Willkommenskultur

Wir brauchen Streicheleinheiten. Es geht uns so schlecht, die Autoindustrie – unser Stolz – geht den Bach runter. Schuld sind die Chinesen, ausgerechnet. Morgen kann uns jemand trösten: Der US-Präsident wird die Leistung „Germany’s“ im westlichen Bündnis preisen. Ach, das wollen wir gar nicht hören.

Was er nicht sagen wird: Das Außenhandelsdefizit mit den USA betrug 2023 über 60 Milliarden Dollar – zu Lasten der USA (Quelle Statistisches Bundesamt). Die Amis kaufen „Made in Germany“ wie doll (10 % unserer Exporte gehen in das Land von Microsoft und McDonald’s), übrigens auch die Briten. Der Absatz deutscher Autos im Königreich (Zunahme 2023 gegenüber dem Vorjahr 19 %) sticht die gesamte Konkurrenz aus – nur mal nebenbei.

Aber die Mieten, die Inflation, die Grünen, die Ausländer …. Moment mal. Da lese ich doch was: In der Vorbereitung meines Winterquartiers in Malacca fiel mir diese Schlagzeile in die Augen.

The German Technology Park in Malacca can help make Malaysia a hub for innovation and sustainability. New Straits Times Kuala Lumpur, 16.10.2024

Ich reibe mir die Augen: Während sich die Idenditätskrise unserer Wirtschaft beschleunigt, richtet ein privates malaysisches Konsortium in Ayer Keroh, im Hinterland der alten Handelsstadt Malacca einen „German Technology Park“ ein. Zitat: „German Technology Park is designed to attract leading German technology and manufacturing companies, and aims to be a hub of innovation and sustainable development in the region.“

Das Bild hat die K.I. generiert, aber so könnte man sich den German Technology Park vorstellen

Laut „New Straits Times“ sind bis heute 700 deutsche Firmen in Malaysia tätig, die rund 70.000 Arbeitsplätze für Malaysier und Malaysierinnen geschaffen haben. Das ist doch mal eine Zahl – da kann die Lausitz sich ein Stück abschneiden. Aber es geht noch weiter. Der German Technology Park in Malacca wird alles bereit stellen, was den Deutschen das Herz erwärmt: „The project includes the integration of renewable energy sources and modern energy management systems.“ An grüne Energieversorgung wird gedacht, einschließlich „battery storage solutions to ensure firm and cost-efficient power supply to the industrial park …“ Merkst Du was, Erzgebirge?

Given that German companies adhere strictly to sustainability practices, we believe this project is apt and timely to gain better investments to support the development of the technology park,“ heißt es in einer Verlautbarung des Konsortiums, welches den Park entwickelt. Man denkt sogar an die „regulatorischen Vorgaben“ für deutsche Firmen: Regulatory risks are the most significant, considering that German companies had to adhere to several regulations when operating abroad. This includes Supply Chain Due Diligence Act (LkSG) which requires medium-sized German companies to ensure their supply chain comply with human rights and environmental standards.“ Das neue Lieferkettengesetz wird gleich mitgedacht. Schafft Ihr das an Oder und Spree?

Das nenne ich mal Willkommenskultur, am anderen Ende der Welt. „Made in Germany“ oder „German Technology“ sind da Qualitätsmerkmale. Wir hingegen kaufen „Made in China“ – von unserem größten Außenhandelspartner, halsen uns ein Defizit von knapp 60 Milliarden Dollar mit dem Wirtschaftsriesen in Fernost auf und lamentieren darüber, lachhaft. Also, spuck mal in die Hände, Saarland!

Nachtrag 13.11.2024: German firms in Malaysia expect stable, positive economic outlook for 2025. New Straits Times, 13.11.24

Ich freue mich auf das „Selamat Datang“ und hoffe, auch einen Blick auf die „Region“ im Perlflussdelta und jenseits davon werfen zu können (notfalls auf Krücken 🙂 ).

P.S.: Es gibt schon einen schicken Promotion Video (in Bahasa Malaysia):


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