Nicht dass es den durchschnittlichen US-Bürger interessieren würde – die Selbstisolation ist konsequent, wenn Du Dich schon in Gottes auserwähltem Land wähnst – aber dass die US-Wirtschaftseliten zusehen, wie ihr Gesandter mit Zöllen und Außenpolitik alle Brücken mit dem Rest der Welt einreist, ist schon bemerkenswert. Jetzt hat es auch Indien gespürt, das besonders sensibel ist, wenn man mit seiner Unabhängigkeit spielt.

Dabei sind für Millionen Inder die USA das Traumland und der Premierminister war stolz auf seine guten persönlichen Beziehungen zum Gegenüber im Weißen Haus.
Dass die Brücken nach Europa schon im Februar abgebrochen wurden, ist bekannte Geschichte. Brasilien, Kanada, Mexiko, die Länder Südostasiens, Südafrika, von China gar nicht zu reden, gehören ebenfalls dazu. Japan und Südkorea versuchen halbwegs etwas zu retten, ebenso Brüssel für die EU. Als größter Konsumentenmarkt der Welt waren die USA indispensable für die globalisierte Wirtschaft. Die US-Bürger profitierten von billigen Importen, die Eliten bevorzugten Qualität aus Europa gegenüber der minderen Qualität von US-Waren – von Wein bis Autos – und die USA nutzten die billigen Arbeitskräfte im Englisch-sprachigen Asien für ihr Outsourcing-Strategien.
„Issch over“ würde ein deutscher Politiker sagen, würde er noch leben. Die Weltwirtschaft wird sich bis zur Unkenntlichkeit verändern, wenn der Spuk nicht demnächst durch ein Gerichtsurteil des Supreme Court beendet wird. Aber damit ist nicht zu rechnen. Es braucht Zeit, bis Investitionen umgelenkt, Handelsabkommen neu definiert und Märkte neu erschlossen werden. Wie dann Wirtschaft und Gesellschaft in den USA aussehen, ist offen.
Ein über Jahrzehnte guter Freund und Lehrerkollege schrieb mir vor einigen Wochen: „I am increasingly aware and ashamed … to be connected to this myth of American exceptionalism, both domestically and internationally. … I have failed miserably in teaching a balanced and truthful accounting of our past. Not knowing is no excuse.„
Einzig die Dominanz der US-Software und Medienunternehmen hält die Welt im Griff, zusehends sogar. Vielleicht ist das das Ziel. Die KI-Systeme unterwandern Suchmaschinen und digitale Dienste. Mag sein, dass deren langfristige Strategie nicht mehr das billige T-Shirt oder das Call Center in Hyderabad ist, schon gar nicht der Hausherr im WH, sondern eher dessen Vize. Thiel und die Palantir-Manager lassen grüßen, Facebook und Google haben sich schon mal in Meta und Alphabet „aufgelöst“ – die Welt fernzusteuern muss in den neuen Datencentern überall zwischen SF und NY ein wahrer Traum sein. Fehlt noch der Krypto-Hype, dann ist selbst die Währung nichts weiter als wertloses Papier.

Wie der Mississippi traurig im Sonnenuntergang der Mündung entgegen fließt (das Foto entstand bei Natchez/Mississippi; das Titelfoto am Missouri, bei Chamberlain/Süddakota), so schaue ich den USA, wie ich sie kannte, hinterher. Bleibt mir nur übrig, in den Sonnenaufgang zu schauen.
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Ja, wirklich erstaunlich, dass niemand dem Präsidenten sagt, dass Vertrauen sehr schwierig aufzubauen ist, aber sehr leicht verspielt wird. Mal sehen, wie das endet.
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Ich bin froh, dass die klugen Teile unserer Wirtschaft schnell umsteuern, siehe meinen nächsten Beitrag.🤞
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