Kinderkriegen im politischen Diskurs

Etwas eint uns alle, vom Papst bis zum Kindersoldaten: Wir wurden aus dem Bauch einer Frau in die Welt gesetzt! Da gibt es kein vertun. Banale Nachricht, mag man meinen. Mann!

Schwangerschaften sind etwas, was Männer nur bedingt mittragen können. Für Frauen sind sie eine Entscheidung über Leben und Gesundheit, die eigene und die des werdenden Lebens. Fazit: es ist eine Sache von Frauen, und Frauen allein, die über ihre Schwangerschaft entscheiden. Männer würden es sich verbitten, dass irgendjemand über ihren Körper entscheidet, außer sie selbst (und sie tun das mit zunehmend selbstzerstörerischer Störrigkeit).

So, wirst Du sagen, was ist daran neu? Eine ganze Menge. Die neuen Rechten sind nicht nur chauvinistisch, wenn es um Volk und Ethnie geht, sie sind es auch, wenn es um Reproduktion und Frauenrechte geht. In den USA will MAGA viele (möglichst weiße) Kinder und schränkt den Zugang zu Familienplanung und reproduktiver Gesundheit ein – ein massiver Eingriff in die Autonomie von Frauen. Deren gesellschaftliche Stellung wird somit gleich mit gekippt, ebenso Sexualaufklärung in Schulen.

Familienplanung und Sexualerziehung wird verknüpft mit der Diskussion um ein vollständiges und absolutes Abtreibungsverbot. Das macht Frauen zu Kriminellen, in einigen US-Bundesstaaten (Texas anyone?) sollen sie eher mit dem Leben bezahlen. Ihrem eigenen. Es ist weit mehr als ein Kulturkampf – wie es bei uns oft kolportiert wird, es ist eine existentielle Frage für Frauen.

Dass sich die Rechte in den USA gleich noch die katholische Kirche zum Verbündeten machen, passt ins Bild. Männliche Hierarchien sind in, Frauen reichen als Accessoires. Vorzugsweise blond und schlank. Der Präsident macht aus seinen Vorlieben keinen Hehl, ein Gott-Geweihter ist er schon mal. Der Papst wird ein Rivale. Der Vize ist konvertiert und hofft, seine Frau – eine Hindu – folgt. Männerwelten, Männerphantasien, Käfigkämpfe als Staatsunterhaltung. Außenpolitik als Gewaltphantasie mit einem Hauch von Kreuzzug, beim Kriegsminister gleich eintätowiert.

The Warmongers Are Getting History All Wrong. New York Times, 20.4.2026

In dieser Welt leben derzeit Frauen in den USA. Viele haben die MAGA-Bewegung mitgetragen. Aber pro-natalistische Politik, wie das vornehm heißt, ist nicht auf MAGA beschränkt. Sie findet sich in Parteiprogrammen der Rechten in Europa. „Familie mit Kindern als Vorbild der Lebensgestaltung!“ heißt es bei Punkt 5 des AfD-Regierungsprogramms für Sachsen-Anhalt. Oder in Punkt 6 „Kinderwunscherfüllung fördern!“

Ob das eine Familienpolitik wird, die in Einklang steht mit Gleichberechtigung und Selbstbestimmung von Frauen, müsste sich noch zeigen. Aber den Test sollten sich die Wähler ersparen, das Experiment MAGA-USA zeigt das täglich aufs Neue.

Titelfoto: pexels.com


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