70.000 geopfert

Ich gebe zu, ich wiederhole mich. Aber manche Nachrichten, zuweilen sogar versteckt in der Randspalte, hauen mich jedesmal aufs Neue um. Mindestens 70.000 Särge und Gräber sind über Russland verteilt. Der Bericht im russischen Dienst der BBC hat das gründlich recherchiert.

Volunteers dying as Russia’s war dead tops 70,000. BBC, 20.9.2024

Das alles sind Mindestzahlen! Es mag das Zehnfache an Trauernden zwischen Kaliningrad und Wladiwostok geben. Der Aggressor aus dem Kreml braucht kein Mitleid, aber die Brutalität, mit der auch die eigenen Bürger geopfert werden, entsetzt mich immer wieder.

Leider ist die Legende beim Screenshot nicht mitgekommen: von Hell nach Dunkel: private Kämpfer, Häftlinge, Freiwillige, Einberufene, Berufssoldaten

Man ertappt sich dabei, einfach die Schultern zu zucken. Was bleibt auch sonst? Aber welche Ideologie muss ein Regime verfolgen, dem dieser Preis für pseudo-imperiale Größe nicht zu hoch ist. Ausgerechnet ein Land, das erst vor wenig mehr als 80 Jahren ungeheure Opfer gebracht hat, um einem anderen Aggressor zu widerstehen.

Vor 50 Jahren übten wir in unseren Panzern in der Lüneburger Heide Treffsicherheit und Logistik des Munitionsnachschubs. In den Planspielen damals schien ein Angriff mit Infanterie und Panzern möglich. Verwundbar war vor allem der/die „Fulda Gap“ – immer wenn ich auf der A7/A5 in Mittelhessen unterwegs bin, kommt mir der von Militärstrategen bis in die 1970er Jahre genutzte Begriff in den Sinn. Nach 1990 verschwand dieser Alptraum. Jetzt ist er wieder da, in der Ukraine ist er alltägliche Realität.

Die K.I. von WordPress hat das im Aufmacherbild gut getroffen: Du blickst in Gesichter von Todgeweihten. Was für ein Wahnsin im Jahr 2024.


Entdecke mehr von Full Circle

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

2 Gedanken zu “70.000 geopfert

  1. Ich frage mich auch immer wieder, wie weit das noch gehen soll, sowohl von den Opferzahlen her als auch vom Territorium auf dem alles stattfindet oder mal ein Ende finden soll

    Gefällt 1 Person

    1. Eine „Lösung“ ist nicht in Sicht, und außer Sinnlosigkeit kann ich nichts erkennen. Dafür sterben dann Soldaten und Zivilisten. Es gab früher so was wie „Diplomatie“ (Fallbeispiel Naher Osten in den 1970ern) – da „entknotete“ man Konflikte Schritt-für-Schritt: Waffenstillstand, Truppenentflechtung, vertrauensbildende Maßnahmen, UN-Missionen, Friedensvertrag (Beispiel Ägypten-Israel). Allerdings setzte das ein Minimum an Ratio voraus. Die kann ich auf der Seite des Aggressors nicht erkennen.

      Like

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.