Internationale Politik wird zur Übung der Verbeugung, des Kniefalls ja gar des Kotaus. Sich vor dem Kaiser auf den Boden werfen war in China akzeptierte Etikette. Die Herren und wenigen Damen der NATO-Staaten haben das jetzt geübt – und es scheint für einen oder zwei Tage gewirkt zu haben.
Was für ein Schauspiel, die europäischen Medien zeigen sich entsetzt vom Verfall internationaler Sitten und Verfahren.
Übernachtung bei Königs, Gold und Glitzer im Weißen Haus, im Tower oder im Florida-Anwesen, „Waffenstillstand“ deklariert per privatem Social Media-Unternehmen, Entscheidungen über Krieg und Frieden nach den täglichen Befindlichkeiten des Herrschers („Hat er gut gefrühstückt?“), NATO-Tagung an einem Tag, länger kann er nicht zuhören, Geheimdienst-Briefings verpackt als Fox News, die Beispiele könnten weitergehen. Und Kanzler, Premierminister oder Ministerpräsidenten (sogar das eigene Kabinett) werden danach bewertet, wie sie dem Herrscher gefallen haben – auch das Aussehen zählt dabei. Blondinen des Nachrichtensenders bevorzugt.

So lange das US-Innnenpolitik bleibt, kann man es als irres Schauspiel hinnehmen. Wenn es aber zum internationalen Standard wird, beginnt das Grauen. Die Komödie wird zur Tragödie. Noch müssen wir in Berlin nicht das Kanzleramt vergolden und vielleicht „Heil Dir im Siegerkranz“ singen. Aber die Welt ist auf dem besten Weg zurück in den Absolutismus. Wir dürfen unterwürfige Zaungäste sein, wenn die Herrschenden einfliegen – wie die Venezianer derzeit bei einer Fürstenhochzeit. Der Staat, das sind nicht wir – L’État, c’est moi
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