Die andere KI – 25 Jahre Wikipedia

Manchmal muss man Utopien leben. Die US-Amerikaner Jimmy Wales (*1966) und Larry Sanger (*1968) haben das 2001 getan und das noch junge Internet genutzt, um kollektives Wissen über die weltweite Vernetzung zu bündeln und ihm eine Plattform zu bieten. „Wikipedia basierte auf einer neuen Software namens Wiki. Das Prinzip war revolutionär:

  • Jede Person konnte Artikel erstellen und bearbeiten
  • Inhalte konnten sofort veröffentlicht werden
  • Wissen wurde gemeinschaftlich aufgebaut

Was als Experiment begann, explodierte förmlich: Schon im ersten Jahr entstanden tausende Artikel. Wikipedia wurde schnell international:

  • 2001: Erste Versionen in anderen Sprachen
  • 2004: Über 1 Million Artikel
  • 2010: Millionen von Artikeln in hunderten Sprachversionen

Die Plattform wurde zu einer der meistbesuchten Websites weltweit.“ (Die Sätze in Anführungszeichen sind von ChatGPT).

Die kollektive Intelligenz von Wikipedia feiert 2026 also 25 Jahre ihres Bestehens. Glückwunsch, wurde die gemeinnützige Gründung 2001 doch zunächst belächelt. Am verregneten Samstag gestern haben wir das Büro von Wikipedia in Hannover besucht. Es war ein Tag der offenen Tür und wir hörten einen Vortrag zur den Wirkungsmechanismen und der Mitarbeit bei Wikipedia.

Es ist ein geradezu basisdemokratisches Instrument zur Wissenssammlung. Jeder kann mitarbeiten, schreiben, editieren. Die kollektiven „Korrekturmechanismen“ aber auch redaktionelle Vorgaben zu Sachlichkeit und Überprüfbarkeit haben aus Wikipedia einen globalen Wissensschatz gemacht. Und der ist jedermann und kostenlos zugänglich.

Besser noch: Wikipedia ist eine gemeinnützige Stiftung und lebt von Spenden und ehrenamtlicher Mitarbeit.

Ich war damals schon einige Jahre Wissenschaftsredakteur. Das Internet setzte sich als Recherche-Instrument für faktenbasiertes Wissen gerade durch. Aber demokratische Wissenssammlung war den etablierten Wissenschaftsbetrieben an den Universitäten suspekt.

Das Wunder von Wikipedia ist, dass es funktioniert – weltweit in Dutzenden von Sprachen. Und das es bei der Durchkommerzialisierung des Internets kostenlos und offen geblieben ist.

Die bittere Ironie bleibt: die LLMs bzw. Chatbots der diversen KIs aus dem Silicon Valley plündern das Wikipedia-Wissen, präsentieren es uns „süß säuselnd“ („Willst Du mehr wissen?“) und kassieren dann später noch ab.

Jimmy Wales und Larry Sanger haben ihre Schöpfung schon frühzeitig verlassen und sind getrennte Wege gegangen. Trotz Kritik und Differenzen müssen sie sich freuen, sie wachsen zu sehen.


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4 Gedanken zu “Die andere KI – 25 Jahre Wikipedia

  1. Schon ärgerlich, irgendwie,
    ich sponsere Wikipedia und dann zahle ich noch mal für einen KI-Chatbot, der dieses mühsam zusammengestellte Wissen frisst und wieder hochwürgt.

    Gefällt 1 Person

    1. Darauf läuft es hinaus. Aber einige Verlage klagen. OpenAI hat auch meinen Blog ungeniert geplündert. Scheint aber, dass Automattic da jetzt einen Riegel vorgeschoben hat. Die KI darf sich nicht mehr ohne Zustimmung da durch wühlen. Wünsche dir schöne Feiertage

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