Die nervige Armee ist zurück: Bei Sonnenuntergang verlassen sie mit Ohren betäubendem Lärm die Baum-Busch-Insel in unserer Nachbarschaft und stürzen sich in mehreren Angriffswellen in unsere wieder ergrünte Robinie. Es ist ihr Nachtlager. Ich hatte zu unserem „Krieg gegen den Terror“ bereits gebloggt.
Spatzenterror. Reiners.blog, 7.4.2023
Schätzungsweise an die hundert bis zweihundert Spatzen verschwinden im weichen, tiefgrünen Geäst des Baumes – als ob sie weg getaucht seien. Man hört ihr aufgregetes Zirpen bis in die Dämmerung. Dann legt sich die Armee zur Nachtruhe. Dabei hatten wir das Problem mit dem radikalen Schnitt der Robinie vor einem Jahr gelöst: Glasvordach und Zugang zum Haus blieben frei von Vogelkot. Fast unerwartet (und spät im Jahr) kamen aus dem Reststamm im Mai wieder grüne Zweige und wuchsen sich in drei Monaten zu einer dichten Baumkrone aus.
Die Baumschnittvariablen. Reiners.blog, 29.9.2023
Aber irgendwann Anfang August waren sie zurück, aus dem Nichts. Erst wagten sich nur einige ins Geäst, dann folgte die ganze Meute. In kurzer Zeit bedeckten sie Autos und den Eingang zum Haus mit ihrer Hinterlassenschaft. Wir nahmen die Kriegserklärung auf und bestellten „Kaja“. So haben wir die Kunststoff-Krähe genannt. „Kaja“ kam per Post aus dem freundlichen Amazon(ien) und wurde als ultimative Waffe angeboten, Zitat: „…Kämpfen Sie ständig gegen den Schmutz auf Ihrer Fensterbank oder verlieren Sie den ungleichen Kampf gegen die Vögel? Schluss damit: es reicht, dass Sie zu unserem fliegenden Raben … greifen. Dieser realistisch aussehende Vogel wird wirksam jede Taube von Ihrem Grundstück fernhalten. Kurz und bündig: Sie werden endlich Ruhe haben!„
Nun gut, wir haben kein Tauben- sondern ein Spatzenproblem. Aber die zirpenden Kleinstterroristen sollen auch großen Respekt vor Krähen haben, so die Produktinfo: „Die schwarze Farbe und die Körpermaße gleichen ideal dem echten Raben. Dadurch jagt unsere realistische Vogelabschreckung den Tauben und Spatzen auf Ihrer Fensterbank … richtig Angst ein. Sie werden das lästige Problem mit dem Vogelkot … im Garten für immer loswerden.“ 17 Euro war uns das Wert.
Wir befestigten „Kaja“ unter dem Baum, die einzige Stelle an der sie aufzuhängen war. Dort dreht sie im Spätsommerlüftchen ihre Kreise, das Schmunzeln unserer Nachbarn über unseren verzweifelten Kampf ignorierten wir. Nachmittags säuberten wir das Pflaster und schauten zuversichtlich dem Sonnenuntergang entgegen. Die schräg einfallenden Sonnenstrahlen gaben „Kaja“ in ein furchteregendes Profil, so dachten wir.


Schlag 18.45 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit aber verschwanden unsere Hoffnungen im Zirp-Getöse. Erst kam eine Vorhut, ignorierte „Kaja“ und verschwand im Geäst über der Krähe. Es muss ein geheimes Signal geben, denn obwohl wir in der Einfahrt standen, stürzte sich die ganze Armee über unsere Köpfe in den Baum – mit all den Folgen, wie wir am kommenden Morgen entdeckten.
Test nicht bestanden. Aber „Kaja“ behalten wir, stoisch kreist sie durch das Chaos. Die Kosten für häufige Autowäsche übernimmt sicher der Nabu. Heute montieren wir silberne Alustreifen am Baum, die Hoffnung stirbt zuletzt.

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Vielleicht haben die heimischen Spatzen diesen Asien(!) Import entlarvt …
Vielleicht müsst ihr ein Schild hinstellen: Achtung, Vogelgrippe 😉
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Das mit der asiatischen Vogelgrippe ist eine gute Idee, ich male ein Schild. Wird aber eher die Nachbarschaft vertreiben. Vielleicht helfen auch Christbaum Kugeln. Ist ja bald Weihnachten 🌜
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… in der Tat, drei Monate noch …
Und dann geht’s wieder ins Warme!!!
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