Wenn der Robotor die Wohnung streicht

Ein guter Freund aus der Nachbarschaft ist Malergeselle. 45 Jahre hat er die halbe Stadt neu angestrichen, wie er scherzhaft sagt. Und in einer mit Fachwerkhäusern eng bebauten Innenstadt gibt es viel zu tun. Überhaupt hat Handwerk „goldenen Boden“ – so heißt es.

Da liest sich die Schlagzeile aus Singapur heute Morgen wie ein Menetekel: Ab kommendem Jahr werden fast die Hälfte neuer Wohnungsbauprojekte der staatlichen Baubehörde in Singapur von Robotern verputzt und angestrichen.

Robots that paint and plaster walls to be rolled out … The Straits Times, 24.10.2024

Quelle: siehe Link oben

Man erwartet dabei eine Steigerung der Produktivität am Bau um 40 % bis 2030. Diese Automatisierung werde, so beruhigt der Leiter der Behörde, die Maler und Trockenbauer für höher qualifizierte Tätigkeiten frei setzen. Wie auch bei uns ist der Bedarf an Wohnungen in den Metropolen Ost- und Südostasiens gewaltig. Da ist kein Platz für das individuell gestaltete Häuschen im Grünen, standardisierte Wohnungen in Großprojekten sollen den Bedarf decken – undzwar schnell! Die Roboter eignen sich dafür ideal.

Wie schon so häufig in den vergangenen Jahrzehnten begannen Innovationen in der Produktion in Asien. Der Wohnungsbau bei uns, insbesondere preisgünstige oder staatlich geförderte Wohnungen, hinkt gewaltig hinter dem Bedarf her. Eine Automatisierung im Bau wäre eine Lösung bei fehlenden Fachkräften. Und aus ökologischen Gründen ist die Flächenversiegelung durch Einzelhausbebauung – samt Verkehrs -und Energieinfrastruktur – sowieso überholt. Aber man stelle sich vor, die Kommunen würden keine Baugebiete im Umland mehr ausweisen dürfen, der Sturm wäre gewaltig. Der Traum vom Eigenheim definiert sozusagen unser Grundverständnis von Lebensplanung.

Mein Freund muss sich darüber keine Gedanken mehr machen. Er ist nach 45 Jahren Beitragszahlung gerade in die wohlverdiente Rente gegangen.

Wohnungen in Kowloon – Hongkong


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4 Gedanken zu “Wenn der Robotor die Wohnung streicht

  1. Ja, das wird auch am Handwerk nicht vorbeigehen. Habe auch schon von Robotern gelesen, die Putz auftragen oder sogar Fliesen legen. Am Ende wird nur noch die Putzfrau in privaten Haushalten in Lohn und Brot stehen, denn damit ist jeder Roboter überfordert

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  2. Bei dem, was manche Maler so abgeliefert haben, würde ich mich sofort für den Roboter entscheiden. Für „langweilige“ Wände wäre der wahrscheinlich geeigneter und die Profis können sich um die richtigen Herausforderungen kümmern. Wenn man sich nicht langweilt, macht der Job ja auch mehr Spaß und dann schludert man hoffentlich auch nicht so…

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    1. Kann ich nachvollziehen. Mein Freund hatte große Handwerker-Ethik, aber die geht wohl mit ihm in Rente. Der Maler fürs Kreative, der Roboter für die Standardarbeit, da bleibt für beide genug zu tun. Danke in jedem Fall für den Kommentar!

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