Immer wenn ich auf der B 6 von Osten kommend nach Hildesheim reinfahre, passiere ich das Gelände des Helios Klinikums (Foto oben*): ein moderner Komplex, großzügig angelegt mit ausreichend Parkmöglichkeiten.
Nicht mehr zu erkennen: Es ist das einstige Gelände der Ledebur-Kaserne, in der ich von Oktober 1973 bis September 1974 in einer Panzerjäger-Kompagnie stationiert war. Ich fand in einem alten Album noch ein Foto des Paradeplatzes samt der Werkstätten zur Panzerwartung, wo heute Patienten ruhen und OP-Säle installiert sind.

Kaum besser kann illustriert werden, was wir nach 1990 als Friedensdividende bezeichnet haben. „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde zu „Kasernen zu Krankenhäusern“. In Braunschweig passierte ich auf dem Weg zur Arbeit jahrelang die Kasernen eines Panzerbattalions, heute ist es eine schicke Wohngegend am Ostrand der Stadt. Der Beispiele gibt es hier an der Ostgrenze der früheren Bundesrepublik genug.
Wer hätte sich 1974 denken können, dass der Ost-West-Konflikt 1990 friedlich enden würde, nur um weitere 35 Jahre später zu einer erneuten Konfrontation zu führen. Und was für eine: Ein Krieg mit Schützengräben, Zehntausenden Gefallenen und Angriffen auf die Zivilbevölkerung wie in den schlimmsten Phasen des Zweiten Weltkrieges. Was 50 Jahre für einen Unterschied machen (1913 hätte allerdings Niemand voraus gesehen, was 1963 hinter uns lag).
Jetzt diskutieren wir über eine gigantische Aufrüstung, über Einführung eines Wehrdienstes und wohl den Bau neuer Kasernen. Wir diskutieren sogar über einen „nuklearen Schutzschirm“ jenseits der Weltmacht USA, die als Verbündeter ausfällt. Die atemberaubende Geschwindigkeit, mit der Gewissheiten und Strukturen eingerissen werden, lässt kaum Zeit zum Innehalten. Zum Glück ist der Begriff „alternativlos“ noch nicht gefallen, aber das mag eine Frage der Zeit sein.

Wer heute geboren wird oder zwischen 15 und 20 Jahre alt ist, der muss mit der Möglichkeit rechnen – sagt man – auf absehbare Zeit kriegstüchtig zu sein. 1974 hatte man das durch aus akzeptiert, auch wenn die Ostpolitik der damaligen Bundesregierung zur Entspannung beitrug. Ab 1975 („Akte von Helsinki“) waren die dunklen Wolken weg und irgendwie wirkte die Zukunft friedlich – zumindest bis zur „Nachrüstung“ 1980/81.
Ich werde das Jahr 2075 nicht mehr erleben, aber ich hoffe, dass die 70-Jährigen dann nicht an Gräbern gefallener Kameraden oder Familienmitgliedern stehen müssen. Von daher, frei nach Cicero: Bene eveniat!
*Quelle: https://www.hildesheimer-allgemeine.de/meldung/helios-krankenhaus-hildesheim-feiert-125-jaehriges-bestehen.html
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