Einunddreißigtausend

Es ist erst einmal nur eine Zahl: 31.000. Das ist aber nicht der Stand vom Dow Jones Index oder der von Bitcoin. Die Zahl wurde am Wochenende vom Präsidenten der Ukraine genannt, zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffs auf sein Land. Es ist die Zahl der Gefallenen auf ukrainischer Seite. Auf der Gegenseite dürften es weit mehr sein. In zwei Jahren sind damit im Krieg zwischen Russland und der Ukraine mindestens 100.000 Frauen und Männer getötet worden.

Und das sind nur die in den Schützengräben und Panzern. Auf beiden Seiten zusammen dürften es mindestens 200.000 Verwundete sein, fürs restliche Leben gezeichnet. Die Verwundungen an der Seele mag man gar nicht mitzählen, auch die von Familien und Angehörigen. Dazu noch die Zahl getöteter Zivilisten in der Ukraine, die sich der Zehntausend nähert. Nimmt man den zweiten Krieg unserer Zeit in Gaza und Israel hinzu, wurden in den vergangenen zwei Jahren in diesen beiden Kriegen 140.000 Menschen getötet. Vor unseren Augen.

Aber wir haben das Dschungelcamp, „Verstehen Sie Spaß?“, den Karneval, oder GNT, Germany’s Next Topmodel. Läuft doch. Unser Land kämpft mit Traktoren für den Zuschuss zum Agrardiesel und gegen Umweltauflagen im kommerziellen Landbau. Geht es uns nicht so ganz gut, lassen wir uns telefonisch „krank“ schreiben. Work Life Balance ist uns wichtig, für andere ist es das bloße Überleben.

Es fällt im letzten Lebensdrittel vielleicht etwas leichter, stoisch die Realität zu betrachten. Aber nur etwas, es ist nie weit zum Zynismus. Die indische Autorin Arundhati Roy hat ihrem Buch „The Cost of Living“ vor über 20 Jahren existenzielle Lebensgrundsätze so formuliert:

„To love, to be loved. To never forget your own insignificance. To never get used to the unspeakable violence and the vulgar disparity of life around you. To seek joy in the saddest places. To pursue beauty to its lair. To never simplify what is complicated or complicate what is simple. To respect strength, never power. Above all, to watch. To try and understand. To never look away. And never, never to forget.

Aber Zehntausenden wurde das seit dem 24. Februar 2022 nicht mehr gegönnt.


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2 Gedanken zu “Einunddreißigtausend

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