Tiere können zum Image-Gewinn beitragen. Beispiel Pandabären: die knuffigen Wesen stehen für ein sanftes, freundliches China. Das schaffen wir auch, dachte sich ein Minister in Malaysia. Man könne doch Orang Utans an Zoos weltweit verschenken, um vom negativen Image der Palmöl-Produktion weg zu kommen. So steht es in einem Bericht der in Hongkong erscheinenden South China Morning Post.
Plantagenwirtschaft, zuvorderst die von Ölpalmen, hat zum Verschwinden des Regenwaldes in Südostasien beigetragen und die „Waldmenschen“ (= orang utan) um einen Teil ihres Lebensraums beraubt. Malaysia und sein Nachbar Indonesien produzieren gut 80 % des Palmöls weltweit. Als Zutat zur Nahrungs- und Genussmittelproduktion ist es unverzichtbar, sein Ertrag pro Fläche ist höher als Soja oder Sonnenblumen. Dennoch, neue Plantagen gehen zu Lasten ursprünglicher Naturlandschaften. Die EU hat nun mit den Produzenten ein Abkommen geschlossen, das eine nachhaltige Bewirtschaftung bestehender Plantagen erzwingt, will man Palmöl in die Gemeinschaft exportieren. Malaysia hat sich diesen Vorgaben angeschlossen, die Ende 2024 in Kraft treten. Zeit also, sich positiv mit den Herausforderungen der Palmöl-Wirtschaft zu beschäftigen, dachte sich der Minister in Kuala Lumpur.
Aber sollten ausgerechnet die Leidtragenden der Plantagenwirtschaft, die Orang Utans, zum Botschafter für eine umweltfreundlichere Politik werden? Kein Zweifel, die sanften Riesen, die sich von Ast zu Ast schwingen und genüsslich Blätter kauen und Früchte mampfen, sind liebenswerte Gesellen. Wer sie je beobachtet hat – in freier oder semi-freier Umgebung – kann sich einem eigenartigen Gefühl der Verbundenheit nicht entziehen.


Ich habe in einem Reservat bei Sandakan (Nordborneo) Orang Utans beobachten können, die von einer Pflegestation ausgewildert werden. Zuweilen kommen sie zur Fütterung zurück. Wir und sie beäugen uns dabei gegenseitig, in einer fast andächtigen Stille, die nur von den Zirpgeräuschen des Urwaldes überlagert war. Extrem beeindruckend.

Am Rand jenes Sepilok Orang Utan Centre’s beginnt der Regenwald. Bei einer Rundwanderung nach einem Starkregen hörte ich ein klopfendes Geräusch am Weg, als würden Hölzer aufeinander geschlagen. Ich dachte zunächst an Bauarbeiten der Forstverwaltung, entdeckte aber bald über mir im Geäst etwas Braunes. Es war ein Orang Utan-Mädchen. Mit einem Stöckchen versuchte es, ein Insekt aus einem Loch im Baumstamm zu puhlen. Es gab nach mehreren Versuchen auf und warf das Stöckchen genervt weg. So was von nachvollziehbar.
Lieber malaysischer Minister! Es reicht uns, wenn Ihr die Vorgaben der Europäischen Union einhaltet und das überwachen lasst. Dann könnt Ihr ein Nachhaltigkeitssiegel auf Palmöl drucken. Die Orang Utans sind bei Euch viel besser aufgehoben.
Nachtrag zu Malaysia’s Öl-Ressourcen, mit eindrucksvollen Karten:
In South China Sea, Malaysia risks confronting China over oil and gas – The Washington Post
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