Was Bahnhöfe betrifft sind wir ein Entwicklungsland: Mit Ausnahmen wie Leipzig oder Berlin Hbf (oder irgendwann Stuttgart?) sind Bahnhöfe Durchgangsorte, die man möglichst schnell verlässt. Ganz anders in Japan – und Indien! Dort sind Bahnhöfe kleine Städte in der Stadt. In Indien gab es in Bahnhöfen in 1980er und -90er Jahren noch sogenannte Retiring Rooms, in denen der Reisende über den Gleisen in Schlafsälen nächtigen konnte. Zitat aus meinem Reisetagebuch: Benares, 26.9.1977. Als wir heute gegen 10 Uhr in der Hindustadt ankamen, hatten wir Glück. Wir bekamen Betten in den Retiring Rooms. Die Säle recht sauber, gute Duschen und Waschanlagen. Man ist insgesamt bemüht den Bahnhof sauber zu halten. Das Restaurant hingegen ist verteufelt schlecht. …

Zudem sind die aus der Kolonialzeit stammenden Bahnhöfe in indischen Metropolen architektonische Wunderwerke. Um einen Eindruck von den Ausmaßen des früheren Victoria Terminus in Bombay zu bekommen, kletterten wir im September 1979 auf das Dach eines gegenüberliegenden Gebäudes (wir hatte das Foto oben zuvor in einer GEO-Ausgabe gesehen und wollten es „nachstellen“).


Über Bahnfahren in Asien habe ich hier oder unter Reiners.blog schon oft geschrieben. Heute geht es um ein paar praktische Dinge, die man an deutschen Bahnhöfen nicht findet oder nie finden wird. Zum Beispiel Gepäckträger.

Die rot-berockten Herren waren das Markenzeichen indischer Bahnhöfe. Sie warten vor den Eingängen und in den Eingangshallen, sie stürmen die Bahnsteige wie eine rote Flut, wenn die Züge einfahren. Ja, sie springen schon in die Wagen, wenn der Zug noch rollt. Jedem ist ein Abschnitt zugeordnet. Es war ein wiederkehrendes Ritual, wenn nach Nächten im Fernzug der Coromandel Express oder Howrah Mail in einem der großen Kopfbahnhöfe einrollte: Wir warteten mit unseren Kindern mit dem Aussteigen, bis sich der erste Ansturm verflüchtigt hatte.
All das gibt es nicht auf Film oder Foto, weil die Tradition schon in den 1990er Jahren auslief – als auch in Indien Rollkoffer modern wurden und man nicht mehr mit gigantischer Menge an Gepäck reiste. Die Träger konnten oft zwei Koffer auf dem Kopf balancieren und noch einen hinter sich herziehen.


Man findet sie heute kaum noch. Schade, ein Stück Bahnhofskultur ist damit verschwunden. Sperriges Gepäck wird aber immer noch gern auf dem Kopf getragen.

Auch Indiens Bahnhöfe werden unseren immer ähnlicher (Titelbild und Foto unten: Chatrapati Shivaji Terminus in Mumbai): Auf dem Boden ruht man bei uns aber nur noch an Flughäfen.


Ganz anders ist die Kultur in China, Taiwan und Japan: Rolltreppen auf die Bahnsteige und gleiche Ebene mit dem Zug sind Standard (bei uns will die Bahn das in den kommenden Jahrzehnten einführen). Koffer transportieren damit extrem einfach.



In den Großstädten Japans sind die Bahnhöfe zudem Malls samt Food Courts (auch dazu habe ich in meinen Blogs schon geschrieben).
Besonders praktisch sind die Anzeigetafeln in Bahnhöfen entlang der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Taiwan: Nach Süden fahren alle Züge am Bahnsteig 1 ab, alle haben nicht-reservierte Plätze in Wagen 10-12, alle fahren drei Mal die Stunde (xx.10/xx.34/xx.43), alle halten exakt 2 Minuten und alle fahren in die gleiche Stadt.

Vorteil: es ist leicht zu merken.
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Die Kofferträger in Delhi haben mich auch beeindruckt, auch wenn sie zahlenmäßig wohl abgenommen haben. Aber in einem Punkt ist die Deutsche Bahn unschlagbar: in der Anzahl der Gründe für Verspätungen. Da ist bestimmt ein Creative Director angestellt, um die Ansagen möglichst abwechslungsreich zu gestalten.😇
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Verspätungen? In Ostasien undenkbar: das Bahnpersonal müsste sich unentwegt verbeugen und entschuldigen. Übrigens: Koffer schleppen: in Guilin vor 11 Monaten hing ich mit dem Rollkoffer und Krücke an einer Rampe „fest“ – ein älterer chinesischer Reisender griff meinen Koffer und schob ihn die Rampe hoch. Hat mein Chinabild in einer Sekunde revolutioniert 🙂 Zugfahren war mal meine Leidenschaft 😦
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Tja, so einfach und genial die Kofferrollen sind. Kofferträger am Bahnhöfen oder auch in Hotels sind damit nicht mehr nötig.
Und sie wecken die Nachbarn auf, wenn man damit morgens übers Berliner Pflaster knackelt.
Victoria Station in Bombay ist wirklich beeindruckend, aber ich muss sagen auch unseren Berliner Hauptbahnhof, den haben sie echt gut hinbekommen. Wir neigen ja gern zu meckern, aber das kann man mal loben.
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Die Rollkoffer machen keinen Krach, wenn’s gar kein Pflaster gibt. 😊
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Alles zuschmieren mit Pflüster-Asphalt… das ist es
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