Die Zielvorgabe ist kein angestrebtes Gehalt, es geht laut einem Bericht auf der Webseite von CNN um die Planzahl der ukrainischen Armee für getötete oder verwundete russische Soldaten. Jeden Monat eine Kleinstadt.
Ich finde mich in der Ortschaft Granovshchina wieder, ein paar Kilometer nördlich von Irkutsk. Dort, im Fitnessclub S.K.A.I. GYM trainieren junge Leute ihre Muskeln. Einer von ihnen, vielleicht ein Fitnesstrainer, ist Maxim Wjatscheslawowitsch. Er präsentiert sich auf dem Foto kompetent vor einem gut ausgestattenen Trainingsraum. Auf der Webseite des Clubs sind aktuell vier professionelle Trainerinen aufgelistet, aber ich könnte anrufen (Google gibt sogar die Telefonnummer her).

Auf Google Street View ist an der angegebenen Adresse an einer Ausfallstraße, mit schmucken Häuschen hinter hohen Zäunen und Mauern, im Jahr 2013 nur eine Baustelle zu sehen. Im aktuellen Satellitenbild aber ist der Fitness-Club als Flachdachbau gut zu erkennen.

Mein „Besuch“ im S.K.A.I. GYM ist natürlich nur virtuell, ich bin auf irgendeiner Stelle in Russlands fernem Osten gelandet. Maxims Foto ist vom September 2021, also vor dem Angriff seines Landes auf die Ukraine.
Seit dem sind schätzungsweise 500.000 junge Russen im Krieg gegen die Ukraine „gefallen“ – wie es euphemistisch heißt. Man könnte auch sagen „geopfert“ (so sieht es die Ideologie des Kreml) oder schlicht geschlachtet worden. Lebt Maxim noch? Die Frage stellt sich unwillkürlich, gehört doch seine Altersgruppe und seine Heimatregion zur Hauptrekurtierungsquelle der russischen Armee.
Was hatte er im Leben noch vor? Ganz sicher hatte er Pläne oder Träume. Wusste er, was ihm bevorstand? Was sagte er Freunden oder Freundin zum Abschied? Die Fragen könnte man eine halbe Million Mal stellen. Die Fragen müsste man aber einer Regierung und Militärführung stellen, die solche Opfer in Kauf nimmt, um machtpolitische Ziele zu erreichen. Kein Blutzoll scheint zu hoch.
Ein paar hundert Meter östlich des Fitnessstudios liegt die Grundschule „Sonnenblume“ (Podsolnechnaya). Google Maps zeigt eine vorbildlich ausgestattete Schule, kleine Lerngruppen, engagierte Lehrerinnen und ihre Schüler. Und nicht weit entfernt findet man das Restaurant Sea-Torria, mit schickem Ambiente und einer leckeren Auswahl von Speisen. Google führt den virtuell Reisenden mitten hinein in ein Land, dem man dort nicht ansieht, dass es ein paar Zeitzonen weiter westlich einen mörderischen Krieg führt.
Der Bericht der CNN-Webseite bringt den gegen die Ukraine zurück in den Blickpunkt. Nach Jahren und zehntausenden Opfern auf der Seite des angeriffenen Landes gewinnt die Ukraine langsam die Überhand mit ihrer Waffentechnologie, die auf Drohnen und Robotfahrzeugen basiert.
Robots are redefining the war in Ukraine – and forcing Russia onto the back foot. CNN.com, 31.5.2026
Sie sind Tod bringend für die russischen Soldaten in den Schützengräben und im Hinterland. Zitat aus dem Bericht:
Ukraine’s policy now is to kill or injure 35,000 Russians a month, something they have achieved this year, the goal being to force the Kremlin into uncomfortable and unpopular recruitment from the urban center and the middle classes. An estimate from the British spy agency GCHQ released Wednesday put the total Russian death toll at 500,000, citing new information.
Wie duldsam ist eine Bevölkerung, die eine ganze Generation junger Männer in eine solche Schlacht schickt? Wann wird der Kriegsherr zur Rechenschaft gezogen?
Titelfoto: Landschaft in Sibirien. pexels.com
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