Hessen ist ein Dorf

Über den ersten Ort hinter der Grenze zu Sachsen-Anhalt habe ich hier schon geschrieben. Vor 35 Jahren öffnete sich die Grenze überall zu den Kreisen Goslar und Wolfenbüttel. Am Sonntag, den 12. November 1989, fiel der Zaun an der heutigen B 79. Überall in unserer Region werden in diesen Tagen Erinnerungen wach.

Der verschwundene Barockpark. Full Circle 712, 2.5.2024

Im teil-renovierten Schloss Hessen hat dessen Förderverein eine kleine Fotoausstellung zu jenem 12.11.89 organisiert. An dem kühlen und extrem nebligen Novembersonntag gestern waren wir dort. Auf Stellwänden gab es Fotos mit der Schlange von Trabants, die über den sogenannten Hessendamm Richtung Mattierzoll fuhren.

Das Mauerloch im hier 2015 noch nicht vollständig restaurierten Schloss ist nicht ohne Symbolik

Heute eine gut ausgebaute Landstraße war es damals eine bucklige Kopfsteinpflaster-Piste. Autos und Hunderte Fußgänger bewegten sich Richtung Grenze zu Niedersachsen, der Landkreis Wolfenbüttel hatte einen Pendelbus-Verkehr eingerichtet, samt Anlaufstation für Begrüßungsgeld. Was ungemein beeindruckt – auf allen Fotos zur Grenzöffnung – ist die ungebändigte Freude der Leute hüben und drüben. Das geht selbst dem Unbeteiligten wie mir unter die Haut – heute wie vor 35 Jahren.

Im Ausstellungsraum drängten sich Bewohner Hessens mit Kindern, die zwanzig oder dreißig Jahre später geboren sind. Wer damals 20 war hat heute die Enkel mit dabei.

An den trüben Tagen dieser Wochen ist es gut, sich die Gefühlslage vom November 1989 zurück zu holen. Vielleicht hilft ein Softeis.


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