Sommer 1974: Zum ersten und einzigen Mal wurde uns beim Bund die Wochenendheimfahrt untersagt: Grund war die Invasion der Türkei auf Zypern. Einen bewaffneten Konflikt innerhalb der NATO, das wäre eine Schwäche, die im damaligen Ost-West-Konflikt gerade noch gefehlt hätte. Immerhin bewirkte er den Zusammenbruch der Junta in Athen und machte den Weg für Demokratie in Griechenland frei. Aber die Insel bleibt bis heute geteilt, die Republik Nordzypern ist international nicht anerkannt. Die Demarkationslinie zieht sich von West nach Ost durch die Insel, und mitten durch Nicosia.




25 Jahre später, im Januar 1999 tourten wir eine Woche lang die Republik Zypern. Auch wenn die Orangen reif an den Bäumen hingen, es war zu kalt zum Baden. Uns fiel auf, wie stark die Teilung der Insel zu spüren war.



Der Flughafen Larnaca wirkte immer noch wie ein Provisorium. Dafür war die Straßeninfrastruktur bestens ausgebaut. Zypern als Bankenzentrum (für die Geldmacher im Libanon) war im Entstehen, der Tourismus ebenfalls.
Die Teilung mitten durch die Altstadt von Nicosia war bedrückend, zum Teil waren damals Straßen durch Mauern gesperrt (was uns, die gerade Mauern abgebaut hatten, besonders berührte).





Erst 2004 wurde der griechische Teil in die EU aufgenommen, der türkische Teil blieb draußen. Schon 2008 trat die Republik Zypern dem Euro bei. Strategisch ist die Insel für Europa so ziemlich unersetzlich („Flugzeugträger“ im östlichen Mittelmeer, Drehscheibe des Levante-Handels und der Nahost-Diplomatie etc.). Immer noch hat das Vereinigte Königreich territorial „souveräne Basen“ auf Zypern (gelbe Flächen unten).


Weitere 25 Jahre später, Oktober 2025: Es scheint, dass die Nordzyprioten am phänomenalen Aufstieg der Republik im Süden teilhaben wollen. Es wäre für Zypern ein Segen, wenn die Insel zur alten Funktion als Handelsdrehscheibe und multikulturellem Leben zurück kehren würde. Vielleicht geht nach den Wahlen im Norden etwas in dieser Richtung.
Nordzypern stimmt für Machtwechsel. tagesschau.de, 19.10.2025
Erdogan verliert, die EU gewinnt. taz.de, 21.10.2025
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