Imperialismus 2.0

Wer will es den USA verdenken, sich die Welt gefügig zu machen? Sie können es eben. Die DNA der Krone des Kapitalismus war immer unbeschränkte Freiheit und Expansion. Und wir sind mittendrin: Fast Food- und Hotelketten, Hollywood und Streaming-Dienste, Kreditkarten und Autovermietung, Suchmaschinen, Social Media und KI-Programme; Franchising und Public Relation, kommerzielle News Channels, jetzt NFL und NBA bei uns auf den Bildschirmen. Alles hat uns gut getan und es kommt ja von den Guten. Versuch mal, dich davon zu entflechten.

Das sind die Versuchungen von Pop(ular) Culture: immer der größte gemeinsame Nenner. Es ist das Land der „drive thru“-Kultur: Burger & Fries samt „Süßgetränk“ im Auto essen. Smart meals als deal! Kaum vorstellbar, bei Massala Dosai oder einer Chicken Noodle Soup.

Das Bildungssystem der USA ist minimalistisch angelegt. Quarter courses in der Highschool, mit denen man Credits bis zur Graduation sammelt wie VHS-Bescheinigungen, täuschen Wissen vor. Der Musicalfilm „Grease“ spiegelt diese Schulkultur wieder, und wer ein teures US-Auslandsschuljahr hinter sich hat, muss meist die Jahrgangstufe in Deutschland wiederholen, um Anschluss zu gewinnen.

Das schließt kulturelles Elite-Denken (Hochkultur anyone?) aus, selbst wenn man sich mit Elite-Universitäten und Nobel-Preisen schmückt. Im US-Fernsehen (und in der Politik) musst Du General oder ein Veteran sein, um als Experte Ernst genommen zu werden.

Deutsche Großunternehmen in den USA führen für die künftigen Mitarbeiter unser duales System ein. College ist bei uns gymnasiale Oberstufe und der Bachelor degree nicht mehr als unsere Hochschulreife. Sportliche Ambitionen kann Zugang zu Universitäten sichern (die schmücken sich gern mit erfolgreichen Football– oder sonstwas Teams), Fremdsprachen-Kenntnisse überflüssig: Dank britischem Imperialismus 1.0 spricht die Welt Englisch. Die US-Kultur setzt sich in ein gemachtes Nest.

Langsam wacht die aber auf, dass etwa Grok die lokale Kultur, wenn nicht die Moral unterwandert, dass Meta alles andere als ein Kumpel für vereinsamte Singles ist, dass über die Algorithmen von X politische Systeme infiltriert werden.

Off the guard rails: On the Grok case, explicit imagery. The Hindu, 6.1.2026

Grok abuse puts Online Safety Act to its first real test. New Straits Times, 5.1.2026

Die Konsumnation USA saugt ungeheure Mengen an Importen ein, jeder hängt deshalb am Tropf. Bangladesh kauft Boeings, um keine Zölle aufgedrückt zu bekommen (die USA sind ihm wichtiger als die EU bzw. Airbus), Indien schränkt seine Ölimporte aus Russland ein, aus dem gleichen Grund. Aber es geht jetzt weiter: Nigeria muss sich Bombardierungen gefallen lassen (zum Schutz von Christen immer gut), Venezuela wurde der Staatschef entführt (das System bleibt aber an der Macht), Grönland steht an und Dänemark – unsere netten Nachbarn im Norden – muss hilflos zusehen. Die Grönländer fragt schon gar keiner.

Robert Reich: Donald Trump poses a threat to civilization. The Guardian, 6.1.2026

Multilaterale Institutionen, erst Recht die am East River, waren nur Mittel zum Zweck: Vorwand für die good guys. Die Decke wurde längst weggezogen, die anderen stehen entblößt da.

Ein weiteres Charakteristikum dieses neuen Imperialismus ist, dass keinerlei Lehren aus der Vergangenheit gezogen werden: das Fiasko in Vietnam, in Afghanistan, im Irak, um nur die wichtigsten zu nennen. Es ist die andere Seite der gleichen Medaille aus dem Land des Risikokapitals: Niederlagen, Pleiten, Katastrophen? Aufstehen und weiter machen!

Das Ganze wurde bislang „strategisch“ abgesichert, mit einer ungeheuren Militärmacht. Wehe die Flotte samt Flugzeugträger kreuzt vor Deiner Küste auf. Versuchs nie mit Verstaatlichung von US-Konzernen, 50 Jahre später holt man sich das zurück. Oder mit Besteuerung jenseits von Oasen.

US-based multinational companies will be exempt from global tax deal. APNews, 6.1.2026

Habe ich jetzt irgendwas Neues geschrieben? Nein, ich habe nur die Brille gewechselt.

Trump’s new world order is being born – and Venezuela is just the start. The Guardian, 6.1.26


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