
Wer derzeit in Paris Schlange steht, dem kann ich eine zweite Option für einen Louvre-Besuch anbieten – wenngleich sechs Flugstunden entfernt. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich mit viel Geld und irrer Architektur ein paar Kilometer nördlich der Corniche in Abu Dhabi die Lizenz für einen „Ableger“ gekauft. Dort werden Leihgaben aus Paris, aber auch aus eigenem (Öl)Geld erworbene Kunstschätze präsentiert. Eingebrochen wurde noch nicht.



Unser erster Besuch im Louvre Abu Dhabi war nur wenige Monate nach der Eröffnung. Im Januar 2018 kam ich mit meinem Sohn von einer off-road-Tour aus dem Oman zurück in die Emirate. Und vor unserem mitternächtlichen Rückflug von Dubai aus bogen wir von der Grenzprovinz Hatta nach Südwesten ab. Damals hatten wir Schwierigkeiten das neue Museum zu finden: Es war noch nicht auf Google Maps und Schilder gab es auch nicht. Wir fragten uns in der Innenstadt von Abu Dhabi durch und fanden den Komplex am, ja im Meer spätnachmittags. Uns blieb nur eine gute Stunde bis das Museum schloss.
Unter einem riesigen Stahlgeflecht in Ufo-Form verstecken sich würfelähnliche Blöcke, aufgelockert durch großzügige Freiräume und Plazas, in welche die Sonne schöne Lichtspiele projiziert.




Die Präsentation ist nicht nach Kunststilen geordnet, sondern als streng chronologischer Gang durch die globale Kulturgeschichte. Chola-Bronzen (11. Jh.) stehen im selben Raum wie ein Reliquiengefäß aus St. Michael in Hildesheim, Ming-Porzellan ist im selben Raum wie holländische Maler des 17. Jahrhunderts. Das eröffnet ganz neue Perspektiven auf die Frage „kultureller Dominanz“ zu einem gegebenen Zeitpunkt in der Geschichte: Es verändert den Blick auf die Welt, wenn Kunst aus der Hochkultur des Alten Ägyptens neben weit weniger entwickelten Tonkrügen aus der Bronzezeit in Europa steht.






Die Linien-Flugpreise nach Abu Dhabi lagen 2018 um die 400 €. Im Dezember flogen meine Frau und ich erneut in die Emirate, die ideale Reisezeit! Und Abu Dhabi zeigt nicht die prätentiöse urbane Show von Dubai, es ist deutlich ruhiger und in gewissem Sinn kultivierter.
Diesmal hatten wir mehr Zeit für den Museumsbesuch eingeplant: ohne Gedränge, ohne Schlange stehen, ohne Selfie-versessene Besucher. Der typische Abu Dhabi-Tourist besucht eher die Ferrari World nicht weit entfernt. Umso besser, wer erwartet schon Weltkultur am Persischen Golf.
Louvre am Golf: wie Van Gogh nach Abu Dhabi kam. Reiners.blog, 2.2.2018

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Da wird vermutlich auch weniger eingebrochen, weil man denen dann gleich die Hände abhackt, oder? 😉
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Wahrscheinlich. Diebstahl kann tödlich sein 😡
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