Kanzler im Ashram

Man kann gespannt sein, was er aus Ahmedabad mitnimmt (und wie er es berichtet). Ein indischer Fernsehsender zeigt den deutschen Kanzler mit bunten Figuren eines Drachenflug-Festivals und im Sabarmati Ashram, wo Gandhi in den 1920er Jahren residierte.

Gandhis Spinnrad im Sabarmati Ashram, Ahmedabad (Gujarat)

Der indische Ministerpräsident als Gastgeber demonstriert Merz das Spinnrad, als Symbol des self made stuff, und heute wieder Metapher für Indiens strategische Autarkie. Ich ahne, was in den Köpfen der Delegation vor sich geht – deutsche Industriegrößen zuhauf und Kanzleramts-Mitarbeiter, die eher den ruhigen Umgang suchen: „Ist das immer so chaotisch?“

Verkehrsgewühl in Ahmedabad – bleibt dem Kanzler erspart
Schuhe ausziehen, gilt auch für die Chefs von Siemens oder DHL

Modi empfängt Merz in Gandhi-Gedenkstätte. SPIEGEL online, 12.1.2026

Jedenfalls ist es erfrischend, wenn der Sauerländer vielleicht mal Chapati in einen Linsenbrei tunken muss. Oder die deutsche Industrie-Elite in Socken vor einem Spinnrad steht. Die Welt da draußen ist anders wie in Arnsberg (oder Berlin).

Plastikblumen – with a smile: Ahmedabad 2010

Indien ist immer für Überraschungen (und Kulturschocks) gut. Ich habe sogar das Gefühl, dass die deutsche Exportwirtschaft besser mit dem „Anders sein“ umgehen kann, als manche Medienvertreter und Politgrößen in der Hauptstadt. Wie wären wir sonst Exportweltmeister? In der Business Class sitzen immer weniger die Manager, sondern die jungen Ingenieure und Monteure in Sneakers. Genau so muss es sein.

Im Sabarmati Ashram 2010: heute sind sie über 20 – und künftige Fachkräfte bei uns?

Ach, Kanzler, wie schade, dass Du keine Zeit hast, ein wenig im Ashram zu meditieren.

Sabarmati Ashram (1984)

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5 Gedanken zu “Kanzler im Ashram

  1. Ich denke auch, dass die deutsche Industrie viel offener auf fremde Kulturen reagiert, als die Politik. Während meiner Arbeit bei einem Automobilzulieferer haben wir schon jahrzehntelang ganz selbstverständlich mit indischen Dienstleistern zusammengearbeitet, als Annalena Baerbock ganz stolz nach Delhi reiste.

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    1. Glaube ich Dir aufs Wort, Marco. Ich habe vor 45 Jahren z.B. in Malaysia junge Siemens-Mitarbeiter getroffen oder Elektroingenieure für deutsche Unternehmen in Bangladesh. Die waren der „Wende“ jener Zeit – ab 1981 – weit voraus, als Politik bei uns zu pfälzischem Saumagen einlud. Nebenbei: diese Weltoffenheit galt tatsächlich auch für DDR-Unternehmen.

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