Vielleicht hätte ich es nicht bestellen sollen: das belgische Bier aus Waterloo. Es hatte uns vor einigen Wochen am Ort der finalen Niederlage Napoleons so gut gemundet, dass ich online ein paar Flaschen der Marke Waterloo Triple gekauft habe. Die kamen prompt gut verpackt ins Haus.
So war ich gut auf das Ausscheiden aus der WM vorbereitet. Das war sowas von absehbar, der fehlende flow strömte geradezu aus dem Bildschirm. Der Experten-Talk vor den Spielen ist immer drei Minuten nach Anpfiff Geschichte. Vielleicht sollte man, wie der Kommentator bei Magenta TV gestern lakonisch festhielt, „den Ball einfach mal aufs Tor schießen“ statt laut Trainervorgabe „halten, kontrollieren, und ja nicht hetzen.“ Aber ich bin kein Fußballer und schon gar kein Experte.
Überhaupt nervt die penetrante Dauerwerbesendung mit vier eingestreuten Spielphasen von rund 23 Minuten zusehends. Am Besten gefällt mir die Netto-Werbung mit Hape in all seinen besten Rollen. Aber die ist ja auch „stolzer Partner der Frauen Nationalmannschaft“ – cleveres Marketing. Die anderen „stolzen Partner“ stornieren wohl jetzt die Verträge mit dem DFB – und Trump wird das T-Shirt von Merz schnell in die Altkleidersammlung entsorgen. Und dann die Sportwetten-Werbung… Verführung zum Suchtverhalten. Das Süßgetränk aus Atlanta wirbt mit Beethovens Ode an die Freude und Poldi empfiehlt TikTok mit Jugendschutz.
Zum Glück gibt es aber Frankreich. Nach Waterloo standen sie wieder auf, verklärten die „innenpolitischen“ Leistungen Napoleons, bauten im Invalidendom sein Grabmal.

Der Verlierer von Waterloo einte immerhin den deutschen und italienischen Flickenteppich (siehe Karte). Und der stand dann weniger als sieben Jahrzehnte später im Spiegelsaal von Versailles und krönte seinen eigenen Kaiser. Wieder eine Niederlage.
Und wieder in den Kampf gegen einen Aggressor 1914-1918. Und gut zwei Jahrzehnte später stand der wieder mit Panzern, einem „Führer“ und SS in der Hauptstadt.
Was für ein Großmut von de Gaulle und den Franzosen, uns die Hand wieder auszustrecken. Ja, die deutsch-französische Freundschaft samt aller bester Rivalität hält die EU zusammen. Und den Airbus.
Also, Niederlagen muss man als Chance sehen. Sie sind die eigentliche Basis für neue Anfänge. Gewinner sind zwei Tage später vergessen. Wie heißt es in der Marseillaise: „Auf, auf Kinder des Vaterlands! Der Tag des Ruhmes, der ist da. Gegen uns wurde der Tyrannei Blutiges Banner erhoben. Hört ihr im Land das Brüllen der grausamen Krieger? Sie kommen bis in eure Arme, eure Söhne, eure Gefährtinnen zu erwürgen! Zu den Waffen, Bürger! Formt eure Schlachtreihen, marschieren wir, marschieren wir! Bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt!“
Wer das vor einem Fußballspiel singt, der muss einfach gewinnen. Jetzt, liebe Franzosen, marschieren wir mit in Euren Schlachtreihen.
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