Man kennt solche Leute, in der Nachbarschaft, in der Verwandtschaft manchmal im Sportverein oder am Stammtisch: großspurig, arrogant, von jeder intellektuellen Tiefe und schlicht von Anstand befreit. Moralische Skrupel? Wer hat denn so was.
Und so landen zwei Flugzeuge irgendwo in Alaska mit zwei Typen, die – gäbe es gültige Rechtsnormen – eigentlich im Gefängnis säßen. Stattdessen gehen sie auf roten Teppichen aufeinander zu, beklatscht von einem, Hände schüttelnd und Smiling, als wären es best buddies, die sich endlich mal wieder sehen. Der eine lässt gerade Tausende wöchentlich in Schützengräben für sich sterben, der andere fängt Bürger auf Parkpkätzen ab, interniert sie und fliegt sie irgendwohin auf den Globus, wo Gleichgesinnte gegen Gebühr die Deportierten aufnehmen. Wow, ein Herz erwärmendes Bild: Eine Staffel von Kampfjets fliegt über die Szene, ein netter Gruß (der Eine neigt den Kopf vor Schreck, bei ihm Zuhause wäre das höchster Alarm).
Mit der Demokratie des Gastgebers gehts zu Ende. Der Mafia-Boss wird’s schon richten, Wahlzettel sind das „Schutzgeld“. In dieser manipulierten demokratischen Verfassung verkommt Kompetenz, Berechenbarkeit und Transparenz zur Perversion. Im System des Anderen hat man mit Wahlen gleich ganz aufgehört, überflüssig. Vor laufenden Kameras eine Geste der Verbrüderung „Du kannst in meiner Kiste mitfahren!“ „Geil“ sagt der Gast. Zwischendurch das Gekreische von Journalist(inn)en: „Sind Sie für einen Waffenstillstand?“ Wissen sie wen oder was sie da „fragen“?
Wir hatten das schon in der Londoner Freakshow vor einigen Jahren erlebt, wo sich ein Teil des Publikums durch die Wahl eines Clowns köstlich unterhalten fühlte, der andere Teil fühlte sich verarscht und ausgelacht. Es laufen auf der Insel immer noch ein paar Clowns aus dem Horrorkabinett herum, und einer aus der Ex-Kolonie macht dort Urlaub. Passt zum Humorverständnis.
Was für ein Kontrast zur Welt der konfuzianischen Grundüberzeugung, in der politische Führung ethisches Verhalten gebietet. In der Theorie! Im Ein-Parteien-System kämen Freaks nicht bis an die Spitze, dafür sorge das permanente Assessment Center der Parteiorganisation. So hieß es schon um 2017 aus dem Fernen Osten: Wenn Demokratie das liefere, was man im Abendland gerade erlebe, dann könne man gern darauf verzichten.
Apropos Abendland: Hier ist das Nomen „Republik“ im Staatsnamen häufig, jedenfalls in der Bundesrepublik (oder auch Italien, Frankreich, Österreich, z.B.). Wir sind kein (Vereinigtes) König- oder gar ein Kaiserrreich. Es stammt aus dem Lateinischen res publica = Sache des Volkes/der Öffentlichkeit. Dabei war nicht gemeint, dass Einer das schon für Alle regelt oder dass die res – die politische „Sache“ – nur eine Unterhaltung fürs Publikum sei.
Mir tut es leid um Alaska. Der Zugang zu dem Militärgelände war mit Boniface Gate gekennzeichnet, nach Bonifatius. Der englische Missionar war am Ende seiner Missionstätigkeit von den Friesen (genauer den Westfriesen) am 5. Juni 754 erschlagen worden. Kein gutes Zeichen. Vor einigen Jahren lernte ich bei einer Zugfahrt einen jungen Mann kennen, der deutsche Autofabriken bereiste. Er war Autohändler in Petersburg, Alaska, und auf dem Weg nach Wolfsburg. Ich bat ihn bei uns vorbei zu schauen. Als ich ihn auf den Namen seines Heimatdorfes ansprach, meinte er „Just Petersburg. There are no saints in Petersburg“ – wie recht er hatte. Aber es gibt ja auch keine Wölfe in Wolfsburg.
*Die WordPress K.I. hat das Titelbild mit Sinn für Absurdität gestaltet.
Opinion | Two Decades of Putin Playing the West – The New York Times (16.8.2025)
Entdecke mehr von Full Circle
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Ich habe mir das volle Interview reingezogen, also so viel gequirlten Abfall hört man selten … wenn man jetzt mal bedenkt, wie das aufgebauscht wurde und wieviele Presse-Heinis für dieses „Nichts“ da angereist waren oder sich zu Hause die Beine in den Bauch standen.
Also da sind Sport, die Lotto-Zahlen, das Wetter und das Wort zum Sonntag noch gehaltvoller!
LikeGefällt 1 Person
Es geht morgen weiter, wenn ein ganzer Pulk von Staatschefs zu Rendezvous nach Washington fliegt. Eine Art Wanderzirkus in Sachen Krieg. Der Presseclub heute war so deprimierend, dass ich mich schon Mal in Pune zur Untermiete anmelde.😡🌻🌻😙🇮🇳🇲🇾
LikeLike