Die Eule ist ein antikes Symbol der Weisheit und das Wappentier von Athen. Sie ist aber auch nachtaktiv, so ungefähr kam ich mir im August 1975 in Athen vor. Klar, Athen muss einmal im Leben sein: Wiege der Demokratie, dominierender Stadtstaat in der Antike, Verteidiger des Abendlandes gegen persischen Imperialismus, die Treppen zur Akropolis rauf und runter etc.
Und das war auch mein Programm in jenen Augusttagen. Was mich aber mehr beschäftigte war ein Platz zum Schlafen. Die Frage „Wo schlafen“ wird zum Problem, wenn Dein durchschnittlicher Tagessatz (für Alles!) weniger als 30 DM ist. In Athen bin ich damals in existenzielle Tiefen hinab gestiegen – und umso mehr konnte ich später am Pool auf dem Dach eines Fünf-Sterne-Hotels den Blick auf die Akropolis genießen. Klingt aber alles schlimmer, als es in Wirklichkeit war.
Im Zug von Kalamata nach Athen hatte ich eine Jugendgruppe aus Brilon getroffen, die mir eine Jugendherberge empfahl. Aus dem Tagebuch: Athen, Samstag, 9.8.1975, 22 Uhr: … Da alle Zimmervermittlungen schon geschlossen haben, nahm ich die Empfehlung an. Mit dem Bus habe ich mich noch verfahren, erreichte aber nach einiger Hektik doch noch die J.H. Dort schlafe ich jetzt für 40 Drachmen (ungefähr 3 DM) auf dem Fußboden (ohne Matratze). … Die Jugendherberge war fürchterlich. Dreckiger konnte man draußen im Park auch nicht schlafen. Erst um 2 Uhr wurde es ruhig. Waschen war nur begrenzt möglich, die Leute schliefen, wo nur Platz war: auf dem Flur, auf dem Dach, sogar in der Eingangshalle. … Auch ich habe mitten im Zimmer auf dem Boden geschlafen.
Den folgenden zwei Nächten in Athen widmete ich vor der Weiterreise auf die Insel Samos ein eigenes kleines Kapitel im Tagebuch:
Zwischenstück: Report dreier Nächte
Ich könnte viel erzählen, über die historischen Denkmäler in Athen, über ihre geschichtliche Bedeutung, über antike Kultur und vieles mehr. Das aber hieße Eulen nach Athen tragen. Interessanter ist es doch, aufzuzeigen wie hautnah ich auf exzentrische Weise mit der Stadt verbunden war und bin. Das Nächtigen ist in Athen … ein Problem, welches einem den Aufenthalt zur Last machen kann. So begann ich immer erst abends nach 21 Uhr das Problem anzupacken. Und da ist es halt schwierig, ein passendes Plätzchen im Grünen zu finden.
Da ich mir aber auch kein „Zimmer“ im Nationalpark hinter der Syntagma, vor dem Stadion oder gar mitten auf dem Omonia-Platz nehmen wollte, begann ich in der Gegenrichtung, Richtung Akropolis zu suchen. Der Zufall (ich suchte eine Abkürzung) ließ mich ein Parklein Ecke Ieros/Piraeus-Straße finden, in dem aber solch außergewöhnlichen Schläfer Aufsehen erregen. Schwule scharwenzeln in der Gegend herum, andere erhoffen sich von dem Ruhenden ein bißchen Stoff und klauen dabei ein T-Shirt! Ein gar nicht gern gesehener Besucher kommt ganz leise: eine Riesenkäfer-Art. Auch Ameisen und Mücken fühlen sich im Schlafsack pudelwohl! Der den Rasen sprengende Gärtner weckt höflich, aber bestimmt gegen 5.15-5.30 Uhr. Gegen ein kleines Entgelt wäre eine Dusche sicher möglich, man will aber ein Verkehrschaos auf der Piraeus-Straße verhindern. Scheinbar ist es in diesem Stadtteil etwas Seltenes draußen zu schlafen, denn ich werde beim Zehennägel schneiden oder Rucksack packen ganz ungeniert beäugt. So habe ich denn prägend auf das Bild dieses Stadtteils gewirkt, womit ich Athen beruhigt in der Luft verlassen kann.„
Ich wisse nicht, schreibe ich später, woher ich die Courage genommen habe, mitten in Athen mit Blick auf die Akropolis zu schlafen (und das im Verkehrslärm sogar noch ganz gut). Nicht etwa Sicherheit war das größte Problem, sondern die Hygiene. Ich hatte das dringende Bedürfnis zu duschen oder wenigstens mich gründlich zu waschen. Meine Hose sah aus wie die eines Bauarbeiters, schrieb ich im Tagebuch. Später fand ich am Hauptbahnhof eine Möglichkeit, Wäsche etc. nachzuholen.

Am vierten Tag des Aufenthaltes verließ ich Athen Richtung Samos. Abgesehen von den Übernachtungsproblemen hatte mir Athen damals gut gefallen: „Athen hat mich angenehm überrascht. Es ist eine völlig mitteleuropäische Stadt.“ Zwei Jahre später war ich mit zwei Freunden auf dem Weg nach Indien wieder im August in Athen und wieder in einer Jugendherberge. Diesmal auf dem Dach, aber mit sonst allem „Komfort“.
Ich hatte nicht das Gefühl, unbedingt das Schicksal eines Obdachlosen nachspüren zu wollen. Es war glühend heiß und eine Nacht im Freien war besser, als auf dem schmutzigen Boden einer Herberge zu übernachten. Erst als wir uns Sofitels, Novotels oder dergleichen in Athen leisten konnten, war der schwierige Beginn vergessen, buchstäblich. Aber das nennt man ja Fortschritt.
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Was man nicht alles macht, wenn man jung ist und kein Geld hat!😀
Athen steht tatsächlich noch auf meiner Liste mit unerledigten Zielen. Vielleicht klappt es diesen Herbst.
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War ich „neulich“ mit der Family … hat mir gut gefallen … aber wir hatten auch zum Pennen 😉
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Hatten wir in den letzten Jahren auch
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Man wundert sich selber, glaub mir’s 🔥
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