Die Ziele sind seit Langem klar: Der Eine will die „besetzten Territorien“ befreien und den Gegner vernichten, der Andere wehrt sich dagegen, ein zweites Mal nach 135 A.D. vertrieben und vernichtet zu werden. Keine Atomwaffen in die Hand eines theokratischen Regimes, das die Auslöschung Israels zum Staatsziel erklärt hat – darin war sich die Welt bislang einig. Es gab vor zehn Jahren Ansätze, das Ziel über ein Abkommen zu erreichen. Verzicht gegen Handel und Wandel. Wer in den letzten Jahren die Lunte gelegt hat, ist jetzt zweitrangig.


Die Regierung Israels will jetzt den Regime Change in Teheran, Netanyahu apellierte gestern an das „iranische Volk“ und ging weit zurück bis zum Perserkönig Kyros II., der nach der Eroberung Babyloniens um 537 v. Chr. die Juden aus der dortigen Gefangenschaft befreite und die Rückkehr nach Galiläa und Judäa erlaubte. Nicht umsonst wird Kyros, dessen Reich von der Ägäis-Küste bis zum Khyber Pass reichte, in der Historie „der Große“ genannt.
Aber bringt die Berufung auf 2500 Jahre Geschichte etwas? Politik spielt sich immer im aktuellen Machtumfeld ab, Diplomatie regelt Interessensausgleich heute. Sie löst keine wie auch immer weit zurück gehenden Konflikte, weder zwischen dem Kreml und Kiew noch zwischen Palästina, Israel und dem Iran. Europa hat vorgemacht, wie aus vernichtenden Kriegen ein Friedensprojekt geworden ist, zähes Ringen über acht Jahrzehnte. Aber selbst das wird in Frage gestellt.
Zumindest in einigen Redaktionen liegen scheinbar Stahlhelme bereit. Appelle zur Deeskalation seien das Letzte, wenn es um existenzielle Fragen gehe.

Fehlt nur noch zu sagen, die Eskalation sei alternativlos. Das sieht selbst in Israel ein großer Teil der Öffentlichkeit anders – übrigens auch im Fall des Gazakrieges.

Wenn Deeskalation nur für Schwächlinge ist, dann möchte man wissen, was die Alternative ist. Der totale militärische Sieg? Ein Flächenbrand zwischen Haifa und Hormuz, in den die USA hinein gezogen wird? Mit welchem Ausgang? Der Sieg der Guten und Gottesfürchtigen, die dann über rauchenden Trümmern von Erlösung und Paradies träumen?
The real reason Israel attacked Iran. Aljazeera.com, 15.6.2025
Morgen gibt es eine Militärparade – nicht auf dem Roten Platz, sondern auf der Pennsylvania Avenue. Wir sind ganz schön weit gekommen. Wer noch nie eine Waffe in der Hand hatte, ruft jetzt „Auf zu den Waffen!“ Wer für Diplomatie und verifizierbare Abkommen ist, wird verlacht. Also eher Auge um Auge, Zahn um Zahn. Zum Verzweifeln.

*Titelfoto: Grabmal persischer Könige in Persepolis (pexels.com)
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