Tag- und Nachtgleiche – aktuelle Gedanken

Wie wärs, wenn alles gleich bliebe, zumindest im Gleichgewicht? Ich erwischte mich bei dem Gedanken gestern Nachmittag in Wernigerode. Der humorvolle Typ, der im Harz-Planetarium den Eintritt kassierte, schlug vor, bis zu Beginn seines Vortrages doch das Raketenmodell im angrenzenden Raum zu besichtigen.

In iner Ecke stand das Modell einer Wostok-Trägerrakete mit einer Sojus-Kapsel, darunter ein Bild seiner Schöpfer aus der Diesterweg-Schule Wernigerode („Patenschule des VEB Betriebswerk“). Eine wunderbare Zeitreise, denn es gab wohl beiderseits der bewachten Grenze in den späten 1970ern Raumfahrtbegeisterte.

Das kleine Planetarium liegt gleich unterhalb des Schlosses Weringerode und stammt aus eben jenen 1970er Jahren. Es hat alle Zeiten- und sonstige Wenden überlebt, wenngleich leicht defekt, wie der Vortragende sich entschuldigte. Der Sternenhimmel war nur in Schwarzweiß in die Kuppel projiziert, eine passende farbige Ersatzbirne fände man erst, wenn man dazu weltweit auf Suche ginge.

Kuppel in der Alhambra, Granada (2007) Foto oben: Am Taj Mahal, März 2004

Und während er uns die wichtigsten Sternzeichen des Frühjahrs in der Kuppel über uns erläuterte, hantierte er mit Laser Pointer und Projektionsschablonen von dem großen Bären, Castor und Pollux oder dem Krebs. Er erzählte dazu Geschichten aus der griechischen Mythologie und machte den Vortrag zu einer lebendigen Veranstaltung. Die Zeit schien still zu stehen, immerhin war es der gleiche Sternenhimmel, der nicht nur die DDR, sondern schon die Antike beschien.

Ich erwischte mich bei dem Gedanken der Gleichheit, nicht nur bei der Länge von Tag und Nacht. Gleicher Anteil von materiellen Ressourcen für alle, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Rechte für Alle, Gleichheit vor dem Gesetz. Egalité, gerne auch mit Fraternité.

Was wäre, wenn der Kontostand immer gleich bliebe oder das Wetter immer um die 25 Grad warm wäre? Wenn Sonne und Regen sich gleichmäßig abwechseln, wenn man nach dem turbulenten Lebensstart immer um die 40 bliebe? Halt, das ist eher ein Albtraum, viel zu viel von Egalité.

Wandel, auch der Tageslängen und der Jahreszeiten, prägt unsere Kultur und unser Leben. Sonst wäre uns ja alles egal, es wäre uns buchstäblich alles gleich. Keine schöne Vorstellung.


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5 Gedanken zu “Tag- und Nachtgleiche – aktuelle Gedanken

  1. Ich brauche den Wandel und treibe ihn auch. Alles gleich haben und behalten ist langweilig.
    Aber schreib mal bitte Wostock, statt Rostock. Nur der Veränderung wegen 😉
    LG aus Berlin
    T.

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      1. Oh ja, natürlich. Wenn ich „Wandel“ meine, dann meine ich im Kopf eigentlich „Verbesserung“, aber das Wort Wandel schließt leider auch Rückwärtsrollen nicht aus und so hat man aktuell das Gefühl aktuell wieder zurückgebeamt zu werden in eine Zeit, die eigentlich schon überwunden galt

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    1. Danke für Deinen Kommentar, lieber Richard. Stimmt natürlich vollkommen und bei ganzjähriger Tag- und Nachtgleiche hätten wir ja überhaupt keine Jahreszeiten – also das wär schon ein Eingriff in unsere Kultur. Mensch und Natur in den inneren Tropen aber leben damit. Ich wollte mit der Doppeldeutung von „gleich“ spielen, einmal im Sinne von „equal“, einmal im Sinne von „same“. Veränderung zum Besseren ist allemal willkommen.

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