Der Taurus ist ein Hinderniss: Wer immer aus dem anatolischen Hochland Richtung Mittelmeerküste oder Levante marschieren wollte, musste den Gebirgszug in der Südtürkei in den wenigen Lücken queren, so etwa die Kreuzfahrer durch das Tal des Göksü (Foto oben) oder Alexander der Große durch die Kilikische Pforte.
Heute lernen wir unter diesem Namen einen Lenkflugkörper kennen, der es in sich hat. Die Taurus Systems GmbH hat eine aufschlussreiche Webseite. Danach ist die Range des Flugkörpers bis zu 500 km. Unter Penetration versteht man die Durchschlagskraft, auf der Website graphisch illustriert bis zum untersten Bunker nach vier Betondecken darüber. Für die Area Target Effectiveness wird ein Airburst Mode mit überirdischer Zerstörungswucht angeboten. Die Navigation erfolgt über militärisches GPS, über Image based Navigation und über terrain referenced navigation, bei dem der Flugkörper die Erdoberfläche unter sich abtastet.
Die Frage in der derzeitigen Diskussion ist: Wer gibt die Zieldaten ein, die offensichtlich nicht über gängige Computerprogramme erfolgen kann, sondern auf Geheiminformationen beruht? Dann die Reichweite, die weit über das Aufmarschgebiet der russischen Armee ins Hinterland geht (Charkiv ist knapp 700 km Luftlinie vom Kreml entfernt, aber die Brücke über das Asow’sche Meer nur 400 km). Es gibt aber noch eine ganze Reihe anderer Fragen der Lieferbarkeit, des technischen Knowhows und der von Trägerwaffen (=Flugzeugen).
Nichts gegen eine ordentliche und kontroverse Diskussion über (Waffen)Hilfe an die Ukraine. Und die Bilder dieses verheerenden Krieges, verursacht durch ein menschenverachtendes System in Russland, das vor Zehntausenden eigenen Opfern ebenso wenig zurück schreckt wie vor gezielten tödlichen Angriffen auf Zivilisten in der Ukraine, drehen den Magen um. Aber Politik ist nun einmal Kopfsache. Da gilt es abzuwägen, was im militärischen Interesse ist und was für politische Konsequenzen das hat.
Und wir lernen jeden Tag mehr, was für Hightech-Waffenproduzenten wir haben. Rheinmetall, Kraus-Maffei Wegman, MTU oder Diehl, ja sogar Airbus, haben sich bislang vornehm zurück gehalten. Seit der Zeitenwende sind einige von ihnen Dax-Stars und auch sonst treten ihre Vorstandsvorsitzenden selbstbewusst auf, Qualität Made in Germany halt. Die durfte sich die Bundeswehr selbst nicht gönnen, dass Ausland stand Schlange für U-Boote, Panzer, Flugzeuge und eben Marschflugkörper. Und in Schrobenhausen bringt ein Vater seine Kinder gerade zur Kita. Er kann auf die Frage „Papa, was machst Du heute so?“ jetzt selbstbewusst antworten: „Ich verbessere heute das Boden-referenzierte Leitsystem in unserem Taurus.“
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Also rein technisch gesehen ist das ja sicherlich beeindruckend, aber ich will mir auch nicht vorstellen, was passiert, wenn so ein Ding auf russischem Boden landet.
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