Zurück an der Straße von Malacca

Die Malacca Straits Moschee in schönstem Sonnenschein, das ist eher die Ausnahme. Denn hier ist wieder Monsun, diesmal aus der „Gegenrichtung“. Jetzt kommen die Luftmassen übers Südchinesische Meer, treffen auf das Relief der malaysischen Halbinsel und senden Regenfluten bis an die Westküste. Niedrig gelegene Regionen im Bundesstaat Melaka waren vergangene Woche überschwemmt.

Hier ist mein Reisetagebuch Südostasien

Der Regen macht derzeit Pause. Die Sonne schien den ganzen Tag, nicht nass von Oben, sondern von Schweiß. Am besten sich nicht gegen die Schwüle wehren, der Vorteil liegt in der Kleidung: Shorts und T-Shirts, Tag ein, Tag aus reichen aus. An der Ostküste Malaysias aber regnet und stürmt es und Schwimmen im Meer gefährlich

Beleuchtete Fahrrad-Rikshaws, ausgestattet mit Ghetto Blasters, sind der Hit in der Altstadt von Melaka.

Ich bin vom Flughafen Kuala Lumpur mit dem Auto nach Melaka gefahren. Das sind knapp zwei Stunden, zunächst auf die Autobahn AH 2 Richtung Johor Bahru und Singapur, dann über die Ausfahrt und Mautstelle Ayer Keroh in den Stadtverkehr. Mein Domizil liegt in einem der gewaltigen Neubaukomplexe direkt am Meer. Gegenüber wurde eine künstliche Insel geschaffen. Dort ist ein neuer Stadtteil entstanden, Pulau Melaka, die Moschee im Meer ist das Aushängeschild.

An den Straßen standen noch die blauen und roten Fähnchen des Wahlkampfs. Vorgestern waren Parlamentswahlen in Malaysia, 21 Millionen Wahlberechtigte und zum ersten Mal auch die 18 bis 20-Jährigen. Die Oppositionspartei Pakatan Harpan (die mit den roten Fähnchen) hat die meisten Parlamentssitze erhalten, aber in den Dutzenden von Parteien und Parteigruppierungen scheint alles möglich. Das meist nach Ethnien wählende Malaysia hat das weitgehend hinter sich gelassen, aber die frühere Staatspartei der Malaien (UMNO) ist immer noch stark. Mit denen der Chinesen und Inder bildet das Bündnis Barisal Nasional (die blauen Fähnchen) die konservative Seite des Parteienspektrums.

Ein guter Bericht des ARD-Studios in Singapur zu den Wahlen in Malaysia am 19.11.2022.

Ähnlich wie bei uns sind alle Konstellationen denkbar, die Farben einer Ampel reichen nicht dazu. Und ähnlich wie bei uns kann es in den 13 Landesparlamenten der Föderation Malaysia zu ganz anderen Regierungskoalitionen kommen. Demokratie funktioniert hier also (was bei uns oft nicht goutiert wird), aber von effizienter und tragfähiger Governance ist das noch weit entfernt.

Nachtrag 24.11.: Anwar Ibrahim named Malaysia’s leader. The Washington Poost, 24.11.22

Ich bin erst 48 Stunden im Land und schwanke noch zwischen Shopping Malls und Gourmet-Tempel (Spoiler: Ich war heute bei McDonalds, weil ich aufs Klo musste). Gestern Abend fand ich das „Botanist Cafe“, ein vegetarisches Restaurant mit interessanten Kreationen. Ich wählte Nasi Lemak mit braun/blauem Reis. Aber es schmeckte so gut, wie es aussieht.

Im Übrigen ist die Auswahl von Restaurants derart gewaltig, dass man sicher 365 Tage hier bleiben und für jeden Tag ein anderes finden könnte.

Von der Fußball-WM habe ich noch nichts mitbekommen, obwohl ganz Südostasien ziemlich fußball-verrückt ist. Aber das gilt nur für die Champions League und deren Stars. Dafür stehen die Leute hier nachts um 3 Uhr auf.

Die Spiele der WM sind für den europäischen Markt gedacht, hier laufen die Spiele ebenfalls mitten in der Nacht. Nur unser Spiel gegen Japan kann ich (hoffentlich in einer Sportsbar) live sehen. In Malaysia ist es dann 9 Uhr abends. Ansonsten gibt es Deutschland zu 60 % Rabatt.

2 Gedanken zu “Zurück an der Straße von Malacca

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