Es genügt manchmal auf den richtigen Knopf zu drücken und es läuft wieder. Ich rede nicht von unserer Wirtschaft oder der Regierungskoalition, sondern von unserer Spülmaschine. Sie ist von einem namhaften deutschen Hersteller, perfektes Funktionieren daher zu erwarten.

Ich hatte sie gänzlich mit Geschirr gefüllt, froh der implizierten Umwelt bewussten Nutzung, und das Programm „Eco“ ausgewählt: 4 1/2 Stunden bis zum Ausräumen, gute Zeit für einen Blick durch die Weltpresse.

Gerade hatte ich die ersten Schlagzeilen vom Poltergeist in Washington überflogen, tönte ein durchdringender Ton aus der Küche. Die Maschine hatte ihre Arbeit unterbrochen, ein rotes Licht auf einem winzigen Display signalisierte „fehlender Klarspüler“. Zugegeben, ich hatte das Nachfüllen in den letzten Tagen ignoriert. Also nachholen. Nach kurzer Zeit stoppte die Maschine erneut, diesmal tauchte ein neues Symbol auf: „Wasserzufuhr gestört“ entnahm ich der Gebrauchsanleitung.

Jetzt war guter Rat teuer, das komplette Geschirr schon mit seifiger Flüssigkeit überzogen. Montage am Gerät ohne Ausräumen nicht möglich. Meine Zeitungslektüre konnte ich buchstäblich in Trockentücher wickeln. Anruf beim Kundendienst, man versprach Rückmeldung in ein paar Tagen.

Es dauerte gefühlt den halben Nachmittag das Geschirr abzutrocknen und einzuräumen.

Heute dann der Anruf des Kundendienstes: Bevor man einen Fachmann schickt, könnten wir es doch mit einem Klopfen am Wasserzulauf probieren. Gesagt getan, keine Wirkung. Inzwischen hatte meine Frau die Gebrauchsanleitung auf ihre gewohnt gründliche Art durch gelesen. Wir erkannten: die Spülmaschine wird durch eine elaborierte Software gesteuert (mit dem WLAN ist sie noch nicht verbunden).

Sie schlug vor, einen kompletten Re-set zu versuchen: fünf Sekunden auf den Einschaltknopf drücken und sämtliche Lichter der Programme und Symbole leuchteten auf als wollten sie sagen: Seht her, was ich alles biete. Die Spülmaschine lebt, dachte ich.

Jetzt ein beliebiges Programm wählen und auf Start drücken. Wie ein Wunder: der Spülvorgang begann – ein liebliches Geräusch von sprudelndem Wasser. Wer braucht schon einen Kundendienst?

So ein Re-set ist was Feines. Ich wünschte es gäbe häufiger die Möglichkeit. Vielleicht sollten wir nochmals 1990 anfangen.


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6 Gedanken zu “Der Re-set

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