Mein neuer Home Trainer kam per Post aus der Nähe von Gütersloh: von einer kleinen, mittelständischen Firma, einfach aufzubauen, solide deutsche Wertarbeit. Aber in diesen Tagen Anfang 2025 war er das Einzige, was ‚Made in Germany‘ ins Haus kam. Auf den Verpackungen von der neuen Schreibtischlampe bis zum Terminkalender 2025 steht ‚Made in China‘. Und das ist beileibe kein neues Phänomen, nur dass es jetzt zusehends auch Autos sind, die deutschen Marken den Rang ablaufen. China – die Volksrepublik – erwirtschaftete 2024 fast 1.000 Milliarden US$ als Handelsüberschuss. Von 2003 bis 2008 waren wir auch mal Exportweltmeister. Für Ökonomen aber sind solche Zahlen wenig aussagekräftig
Nicht dass wir schlecht aussehen: Wir sind immer noch die drittstärkste Exportnation (mit nur rund 82 Millionen Menschen, oder genauer: von rund 45 Millionen Beschäftigten erwirtschaftet, Lehrer/innen oder Krankenpfleger/innen eingeschlossen!). Wir liegen zwar hinter China und den USA, aber zu Dritt sind wir für 60 % des gesamten Wertes des Welthandels verantwortlich!

Vom wirtschaftlichen Untergang sind wir also weit entfernt. Und auch unser Exportüberschuss liegt noch bei stolzen 225 Milliarden US$.

Aber wir reden von China. Mit dem „Reich der Mitte“ haben wir ein wachsendes Handelsdefizit, wir kaufen mehr ‚Made in China‘ als die Chinesen ‚Made in Germany‘. Das liegt nicht an der Qualität unserer Produkte oder deren Ruf, sondern an der wirtschaftlichen Schwäche und der entsprechenden Nachfrage in China selbst.
Zwar gibt die Regierung Vorgaben, ja sogar die Provinzen liefern Wachstumsziele ab (siehe Link unten), aber es scheint, dass Produktionskapazitäten über dem liegen, was der Inlandsmarkt kompensieren kann (oder die Chinesen legen Geld auf die hohe Kante statt zu konsumieren).
China’s jährliche Wachstumsrate des BIP seit 1960 (in %)

Bei einem kürzlichen Besuch in Guilin fiel uns auf, dass die Läden recht verwaist waren. Aber im Dezember ist auch die Stadt an den Kegelkarstfelsen kein Ziel für Inlandstouristen, von daher ist dieses Bild zufällig.



Auffälliger war, dass die drei deutschen Automarken (VW, BMW oder Daimler) immer noch mit schweren Limousinen im Straßenbild zu sehen waren. Aber es dominierten e-Autos ‚Made in China‘. Und das waren keine Kleinwagen, sondern „Schlitten“ im Tesla-Stil, wie sie auf unserem Markt gesucht, aber von deutschen Anbietern nicht zu bezahlbaren und in China zu konkurrenzfähigen Preisen angeboten werden.
China setzt (meiner unwesentlichen Meinung) nach nicht auf e-Mobilität, Photovoltaik und Windturbinen, weil das Land es auf „Welteroberung“ abgesehen hat, sondern weil nicht-fossile Energieträger für die 1,4 Milliarden Bevölkerung die Zukunftsperspektive sind. Denn auch China ist stark von Energieimporten abhängig und leidet unter Luftverschmutzung durch Emissionen aller Art, vom Klimawandel ganz zu schweigen.
Allerdings kann man davon ausgehen, dass die Wirtschaftspolitik Chinas stark staatlicher Steuerung und politischen Prioritäten unterliegt. Von daher ist das Argument unfairer Subventionen nach WTO-Regeln nicht von der Hand zu weisen. Dies wiederum weist China von sich, wenngleich die Regierung alle Wege der Exportförderung – und sei es nur die Belt & Road-Initiative etwa, mit Bahnverbindungen bis nach Duisburg – unterstützt.
Die New York Times spricht von einem Wirtschaftskrieg mit China, der die US-Ökonomie schädige.
Der neue US-Präsident will mit Zöllen diesen Kampf führen und zugleich Produktion in die USA zrück holen. Dasselbe plant er für Deutschland mit seinem riesigen Außenhandelsüberschuss gegenüber den USA. Wir kommen tatsächlich in eine Zwickmühle unserer beiden strategischen Rivalen im Welthandel.
Wir sind im Wahlkampf, bei uns gibt kein Parteibeschluss das Wirtschaftswachstum vor. Im Gegenteil, Parteien ringen um das beste Konzept für den Standort, für Investitionen, für Kaufkraft, um so Wachstum zu erzeugen. Ebenso wie in China soll gleichzeitig die energetische Umgestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft bewältigt werden. Aber im Gegensatz zu China sind wir mit einem Krieg konfrontiert, der uns in Deutschland zusätzliche ungeheure Kosten abverlangt. Wir haben den Chinesen, deren wirtschaftliche Leistung großen Respekt abverlangt, aber eines voraus: Wir können wählen.
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Hoffentlich kapieren die, die unser Land abschotten wollen noch vor der Wahl, dass wir uns auf der oben genannten Liste auf die unteren Plätze vorarbeiten würden
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Ich teile Deine Hoffnung, ansonsten versinken wir zurück in die 50er Jahre und fahren noch im Jahr 2050 den „Brenner“-Passat, während die anderen uns gnädig dafür ihr Restöl liefern – Du erinnerst Dich an Indien zwischen 1947 und 1990.
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