Zwei Schlagzeilen dieser Tage sagen alles aus über die Zweiteilung eines Landes – und die Zweiteilung der Welt:
Titanic sub: who was on board? BBC News, 20.6.2023
Ein Teil der Weltöffentlichkeit verfolgt die Rettungsversuche von 5 (!) Personen auf einem Kleinst-U-Boot, unter denen ein Vater und sein Sohn aus Pakistan sind. Sie konnten sich den Tauchgang zum Wrack der „Titanic“ mit einem Preisschild von 250.000 US-Dollar pro Passagier leisten, denn sie gehören zu der reichsten Familie des Landes am Indus.
Ein anderer Teil der Öffentlichkeit beschäftigt sich damit, wie es kommen konnte, dass ein überladenes Flüchtlingsboot vor der Küste der Peloponnes untergeht und dabei hunderte (!) Menschen mit sich in die Tiefe reißt, obwohl es Stunden lang beobachtet wurde (in einem Teil des Mittelmeeres, in dem offensichtlich Luxusjachten zwischen Seelenverkäufern herum schippern). Die meisten Opfer stammen aus Pakistan, unter anderem Dutzende junger Männer aus einem einzige Dorf im pakistanischen Kashmir.

Auch die Flüchtlinge hatten viel Geld für die Passage bezahlt, finanziert von Verwandten und versehen mit der Hoffnung, dass sich mit der gefährlichen Reise übers Mittelmeer ein besseres Leben begründen lässt. Sie wurden Opfer von Menschenschmugglern, hätten sich aber vom Geld locker einen Business Class-Flug von Islamabad nach Athen leisten können.
Pakistanis am Meeresgrund: zwei, die einen Thrill Trip vorhatten, hunderte, die aus Verzweiflung unterwegs waren. Das steht symbolisch für unsere Zeit und für das, was den Globus mindestens so prägt, wie die Klimafolgen: soziale Gegensätze und Ungerechtigkeiten.
Es war im vergangenen Sommer ausgerechnet Pakistan, das in weiten Teilen unter Wasser stand. Im Indus-Tal kommen extreme Hitzewellen und sturzflut-artige Niederschläge eng zusammen – absehbar bald wieder, wenn der Monsun den Nordwesten des Subkontinents erreicht hat.

Es verbindet sich dann beides: Von den Folgen des Klimawandels sind die Armen mehr betroffen, als die Superreichen, die sich einen Space Trip oder eben einen Tauchtrip leisten können. Die einen versuchen zu fliehen, die anderen suchen nach Geldanlagen.
Nachtrag, 24.6.2023:
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Großartig, dass mal so drastisch klar zu machen. All die Landsleute sind ertrunken, die einen letztlich im Geld, die anderen in der Not.
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