Geld allein macht es nicht…

Die Wahl ist gelaufen, Amerika zerlegt sich gerade selbst – und die Mehrheit dort schaut begeistert zu. Ministerien, Verfassungsorgane, Regierungsbehörden, Umwelteinrichtungen werden mit Personal besetzt, dem ich nicht einmal die Leitung einer Abfallentsorgung anvertrauen würde. So war es angekündigt, so war es gewollt.

Aber irgendwie scheint der Wahlkampf noch nicht zu Ende: Habe ich in den letzten sechs Monaten durchschnittlich fünf bis zehn E-Mails pro Tag von der Biden/Harris und der Harris/Walz-Kampagne erhalten, so sind es jetzt immer noch zwei oder drei – täglich! Wie die hier unten:

R… , can you chip in $5 to support the Harris Fight Fund program? Sorry to be so blunt, but right now there are races that are either too close to call, or within the margin of recounts or certain legal challenges.Whether we have the resources to ensure every vote is counted or not in these races depends on folks like you making a donation today.It will all add up fast when you and others like you are united in making sure every vote is counted and every voter’s voice is heard. That’s why we’re asking: Will you please chip in $5 to support the Harris Fight Fund program today?

Die Wahlkampfmaschine der Demokraten hat 1,5 Milliarden US-Dollar im Kampf ums Weiße Haus „verbrannt“, berichtet heute die New York Times.

Es lag wohl nicht am Geld von großen und kleinen Spendern (bei mir fängt das mit der Bitte um 5 Dollar an), sondern an einer verkorksten Botschaft und an einem fehlenden Narrativ, wie es in Neusprech heute heißt. In einer live übertragenden Pressekonferenz hörte ich die Kandidatin auf die Frage nach ihren politischen Zielen sagen, das könne man gern auf ihrer Webseite nachlesen. Damit überzeugt man nicht Leute, die ihren Kandidaten am Steuer eines Müllwagens sehen oder bei Wrestling-Shows. Eine integre und intelligente Kandidatin – aber ohne eine schlagzeilenträchtige Message – das musste schief gehen.

Während die Wahl in den USA gelaufen ist und die Folgen zu einem Desaster werden, steht uns das Ganze – zum Glück in Kurzform – bevor. Außer am rechten Rand geht es bei uns noch ziemlich zivil zu und an einer Polarisierung hat keiner Interesse. Ich hoffe auf Sachdebatten und nicht auf PR-Schlachten. Die USA sind ein abschreckendes Beispiel von Wahlkampf und eine bittere Lehre für das Wesen der Demokratie.


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