Taxi nach Singapur

Leichter gesagt als getan: Um von der malaysischen Grenzstadt Johor Bahru aus einen Tagestrip in den Inselstaat zu machen, muss der wohlmeinende Reisende alle Formalien eines doppelten Grenzübertritts über sich ergehen lassen, einschließlich zweier digitaler Einreiseformulare. Am Abend vor der Tour wurde mir klar: Was sind die Europäische Union, der Euro und das Schengen-Abkommen für ein Segen!

Der Reihe nach: Wir fuhren im Dezember 2024 mit dem Auto über die AH2-Autobahn von Kuala Lumpur nach Johor Bahru (4 Std.). Unser Hotel dort kostet ein Drittel der gleichen Kategorie in Singapur, gerade jenseits des Verbindungsdamms zwischen dem Stadtstaat und Malaysia. Warum also nicht einfach einen Abstecher machen?

Weihnachtsdeko der anderen Art in unserem Hotel – und Jingle Bells in Endlosschleife

Auf Tagestrips diesseites und jenseits der Grenze haben sich Taxi-/Mietwagen-Unternehmen spezialisiert: Für Singapurianer ist Johor Bahru eine günstige Shopping-Alternative, für Malaysier ist es einfach, die Highlights von Singapur ohne Übernachtungskosten zu erfahren.

Um 10 Uhr früh (18.12.) holte uns Jason mit einem Toyota Innova am Hotel nahe dem Grenzübergang Woodlands ab. Wir hatten mit seinem Unternehmen grob Route und Zeitdauer verabredet, insgesamt 8 Stunden. Gerade als wir die ersten Grenzkontrollen passierten, wurde der Himmel grau mit zeitweisem Regen. So blieb es den ganzen Tag. Nach einer Stunde waren wir in Singapur, unser erster Stopp der Kranji-Soldatenfriedhof gleich hinter der Woodlands-Grenzstation.

Hier liegen die Gräber Tausender Gefallener, vor allem junge Australier, bei der Invasion Japans im Dezember 1941. In einem Buch kann man das Grab von Angehörigen finden, zugleich ein Dokument des gleichen Irrsinns, den wir gerade in Europa erleben.

Dann ging es weiter quer durch die Inselrepublik an den Singapore River. Hier steht ein Denkmal für Thomas Stamford Raffles an der Stelle, an der er 1819 den Boden Singapurs betrat.

Gleich nebenan liegt das Asian Civilization Museum, unbedingt sehenswert. Prunkstück ist der Schatz an Tonwaren und Porzellan, der aus der Bergung eines Handelsschiffes der Tang-Dynastie besteht – im 9. Jahrhundert! Da wurden bei uns Karl der Große gekrönt und die Sachsen bekriegt, in Ostasien gab es schon regen Überseehandel zwischen China und dem Arabischen Golf.

Asian Civilization Museum am Empress-Ufer

Es war Mittagszeit und wir machten uns auf zum nahegelegenen Luxushotel, das den Namen des Staatsgründers trägt.

Einer der legendären Sikh-Portiers öffnete den Wagenschlag unseres Taxis „Welcome to the Raffles!“ Er wusste nicht, dass wir die 500+ € für ein Zimmer nicht bezahlen wollten, sondern nur das Cafe suchten. Immerhin, das wollten wir uns gönnen.

Wir machten einen Schlenker durch die Bencoolen Street, die in meinem früheren Leben eine große Rolle spielte, und erreichten die Gardens by the Bay am frühen Nachmittag. Der Eintritt für die diversen Pavillions ist gesalzen, wir gönnten uns den Besuch des Cloud Forests, eine gewaltige Waldlandschaft unter einem Glashaus. Über schwindelerregende Brücken kann man von Level 7 (per Aufzug zu erreichen) wieder nach unten wandern. Auffallend war eine Orchideen-Sonderschau, bei der man nicht wusste, ob die Blüten echt sind, so vollkommen wirkte alles.

Der graue Himmel drohte vollends zu zerbrechen, und es war überdies Zeit uns auf den Rückweg zu machen. Wir passierten die Grenzkontrollen in Woodlands in Rekordzeit und fuhren über den Causeway zurück nach Johor Bahru. Neben uns aber mussten die malaysischen Tagespendler auf ihren Motorrädern im Regen ausharren. Wird Zeit, dass zumindest Singapur und Malaysia eine „kleine EU“ werden.

Tagespendler aus Malaysia auf der Heimfahrt – jeden Tag müssen sie die Prozedur über sich ergehen lassen!

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2 Gedanken zu “Taxi nach Singapur

    1. Den Mietwagen lässt Du in Johor Bahru stehen (kann man eh nicht mitnehmen). Das Taxi-Arrangement war nicht ganz billig, aber für unsere Situation ideal. Man kann halt unheimlich viel in den Tag packen, ohne viel zu laufen oder in der U-Bahn zu sitzen. Und wann öffnet schon mal ein Sikh-Concierge den Wagenschlag und begrüßt dich mit „Welcome to the Raffles!“ – priceless 🙂

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