Ich las neulich, dass ein gesuchter russischer Oligarch sich in einem Strandressort in Odisha versteckt habe. „Versteckt“ lass ich gelten, denn der indische Bundesstaat lieg etwas abseits im Nordosten des Subkontinents (allerdings mit dem dichten innerindischen Flugnetz ist auch das vorbei).

Aber der Gesuchte hatte wohl Geschmack, denn Orissa, wie Odisha früher hieß, hat exzellente Strände, vorallem zwischen Puri und Gobalpur. Es fehlen zwar die ausgedehnten Kokospalmen-Haine der indischen Westküste, aber der breite Strand mit feinem Sand ist überirdisch (allerdings nur, wenn nicht gerade ein Bengalenzyklon heran rauscht).


In einem früheren Leben hatte ich zweimal die Gelegenheit nach Bubaneshwar (die Landeshauptstadt) und von dort nach Puri (Tempelstadt mit Strandanbindung) zu reisen. Odisha bietet Waldlandschaften und Nationalparks im Hinterland, dazu das Reisanbaugebiet im Delta des Mahanadi. Aber Odisha beheimatet auch zwei der ungewöhnlichsten Tempelkomplexe in Indien: den Lingaraja-Tempel in der Altstadt von Bubaneshwar und der Sonnentempel von Konarak in Küstennähe rund 50 km östlich von Puri.



Man muss sich nicht mit den kulturellen und architektonischen Spezifika indischer Tempel auskennen, um jedesmal beim Besuch jener Bauwerke staunend davor zu stehen. Jede Region hat ihre eigenen Baustile, von Kerala bis Gujarat und von Tamil Nadu bis Bengalen. (Ich glaube Indien hat die meisten UNESCO-Welterbestätten in seinen Grenzen). Der Lingaraja-Tempel in Bubaneshwar stammt aus dem 11. Jahrhundert, überhaupt scheint die bei uns „Hochmittelalter“ genannte Ära eine von großen Bauprojekten überall auf dem Subkontinent zu sein.

Puri selbst ist Pilgerzentrum mit dem Komplex des Jagannath-Tempels, der drei Geschwister-Gottheiten geweiht ist. Alle drei werden einmal im Jahr auf großen hölzernen Tempelwagen um den Tempel herum gezogen (Rath Yatra), eines der größten Hindufestivals in Indien.


Der Star der Tempel in Odisha ist aber der im Nirgendwo gelegene Sonnentempel.
Sun Temple Konarak auf der Webseite der UNESCO-Welterbeliste



Der aus dem 13. Jahrhundert (zur Erinnerung: bei uns die Gotik) stammende Bau ist dem Gott Surya gewidmet. Er stellt den Wagen des Sonnengottes dar, der auf 24 Rädern über die Himmelsscheibe fährt. Die Räder sind ein bildhauerisches Wunder – und auch von den Motiven her (unser Reiseführer damals wies uns diskret auf die erotischen Motive in den Speichen hin, sollten wir nahe dran gehen – alle in der Gruppe taten das!). Der Tempel muss aufwendig restauriert werden, da ihm in Küstennähe Sturm und salziges Wasser zusetzen.

So gern ich noch einmal nach Odisha reisen würde, eine Gelegenheit wird sich nicht so bald bieten. Aber es gab – indische Wunder – eine ganz andere Begegnung mit Odisha (und zuweilen glaube ich an gutes Karma): In den drei Jahren, in denen meine Zeitschrift in Südindien zum Druck fertig produziert wurde, war es ein junger Mann aus Odisha – no less – der über diese Zeit das page setting der Zeitschrift machte. Er war für den Job nach Pondicherry in Südindien umgezogen, eine Region für ihn so fremd wie Portugal für uns. Aber nach seiner Heirat mit einem Mädchen aus Odisha zog es ihn zurück in seine Heimatstadt Bubaneshwar, wo sich inzwischen ebenso gute Jobbedingungen entwickelt hatten.

Ich arbeitete mit ihm fast täglich, durch FTP-Server und E-Mail verbunden, zusammen und erinnere mich extrem gern an seine Professionalität und Warmherzigkeit. Wenn ich alte Exemplare der Zeitschrift heute durch blättere, ist immer auch ein Stück Odisha dabei.
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Beeindruckende Bauten, zwar nicht ganz jugendfrei, aber die gucken ja eh nur auf ihre Handys
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Alles sowieso nur Kunst: Kamasutra in Stein.
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Selbstverständlich ist „nur“ Kunst, hat mit Realität nix zu tun 😉
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