Intuition, Infusion, Induktion

Routine und lange eingeübte Gewohnheiten prägen das Leben in der Küche. Du kennst jede Schublade, weißt wo das Salatbesteck liegt und praktizierst „multi tasking„: Gemüse schneiden, während sich das Wasser im Kochtopf erwärmt; Eier aus dem Kühlschrank zu holen, während die Butter in der Pfanne schmilzt.

Mit einer neuen Küche aber ist es wie beim Kollaps einer Zivilisation: Alles sortiert sich neu. Schubladen haben sich vervielfacht, Schranktüren auch. Viele Geräte sind nicht mehr da, wo sie vorher waren. Die Spülmaschine hat jetzt zehn oder so Spezialprogramme, das benutzte Besteck für sie muss sorgfältig in einer eigenen Ebene einsortiert werden. Die Ergonomie der Geräte verlangt neue Bewegungen: Strecken um an die letzte Tasse im obersten Schrankfach zu kommen, fester Fingerdruck um das Programm bei der Mikrowelle auszuwählen. Überhaupt: Touch Screens (und WLAN) wo früher Drucktasten oder Drehknöpfe waren.

Der Ofen bietet Pictogramme für voreingestellte Backfunktionen. Bei der schnellen Pizza aus dem Tiefkühlfach stimmten alle timings der Jahrzehnte zuvor nicht mehr. Und es „dauerte“ drei Kuchen, bis wir halbwegs sicher waren, kein Malheur zu produzieren.

Der Hit ist der Induktionsherd, eine Quelle für wahren Küchenstress. Jede Bewegung bringt die Kochplatte zum Piepsen, die Hitzegrade werden mit dem Finger auf dem Screen gedrückt (jedesmal muss ich das Kindheitstrauma eines verbrannten Finger auf der Herdplatte überwinden). Wehe Du stellst auf höchste Stufe beim Kochen und musst schnell mal wohin – das Wasser ist verdampft, wenn Du zurück kommst; die Milch klebt um den Topf herum, wenn Du Dich zur anderen Seite drehst. Und bitte bei welcher Stufe „köchelt“ es? Alles muss leidvoll getestet und erprobt werden. Ich höre ab und zu die Flüche meiner Frau, und sie muss meine ertragen.

Wir haben uns der Herausforderung gestellt, die Umschulung bestanden. Nur die Induktion überrascht uns noch beim Kochen. Da fällt mir ein: Ich habe einmal eine Matheklausur an der TH bestanden, weil ich den „Beweis durch Vollständige Induktion“ verstanden hatte. Maschinenbauer bin ich nicht geworden, aber wie heißt es: Nomen est Omen.


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5 Gedanken zu “Intuition, Infusion, Induktion

  1. Ich finde touchscreen-Lösungen bei den Haushaltsgeräten überhaupt nicht praktisch. Mag an meinem Alter, den schlechter werdenden Augen und den nicht mehr so schnellen Fingern (??) liegen, aber rot auf schwarz am Herd ohne Tageslicht kann ich nun einmal ohne Brille nicht mehr lesen und mit der Zeitvorwahltaste der Waschmaschine stehe ich auf Kriegsfuß: Sie akzeptiert den ersten Drücker und danach ignoriert sie mein „Getatsche“ hartnäckig 😉 Früher konnte man wenigstens wütend einen Knopf voll durchdrücken, aber jetzt ist es ein dummes „Wo ist der blöde Druckpunkt???“ Getupfe. Gar nicht befriedigend 😣

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  2. Wat fürn Stress … und ständig piept irgendwas …
    Das wäre doch fast ne Marktlücke oder? „Bau mir meine alte Küche, nur halt in neu“

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      1. Das kommt bestimmt auch noch. Und dann vielleicht noch etwas unterschwellig…. „Der Spülgang ist seit drei Stunden beendet, es muss jemand mal die Maschine ausräumen“

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