Die Wahl ist noch nicht gelaufen, da steht ein Verlierer fest: die USA. Ich zappte neulich in Michael Moore’s „Fahrenheit 11/9“ von 2018. Der Filmemacher analysiert im Rückblick den Wahlsieg von Trump (den er prognostiziert hatte) und gibt dem politischen Establishment beider Parteien in Washington die Schuld. Im Film zieht er eine deutliche Parallele zum Ende der Weimarer Republik und der Machtübernahme der Nazis. Das wurde damals dem Film von Kritikern als übertrieben vorgeworfen.
2018 gab es noch kein „Project 2025“, 2018 war Trump noch kein Kandidat für 2024 und der Wahlkampf – eine absurde Show von Vulgarismus im sonst so auf guten journalistischen „Ton“ bedachten US-Medien – hatte nicht einmal begonnen. Aber Moore’s Szenarien einer Machtübernahme scheinen sich in der Rhetorik und im Konzept für einen Trump-Wahlsieg zu bestätigen. Das ist nicht ein Geheimnis, es wird offen und provokant vorgetragen – wie in Deutschland 1930 ff.
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Die Armee soll gegen enemies within eingesetzt werden, retribution ist das Leitwort – Vergeltung. Das betrifft die Justiz, Medien und die Opposition, aber auch Demonstranten auf den Straßen. Gleichzeitig werden Millionen „Illegale“ eingesammelt, in Lager gebracht und von dort deportiert. Deutlicher kann der Vergleich zu Deutschland um die Jahreswende 1932/33 nicht artikuliert werden. Sollte man verlieren, war die Wahl gefälscht und wird mit allen Mitteln angefochten. Zumal es nur auf ein paar Wahlmänner ankommt, die umzudrehen wären – ein Traum für jeden Potentaten in der zweitgrößten Demokratie der Erde.

Die Kandidatin der Gegenseite führt ihren Wahlkampf in ziviler und sachlicher Tonlage, in dem sie auf diese Gefahr hinweist. Ihre Pläne für eine gerechtere Gesellschaft kommen dabei kaum durch. Rhetorischer Krawall und zusammenhangloses Stammeln ziehen Leute und Medien an.
Die Demokratie westlicher Prägung steht schon seit Jahren unter Druck. Die USA stehen dafür, sie überall auf dem Globus zu verteidigen. Diese Softpower wird von einer beispiellosen Militärmacht gestützt, die zu Lasten sozialer Programme im Heimatland gehen. Europa, vor allem die EU, und Ostasien haben sich gern unter diesen Schirm gestellt. Was aber passiert, wenn diese „Führung“ und das Vorbild von Freiheit und Menschenrechten unter den inneren populistischen und autoritären Entwicklungen zusammenbricht, hat niemand in die Kalkulation einbezogen. Und in der EU, deren Softpower auf der Wertegemeinschaft von gleichgesinnten Nationalstaaten beruht, fehlt eine schlagkräftige Verteidigung gegen äußere Feinde. Auch sie wird von Innen ausgehöhlt.
Die USA haben sich als politisches Leitbild verabschiedet. Sie dienen uns (und den Chinesen) nur noch als Absatzmarkt und als eine Melkkuh für profit taking. Aber auch diesen Spaß will eine Trump-Regierung verderben, mit exorbitanten Zollschranken. Immerhin konsequent.
Selbst wenn eine demokratische Präsidentin ins Weiße Haus einzieht, wird das nur mit knapper Stimmenmehrheit sein. Von den Ergebnissen für den Kongress einmal ganz abgesehen. Die USA werden sich also auch nach der Wahl zerfleischen und ihre Zerrissenheit über die Welt verbreiten. Wie schrieb neulich ein Leser in der New York Times: God help us all.
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