Rolltreppen-Anarchie

Meine Freundin, die Rolltreppe im UN-Gebäude in New York, war am Abend ziemlich müde. Ich kenne sie ganz gut, hat sie mich doch vor Jahrzehnten ein paar Mal auf die Ebene vor dem Plenarsaal gefahren. Dieser Tage transportiert sie Staatsoberhäupter(innen) im Dutzend stündlich zum Tagungsraum.

Die letzten Besucher hatten das UN-Gebäude verlassen, das Personal war mit dem Polieren ihrer messing-goldglänzenden Bestandteile beschäftigt. Zeit für ein Schwätzchen. „Großartig, wie du IHN zum Stehen gebracht hast“ sagte ich bewundernd. „Das schafft sonst keiner!“

Trump says he was victim of ‘triple sabotage’ at UN and Secret Service is looking into the matter (mit Video). APNews, 24.9.2025

Die Rolltreppe wurde verlegen. „Im Grunde war es Vergeltung für 2015.“ Ich erinnere mich: Im Sommer jenen Jahres kam ER in seinem Tower eine ebenso güldene Treppe hinab (auch die kenne ich persönlich). Hätte sie nur plötzlich gestoppt, vielleicht wäre die Weltgeschichte eine andere geworden. Ihre Stimme wurde ganz leise „Sags nicht weiter: Wir haben eine Rolltreppen-Untergrundbewegung gegründet. Sobald ein Mächtiger drauf tritt, bleiben wir ruckartig stehen!“ Ihr verschmitztes Lächeln hatte etwas Teuflisches. „Wir sind gerade dabei Verkehrsampeln und Teleprompter für unsere Bewegung zu gewinnen. Die KI ist schon auf unserer Seite!“

„Donnerwetter“ entfuhr es mir. „Ihr schafft was Millionen Schreibern und TV-Sendern nicht gelingt, IHN zu entblößen!“ „Ach“ entgegente meine Freundin „zu viel der Ehre. Was ER eine Stunde lang vom Podium erzählte, hat IHN und sein Land gleich mit vor der gesamten Weltöffentlichkeit blamiert.“ Immerhin, die UN-Rolltreppe und ihr Kumpel, der Teleprompter, haben dabei geholfen. Sie verdienen den Friedensnobelpreis.


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