Nach, in und aus Rom

Rom, 15.8.1974, 15.30 Uhr: Nach einer schrecklichen Nachtfahrt von der Cote d’Azur über Genua und Pisa bin ich heute morgen in Rom angekommen. Schrecklich deshalb, weil italienische Reisegefährten die Gewohnheit hatten, sich ununterbrochen zu unterhalten! Wahrscheinlich brauchen diese Leute gar keinen Schlaf. (Titelfoto: Leute vor italienischer Flagge im Stil von Toulouse-Lautrec, KI-generiert)

Auf dem römischen Hauptbahnhof habe ich zunächst mein Gepäck deponiert. Dann kam der erste Schock! Die Zimmervermittlung war geschlossen, Rom hat heute Sonntag, denn der 15. August, Maria Himmelfahrt, ist in Italien hoher Feiertag.

Nun, ich nahm meine Kamera und bin erst mal quer durch die ganze Stadt zum Vatikan gelaufen. Dort habe ich mich den ganzen Vormittag aufgehalten. Einen Film für 3500 Lire mußte ich mir auch noch kaufen. Ungeheuer beeindruckend, der Petersdom und der Petersplatz.

Ansonsten ist Rom enttäuschend, die Stadt ist sehr schmutzig, die Häuser verdreckt, und dann die entsetzliche Hitze, die hier herrscht. Nachdem ich für 2650 Lire recht gut zu Mittag gegessen habe, bin ich zurück Bahnhof gegangen und dort in der Nähe hat sich das große Wunder zugetragen: ich habe ein Zimmerchen in einer netten Pension für ganze 8 DM gefunden. Phantastisch! Und genau da sitze ich nun, geflüchtet vor der tödlichen Hitze, und schreibe dies.

Die kleine Pension gab es auch im Jahr 2000 noch!

Heute am späten Nachmittag werde ich zum Forum Romanum, Colosseum und zum Trevi-Brunnen gehen. Der Zug nach Venedig fährt morgen früh um 8.10 Uhr von Rom Termini.

Venedig, 16.8.1974, 19 Uhr: Schon wieder sitze ich im Zug, diesmal von Bella Venezia nach Mailand. Gestern Nachmittag habe ich trotz 37 Grad im Schatten das Colosseum etc. besichtigt und natürlich dort auch gefilmt.

Heute Morgen bin ich mit dem Schnellzug Rom-Wien, der bezeichnenderweise „Romulus Express“ heißt, nach 6-stündiger Fahrt über Florenz, Bologna und Padua nach Venedig gefahren. Um 15 Uhr kam der Zug hier an. Nachdem ich mein Gepäck losgeworden war, bin ich quer durch die Stadt mit ihren erdrückend engen Gassen und immer noch romantischen Brücken über die Kanäle zur Rialto-Brücke gegangen.

Venice's Rialto Bridge over water with gondolas and a swirling starry night sky
A vibrant painting of Venice’s Rialto Bridge with gondolas beneath a swirling starry sky (KI-generiert, reine Fantasie!)

Dort habe ich mit einem Kilo Birnen meinen Durst und Hunger in der unerträglichen Hitze (34°) gelöscht. Durch überfüllte Straßen ist es von der Rialto-Brücke nicht mehr weit zum Markus-Platz, -Dom und -Turm. Tausende von Touristen, unter ihnen wohl die meisten Deutsch, drängten sich auf dem Platz vor der berühmten Kirche mit dem alleinstehenden Glockenturm. Nachdem ich für 4 DM ein warmes Bier getrunken habe, machte ich mich auf den Rückweg zum Bahnhof Santa Lucia. Zwei Stunden früher als geplant bin ich dann abgefahren.

Die Rückfahrt verlief über Mailand, Chiasso, Basel, Straßburg, Metz, Luxemburg, Lüttich, Aachen, Köln. Nach 23-stündiger Fahrt durch sechs Länder habe ich also die letzte Etappe hinter mich gebracht.

Ich ahnte es damals nicht, aber die Perspektive wurde Wirklichkeit, wie ich in Blog-Beiträgen hinreichend dokumentiert habe. Damals musste ich zurück in die Kaserne der Panzerjäger-Kompanie, knapp zwei Monate Wehrdienst standen noch bevor. Mit Studienbeginn in Aachen zum 3.10.1974 begann eine neue Phase des Lebens.

Colorful circular badge with number 19 surrounded by festive lights and decorations
KI-generiert!

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2 Gedanken zu “Nach, in und aus Rom

  1. Ist mir im Nachhinein auch aufgefallen. Und die Mondpreise am Markusplatz für ein warmes Bier. Für zwei Bier in Venedig bekam ich ein Zimmer in Rom 😄

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