Elb-Harmonie

Der Elbe südlich von Magdeburg traut man nicht zu, dass in ihren Mündungsarm die größten Containerschiffe der Welt einlaufen. Und weiter flussaufwärts bei Dresden sind auf ihr Dampfer unterwegs. Hier, wo die Saale sie noch zusätzlich mit Wasser füllt, wirkt sie wie ein verträumter Strom mit flachen Ufern, zwischen grünen Wiesen und Auen. Einzig die vor sich hin rostende alte Eisenbahnbrücke bei Barby erinnert daran, dass die Elbe mehr als einmal Kriegsfront war.

An der Saale-Mündung

Wir sitzen bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse des Fährhauses Barby. So nennt sich das Cafe, das auf der Speisekarte Rotkäppchen-Sekt für 2,50 € anbietet, aber auch Fritten und Currywurst, Kuchen (3 €) und Torte (3,50 €). Heute ist nur noch Erdbeerkuchen übrig. Neben uns am Tisch sitzt eine Gruppe von Biker(innen) mit schweren Anzügen, wie Terminator 2 bei Bionade und Kuchen. Drinnen bietet sich ein eklektischer Stil aus alten Karten, Wandmalereien mit Fischerbooten, ein Metallica-Poster und Fotos von DDR-Ruderstars.

Vor uns quert eine kleine Fähre den Fluss im Minutentakt. Fahrräder und deren Nutzer sind ihre einzige Fracht, ab und zu traut sich ein Auto drauf (Gebühr für „Auto mit 1 Fahrer“ 3,50 €).

Dort wo die Fähre anlegt steht ein bunter Kioskwagen als Treffpunkt der Wartenden. Männer mit einer Flasche Bier und Softeis („Softies“?) tauschen Meinungen zu Arbeitsplatz und Fußball aus. Hier ist FC Magdeburg-Territorium.

Wir fahren durch die kleine Stadt Barby, in der die alte und die neue Zeit eng beieinander stehen. Manche Straßen mit Kopfsteinpflaster und Pferdeäpfeln sehen so aus, als sei Goethe gerade auf seiner Kutsche vorbei geritten. Die Villa Kunterbunt, eine Kunstgalerie, greift am Giebel ein Motiv der East Side Gallery im fernen Berlin auf und ein „Sorglos“-Makler versucht ein völlig zugewachsenes Industriegebäude am verlassenen Bahndamm zu verkaufen – mit einem Wandmotiv aus einer anderen Zeit.

Es sind nur flüchtige Eindrücke, aber sie sagen uns: „Zurück nach Barby!“ um die Zeitreise fortzusetzen. Heute, an einem Aprilsonntag, der auch einer im Juni sein könnte, fahren wir weiter Richtung Schönebeck. Am Weg begegnet uns ein Ort aus einer ganz anderen Vergangenheit: das frühbronzezeitliche Ringheiligtum von Pömmelte – eine sensationelle Anlage mitten zwischen den noch kahlen Feldern.

Was sich dort im fahlen Sonnenlicht bot, verdient einen eigenen Blog-Beitrag (und ebenfalls einen zweiten Besuch). Der Salzlandkreis und Sachsen-Anhalt insgesamt sind immer noch für Überraschungen gut.


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2 Gedanken zu “Elb-Harmonie

    1. Kann ich nur empfehlen. Ist aus der Zeit gefallen und von einer sympathischen Provinzialität. Ich mag solche Begegnungen mit den kleinen Absurditäten des realen Lebens – in der Nachbarschaft oder im Goldenen Dreieck 🙂

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