Auch wenn es zweimal im Jahr passiert, das Event sorgt jedesmal und in jedem Sender für Nachrichten-Schlagzeilen: Mich würde mehr interssieren, was der Kanzler heute in Vasco da Gama macht (Wie bitte? Ja, das ist der indische Marinehafen in Goa!) oder wie die zweite Maschine der Regierung mit dem Vizekanzler um den Iran herum zurück geflogen ist, während Israel dort Angriffe fliegt (ein wenig Geographie: die Kampfjets müssen doch Jordanien und den Irak oder Saudi-Arabien überfliegen und aufgetankt werden; merkt das da keiner oder gab es ein d’accord?). Die wichtigen Dinge werden uns vorenthalten – dafür fragen ARD-Journalisten den Kanzler in Delhi nach dem Zustand der Koalition. Wen zum Teufel schicken die Redaktionen mit auf die Tripps? Da war sogar der Bericht in der Zeitung mit den vier großen Buchstaben heute aufschlussreicher. Au wei.
Aber zurück zu dem, was uns wirklich bewegt: die Zeitumstellung. Interviews, Phone-in’s, Mails – „Wie bewältigen Sie das?“ Glückliches Land, wenn es keine größeren Sorgen gibt. Nebenbei, die Physikalisch-Technische Bundesanstalt hat den gesetzlichen Auftrag, in Deutschland die Zeit zu verbreiten (bitte nicht „zu vertreiben“).
Wie funktioniert die Zeitübertragung? Webseite der PTB (ptb.de)
Per Signale über Langwelle erreicht es alle Uhren, die dafür ausgestattet sind. Zitat: Das Steuersignal wird nicht – wie oft angenommen – von Braunschweig aus über Leitungen zur Sendefunkstelle übertragen, sondern mit einer von der PTB entwickelten Steuereinrichtung (inklusive Atomuhren) am Sendeort erzeugt. Die Überwachung geschieht von Braunschweig aus. In einem Bereich von etwa 2000 km rund um den Standort des Senders in Mainflingen bei Hanau können die Signale 24 Stunden am Tag empfangen werden.
Also eigentlich kommen die Signale aus Südhessen und reichen in die Sahara oder in den Nahen Osten. Ich bin gespannt, ob die Mikrowelle oder der Herd in der neuen Küche, Luftlinie 15 km von der PTB entfernt, bei uns mitspielen. Ich weiß nur eins: Es bleiben noch genug analoge Uhren – vom Wecker bis zum Auto und immer wieder vergessen die Sammlung der Armbanduhren, bei denen ich morgen früh Knöpfe drehen muss. Das wäre eine Schlagzeile im Radio wert.
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