hunderten von Reisenden aus ganz Europa. Banken and Reisebüros hatten noch bis 9.00 Uhr zu. Ich nahm mir deshalb vor, einmal erste Metro-Erfahrung zu machen. Die große Tasche stellte ich in ein Schließfach, löste gleich zehn Fahrscheine und stürzte mich in die Höhle. Prompt hatte ich mich auch verfahren. Statt zum Bahnhof Austerlitz gelangte ich an den Louvre. Nach einigem hin und her fand ich den Bahnhof dann doch. Dort habe ich mir einen Platz im Pyrenäen-Express nach Lourdes reservieren lassen. Dieser Zug ist Dienstag um 7.13 Uhr morgens in Lourdes.
Ich bin dann wieder zurück zum Nordbahnhof gefahren, und habe mich in eine Menschenschlange eingereiht, die alle ein Zimmer suchten. So gab man mir die Adresse dieses Hotels (in der Rue de Turenne, nahe dem Place de la Republique), und ich bin dann sofort hierhin gefahren! Sprachlich kommt man ganz gut mit einem Gemisch aus Englisch und Deutsch zurecht. Zum Wetter: trotz großer Schwüle regnet es in Strömen. Was das Zimmer betrifft: Einzelzimmer (mit heiß- und kaltem Wasser), im zweiten Stock ruhig gelegen; kostet mit Frühstück 21 Franc pro Nacht, das sind 12 DM!
Sonntag, 4.8.1974, 7 Uhr: Gestern Mittag um ein Uhr habe ich mich auf den Weg zum Eiffelturm gemacht. Ein Gewitter entlud sich über der Stadt, als ich das Hotel verließ. Mit der Metro, mit der ich mich jetzt gut zurecht finde, bin ich zum Palais de Chaillot gefahren. Dort habe ich, trotz strömenden Regens, erste Filmaufnahmen gemacht. Auf dem obersten Plateau des Pariser Wahrzeichens habe ich die herrliche Aussicht genossen.


Über den Champ de Mars an der Ecole Militaire vorbei bin ich zum Invalidendom getippelt. Hier ist das Grab Napoleons, übrigens eine der wenig Stätten, die Hitler nach der Eroberung von Paris besucht hat.
Über die Esplanade de Invalides gelangt man nach Überqueren der Seine zum Verkehrsknotenpunkt von Central-Paris und dem schönsten Platz der Stadt, dem Place de la Concorde! Hier mündet oder entsteht, wie man will, die Prachtstraße Avenue de Champs Elysées, die zum Place de Charles de Gaulle hin leicht ansteigt. Vom Concorde aus sind es nur wenige Meter zum Jardin des Tuileries, dem Schloßpark des Louvre (siehe Titelbild, KI-generiert im „Stil von Monet“!). Der Regen hatte längst aufgehört, so daß sich unzählige Menschen auf den Bänken der Tuilerien sonnten.
Der Louvre mit seinen tausend Zimmern beherbergt die wohl prächtigste Gemäldesammlung der Welt. Ich hoffe, am letzten Tag meines Paris-Aufenthalts noch Gelegenheit zu finden, sie zu besuchen. Nach einem kurzen Blick auf die Staatsoper in der Avenue de l’Opera bin ich dann mit der Metro zum Quartier zurück gefahren. Um 19.00 Uhr abends lag ich schon im Bett.

Mittelpunkt der Ile de la Cité wiederum ist die Kathedrale Notre-Dame. Die von unzähligen Figuren umrahmten Portale und die farbenprächtigen Rosetten werden von Besuchern aus der ganzen Welt bewundert. Als ich eben aus der U-Bahn-Station Filles du Calvaire kam, hatte sich das schwüle Sonnenwetter in leichten Gewitterregen verwandelt.
15.00 Uhr: Wer nach Paris kommt und nicht die Champs Elysees besucht, der hat Paris nicht gesehen. Von der Metro-Station Concorde aus bin ich die gesamte Prachtstraße entlang gegangen. Eine ganz schöne Strecke wenn man bedenkt, daß sie fast 2 km lang ist. Bei strahlendem Sonnenschein glitzerte und funkelte die Straße einfach fantastisch! Ich hoffe daß die Filmaufnahmen gut geworden sind! Am ersten Drittel der Champs Elysees liegt der gleichnamige Elysees-Palast – der Sitz des französischen Staatspräsidenten. Filmen der Wache und der Palast-Front war verboten!
Entlang der vielen Straßencafés, berühmter Kinos und Büros von Banken und Fluggesellschaften erreicht man schließlich den Place Charles de Gaulle mit dem riesigen Arc de Triomphe. Um ihn zu besteigen heißt’s Schlange stehen, am Kartenschalter, am Lift usw. Mittlerweile war es 13 Uhr geworden. Mein Magen meldete Appetit und so fuhr ich zum Gare du Nord, wo ich in einem schon gestern entdeckten billigen Restaurant zu Mittag aß. Gesättigt bin ich dann ins Hotel zurück gefahren.
Nach einem kurzen Mittagsschläfchen machte ich mich gegen 18 Uhr auf zu einem Abendbummel durch Paris … Weiter gings mit der U-Bahn nördlich der Seine zum Place de la Concorde. Über die Rue Royale wanderte ich zur Oper, wo schon die ersten Leuchtreklamen aufleuchteten. Wieder benutzte ich die Metro und fuhr bis zur Station Pigalle. Hier, in der Rue Pigalle am Fuß des Montmartre, liegt das Zentrum des Pariser Nachtlebens, das bekannte Moulin Rouge, was nichts anderes heißt als rote Windmühle.
Ein unvorstellbarer Betrieb herrschte dort; ab 5 Fr. konnte man schon eine Strip-Variete besuchen. Gegen 21 Uhr bin ich dann von Pigalle wieder zum Place Charles de Gaulle gefahren. Als ich aus der Metrostation hochstieg, empfing mich ein unbeschreiblich schöner Anblick: der hell angestrahlte Arc de Triomphe und die funkelnde Champs Elysées! Da es ein warmer Sonntagabend war, bin ich die Champs Elysées hinunter gegangen bis zur Metrostation Georg V. Beeindruckt vom Paris bei Nacht machte ich mich von dort auf den Weg ins Quartier.
Montag, 5.8.1974, 14.00 Uhr: Ich habe sie gesehen! Vorige Woche erst ist sie mit einer Sondermaschine der Aeroflot aus Moskau zurückgekommen: die Mona Lisa! Leonardo da Vinci’s weltberühmtes Gemälde ist allerdings nur ein Prunkstück der größten Kunstsammlung der Welt im Louvre. Um auch ein bißchen Kulturluft zu schnuppern, habe ich sie mir angesehen. Danach, so kurz vor Mittag, bin ich durch die Tuilerien zum Place de la Concorde gegangen. Dort gab es in einer Ausstellung Bilder aller berühmten Impressionisten zu sehen. Von Van Gogh, Cezanne, Renoir, Rousseau über Sisley, Pissaro, Gaugin, Degas bis zu Monet und Manet waren nahezu alle vertreten. …
Zu Mittag gegessen habe ich vor einer Stunde. Mein Hotel muß ich nun verlassen, und das Gepäck bringe ich schon zum Gare d’Austerlitz.


Der Pyrenäen-Express brachte mich über Nacht an den Fuß der Bergkette, in die Pilgerstadt Lourdes. Ich verbrachte den Tag mit Pilgern und Prozessionen, mit Kitschläden und Kerzen und mit Andacht an der berühmten Grotte. Die Legende von Lourdes spielte eine besondere Rolle in meiner Kindheit, daher wollte ich die Stadt einmal selbst erleben. Das Gepäck hatte ich am Bahnhof hinterlegt. Abends sollte es über Irun im Baskenland weitergehen nach Madrid. Es wurde etwas komplizierter.
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