Ich weiß, ich mach mir mit diesem Beitrag wohl wenige Freunde. Solche von Vespas, Enfields oder Verwandten der Zündapp, die gern in Bali zum Beach preschen, kann ich ja verstehen. Aber wer je in Hanoi, Yogyakarta oder Taoyuan zu Fuß unterwegs war, der weiß wo von ich rede.
Foto oben: Rama IV Road in Bangkok (2017)


Bei abwesenden Bürgersteigen ist jeder Walk eine Gefahr für Leib und Leben. Motorisierte Zweiradfahrer in Indonesien, Vietnam oder sogar in Malaysia und Taiwan scheinen nicht unter Verkehrsregeln zu fallen. Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten nur für die mit vier Rädern (und auch nur beschränkt), souverän missachten sie jede Überhol- oder Stoppregel. Motorradfahrer nutzen die Stadtstraßen als Parcours für Motocross, Autos und Fußgänger ersetzen Büsche und Hindernisse. Die Polizei ist machtlos oder hat aufgegeben.




Ein kürzlicher Artikel in der New York Times hat mich getriggert. Bislang war mir nicht aufgefallen, dass Polizei die Zweirradfahrer kontrolliert.
In Saigon fuhren mir Motorradfahrer, die Ampel-Rückstaus umgehen wollten, auf dem Bürgersteig um die Beine. Kürzlich in Taoyuan: Mit Bürgersteigen nicht existent musste ich auf der Fahrbahn marschieren. Motorradfahrer rasten im Zentimeterabstand am Ohr vorbei.
Aber auch der Selbstfahrende ist nicht vor Bedrängnissen gefeit. Höhepunkt vor einigen Wochen frühabends in der Innenstadt von Chiang Mai, immerhin die zweitgrößte Stadt Thailands. Unser Hotel lag mitten im Zentrum. Bei Sonnenuntergang fiel mir ein, ich müsse tanken, da wir früh morgens am Flughafen den Wagen zurück geben mussten. Das Navi „sprach“ von wenigen Minuten zur nächsten Tanke. Es wurde ein Vorgeschmack auf die Hölle. Es gibt keine verifizierbaren Zeugnisse dieser Höllenfahrt durch dunkle Gassen, mit Wendemanövern und U-Turns, immer umringt von Zweirädern und Fußgängern unterwegs auf die Nachtmärkte. Ja, das Navi führte uns mitten durch einen solchen hindurch. Hätte ich wenigsten meine Flüche aufgezeichnet, aber man kann nicht an alles denken.
Und dennoch: Die Motorräder sind mangels effizienter öffentlicher Verkehrsmittel unverzichtbar. Sie werden weniger, je entwickelter eine Gesellschaft ist. Wer kann, kauft ein Auto. Aber auch für diesen Verkehr sind die wenigsten Großstädte Asiens gerüstet. Kuala Lumpur oder Georgetown in Penang sind gut befahrbar (wenn man sich in die Fahrkultur eingewöhnt), auch kleinere Städte wie Chiang Rai in Thailand. Bangkok ist für seine Staus seit Jahrzehnten notorisch, aber nichts gegen Jakarta. Man könnte die Aufzählung fortsetzen.






Mangels Jobs sind viele gezwungen, ihr Motorrad unter dem Logo einer Mitfahr-Firma, die in ganz Südostasien unterwegs ist, zu vermieten. Den Mut der Fahrgäste bewundere ich, die Erschöpfung der Fahrer in tropischer Hitze sieht man überall.


Inzwischen beherrschen Food Deliveries die Straßen, alles per Motorrad.
Meine Feuertaufe kam unvermittelt vor ein paar Jahren: Bei einem Zwischenstopp in Chennai hatte ich mich mit einem alten Bekannten auf ein Bier verabredet. Der junge Mann empfing mich am Flughafen und gerade als ich ein Taxi zu einem nahegelegenen Hotel bestellen wollte, meinte er, wir könnten sein Motorrad benutzen. Das wäre schneller.
Er muss mein Entsetzen gesehen haben, was ihn nur noch mehr ermutigte mir ein „adventure“ zu versprechen (mein Leben war damals aufregend genug). Ich wollte nicht unhöflich sein und schwang mich (ohne Helm) auf den Rücksitz („es seien ja nur ein paar hundert Meter“). Los gings Richtung Innenstadt in den vier- oder mehrspurigen Verkehr samt Gehupe. Wir mussten sogar einen U-Turn machen, um das Hotel auf der anderen Straßenseite zu erreichen, dazu noch mehrere Spuren wechseln. Als wir vor dem Luxushotel einer internationale Kette vorfuhren, staunte das Personal am Eingang nicht schlecht: ein nassgeschwitzter Ausländer auf dem Rücksitz, kam im Hotel dieser Klasse nicht häufig vor.
Wir hatten eine gute Zeit beim Bier in der Bar, aber für den Rückweg lehnte ich das Angebot meines Bekannten dankend ab. Er knatterte Richtung Stadt davon, ich nahm die Limousine des Hotels zurück zum Terminal.
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Ha, ha, ha, ich weiß sehr gut, was du meinst. Unser erster Aufenthalt in Hanoi war ebenfalls beeindruckend und nur von der Sehnsucht geprägt, den Tag zu überleben. Erstaunlich, dass doch so wenig passiert. Die Todeszahlen im Verkehr sind trotzdem viel höher als in Europa.
Auch verblüffend, was man alles auf so einem Roller transportieren kann. Ich hatte dazu auch mal einen Beitrag verfasst: http://sinnlosreisen.blog/2020/08/28/der-motorroller-in-kambodscha/
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Super Bildbericht, Marko und danke für den Kommentar. Ich habe von Unfällen dieser halsbrecherischen Fahrweise zwar auch gelesen, zum Glück keine gesehen. Einige Autofahrer habe ich danach befragt, Antwort Schulterzucken.
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Habe gerade nochmal ein wenig recherchiert: laut https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_traffic-related_death_rate sollte man in Thailand nicht auf der Straße sein – die weltweit zweithöchste Todesrate pro 100.000 Einwohner. Autsch 😦
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Das glaube ich gerne. Und Indien wahrscheinlich Spitzenreiter
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Nach dem ich im Januar in Bengaluru mehrere Male auf einem Motorrad mitfahren durfte … musste … kann ich das gut nachvollziehen
Tolle Bilder und Geschichten …
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