Wenn der Ukraine-Krieg eines klar gemacht hat, dann wie stark die Welternährung vom Getreidehandel abhängig ist. Was für uns die Gaspipelines waren, sind für Länder im Globalen Süden die Getreideschiffe aus Odessa. Dabei sind Weizen, Roggen und Co. noch vergleichsweise simpel in Saat und Ernte: Körner aufs geeggte Feld, Zuschauen wie die Halme wachsen und gelb werden, dann mit dem Mähdrescher drüber. Ganz anders mit dem Grundnahrungsmittel für mehr als die Hälfte der Menschheit. Reisanbau ist Schweißarbeit in tropischer Hitze. Und was für eine.
Das größte Reisanbaugebiet auf dem Globus liegt in Monsunasien (zum Glück ist die Ukraine kein Anbaugebiet, möchte man denken). Die Länder dieser Region, insbesondere China, Indien, Bangladesh und Indonesien erzeugen zusammen 90 % der weltweiten Reisproduktion.

Reisfelder in Ebenen oder an Berghängen gehören zum prägenden Landschaftsbild Süd- und Südostasiens. Der Anbau von Reis, überwiegend sogenannter Nassreis, ist arbeitsintensiv, erfordert dezidierte agraische Kenntnisse und ist vor allem von Wasserverfügbarkeit abhängig. Nicht nur das: Die Abfolge von Aufzucht, Umpflanzung und Wachstum der Reispflanze hängt von einem bestimmten Rhythmus von Niederschlag und Bewässerung ab, der für die Ernterträge entscheidend ist. Variationen in der Verfügbarkeit von Wasser bestimmen (und gefährden) daher die Versorgung von Milliarden Menschen. Umso beunruhigender, dass der Klimawandel diesen feingetunten Rhythmus gefährdet.
El Nino threatens the world’s rice supplies. The Guardian online, 7.9.2023


Auf eine Wiki-Seite fand ich in einfachen Sätzen alles erzählt, was zum erfolgreichen Reisanbau gehört. Mit ein paar Fotos aus den Jahrzehnten in Monsunasien habe ich einige Arbeitschritte versucht darzustellen, dazu den Text (kurisv) von der Webseite „exzerpiert.“
Quelle: Reis-Wiki: Infos & Nutzung von Reispflanzen
Es gibt über 7.000 Reissorten. Am weitesten verbreitet ist der Tiefland- oder Paddy-Reisanbau (der Großteil der weltweiten kommerziellen Reisanbauflächen). Reis wird auf überschwemmten Flächen angebaut, die entweder durch Regen gespeist oder bewässert werden. Die Wassertiefe reicht von 5 bis 50 cm.


Viele Reisbauern pflügen und bearbeiten das Feld, um den Boden vorzubereiten. In einigen Fällen hilft ihnen auch das Eggen, um die Erdklumpen in kleinere Teile zu zerlegen.



Für die Nassbearbeitung wird eine große Menge Wasser benötigt. Hierbei wird der Boden unter Staunässe entsprechend bearbeitet. Zur Vorbereitung des Reisfeldes sind folgende Schritte sinnvoll:
Schritt 1: Bau oder Reparatur von Dämmen. Im Allgemeinen helfen Dämme dem Feld, das Regenwasser zurückzuhalten. Rund um das Feld sollten Dämme von 50×30 cm gebaut sein. …
Schritt 2: Feldbewässerung. Nach dem Bau der Wassergräben bewässern viele Reisbauern das Feld mindestens eine Woche lang. Dadurch wird der Boden glatt und weich.
Schritt 3: Bodenbearbeitung. Nachdem der Boden ausreichend bewässert wurde, kann er gepflügt werden.
Schritt 4: Flutung des Feldes. Nach dem Pflügen fluten die Reisbauern das Feld oft etwa zwei Wochen lang.
Schritt 5: Zweite Bearbeitung des Bodens. Dieser Schritt wird häufig mindestens 10 Tage nach der ersten Bodenbearbeitung durchgeführt. Er umfasst das „puddling“ und das Eggen des Feldes. … Der Boden wird schlammig. Mit dieser Methode können die Nährstoffe im Boden erhalten und verfügbar gemacht werden. Anschließend wird das Reisfeld 2-3-mal in einem Zeitfenster von 5-7 Tagen bearbeitet.
Schritt 6: Einebnung des Feldes. Der letzte Schritt der Nassvorbereitung findet zwei Tage vor der Aussaat bzw. Umpflanzung statt. Traktoren oder Tiere können bei diesem Vorgang helfen. Ein Holzbrett, das an ihnen befestigt ist, wird über das gesamte Feld gezogen und ebnet es ein. Eine ebene Bodenoberfläche ist für ein gutes Wachstum der Pflanzen unerlässlich.

2 bis 10 % der Feldfläche werden als Anzuchtbeete benötigt. … Pro Hektar Anzuchtbeet benötigt man etwa 700 kg Saatgut. Die Reispflanzen bleiben 15 bis 40 Tage in der Anzuchtstation . Die Reispflanzen sind in der Regel verpflanzungsbereit, wenn sie eine Höhe von 20 bis 28 cm erreicht haben. Die Umpflanzung auf dem Feld erfolgt geradlinig in einem Schema von 20 cm x 20 cm.

Mittelspäte Reissorten können 120-150 Tage nach der Aussaat geerntet werden. Wenn die Körner erntereif sind, haben sie eine gelbe Farbe angenommen und sind ausgehärtet. Die Ernte kann manuell oder maschinell erfolgen. Bei der manuellen Ernte lesen die Arbeiter/innen die Reispflanzen mit scharfen Messern aus den Reisfeldern. Anschließend werden sie sorgfältig gesäubert und beschädigte Pflanzen aussortiert. Zur maschinellen Ernte können Maschinen eingesetzt werden, die alle Arbeitsschritte wie Schneiden, Dreschen und Reinigen kombinieren.





Nach der Ernte enthalten die Körner normalerweise etwa 25 % Feuchtigkeit. Lässt man sie unbehandelt, kann dies zu einer Verfärbung der Körner und zu Schädlingsbefall führen. Daher trocknen die Landwirte die Körner in den meisten Fällen vor der Lagerung. Die traditionelle Trocknung wird in vielen Ländern bevorzugt praktiziert, weil sie keine oder nur geringe Kosten verursacht. Die Arbeiter können die Körner auf Teppichen oder Gehwegen ausbreiten, bis sie getrocknet sind.

Der durchschnittliche Ertrag von Reis pro Hektar liegt bei 3 bis 6 Tonnen. In einigen Ländern … kann der Ertrag auf erstaunliche 10 – 12 Tonnen oder mehr pro Hektar steigen. Derart hohe Erträge können allerdings nur von erfahrenen Landwirten erzielt werden, die mehrere Jahre lang praktiziert haben.
Was so oft euphemistisch als „arbeitsintensiv“ beschrieben wird, beim Reisanbau in Asien erhält das eine konkrete Bedeutung. Keine landwirtschaftliche Aktivität, schon gar nicht die Plantagenwirtschaft, ist mit so viel harter Arbeit verbunden, bis „die Ernte im Sack“ ist. Reisfelder und mehr noch Reisterrassen sind das Produkt von immens viel Schweiß und Rückenschmerzen.
Bauern verdienen Respekt, überall auf der Welt. Aber wer sich hier von hohen Traktor-„Ross“ mit Reifen wie beim Flugzeug und 300 PS über fehlende Subventionen beschwert, der sollte einmal ein Praktikum bei einem Reisbauer in Tamil Nadu oder auf Java machen.
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Was für eine Heidenarbeit. Reis ist eben viel mehr als „Wasser zum Kochen bringen, Tüte öffnen, Inhalt reinkippen, 25min warten“
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Wohl wahr! Du kannst Dir vorstellen, was es heißt, wenn auf der Packung vom Basmati-Reise steht: „Von den Hängen des Himalaya…“ Der fließt nicht von selbst in unsere Plastikbeutel …
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