Ein paar Jahre vor PC, Internet und überhaupt Digitalisierung war Appropriate Technology (AT) fast so ein Schlagwort wie heute KI. Etwas später ging AT in Sustainability auf – Nachhaltigkeit. Im Entwicklungs-Speak war AT der Begriff für technologische Lösungen zum nachhaltigen Fortschritt in Entwicklungsländern: Hört sich gestelzt an: Wenn eine aus drei Ziegelsteinen geformte Kochstelle in einem indischen Dorfhaushalt durch einen unter energiesparenden Kriterien entwickelten, leicht und billig herzustellenden Tonherd ersetzt wird, reduziert diese Technologie den Brennholzbedarf, schützt besser die Augen vor Qualm (betrifft ausnahmslos Frauen) und ist erschwinglich, weil sie aus Tonerde in der Nachbarschaft hergestellt wird: nachhaltig und den Lebensumständen angepasst.
So jedenfalls definierten wohlmeinende „Entwicklungshelfer“ – vor 50 Jahren ein Beruf, den viele von uns anstrebten – das Ideal in der Dritten Welt. Als eine jener Technologien galt Biogas: Methan aus Kuhdung, Stroh und Wasser, das unter einer schwarzen Blechtrommel gärt. Unter derem Druck kann das Gas an Kochstellen geleitet werden und ist damit eine saubere Energiequelle.

Ich habe Mitte der 1980er Jahre mit einem Oberstufenkurs an meiner Schule in Südindien ein solches Projekt begleitet. Zwei Mal im Schuljahr machten wir eine Exkursion in das Projektdorf nördlich der Distrikthauptstadt Dindigul in Tamil Nadu (die Fotos stammen von 1985).



Tatsächlich und auf dieser Blogseite schon vorgestellt ist in den ländlichen Gebieten Afrikas und Südasiens die tägliche Energieversorgung die größte Herausforderung. Es gibt keine Strom- oder Gasnetze und wenn, dann sind die Kosten für die Haushalte kaum tragbar. So wird Kochen, Kühlen, Beleuchten und Informationsaustausch (Radio, Handy, Computer) so gut wie unmöglich – und zementiert den Rückstand auf dem Land.



Heute wirkt der Ansatz, wie ihn eine südindische NGO im Geist Gandhis damals entwickelte, naiv und überidealistisch: Biogas sollte ein Musterdorf mit sauberer und nachhaltiger Kochenergie versorgen, der Sludge (übrigens geruchlos!) wird aus der Trommel abgeleitet und liefert getrocknet wertvollen Dünger für die umliegenden Felder. Durch dörfliche Selbstverwaltung sollten die gesellschaftlichen Schranken zwischen Gruppen und Kasten aufgeweicht werden. Das war eines der Hauptanliegen des Mahatmas.


Ohne den Verlauf des Projektes hier zu beschreiben: Das Ziel wurde nicht erreicht. Wer keine Kühe und kein Land besaß, konnte als Ausgleich für die Anlage „arbeiten“, aber das betraf nur wenige Haushalte. Die wirtschaftlichen Nutznießer waren Landbesitzer und solche mit einer Kuhherde. Als ich im Spätsommer 1988 von Bangladesh aus das Dorf in Südindien besuchte, war die Hälfte der Biogas-Anlage nicht mehr in Betrieb.
Dafür waren Häuser mit Strom versorgt und vor manchen trafen sich die Leute, groß und klein, abends vorm Fernseher. Alle berichteten von den Olympischen Spielen in Seoul, die das indische Fernsehen live übertrug. Eine neue, ganz andere Welt jenseits von Biogas-Trommeln. Man sah es in den Augen der Leute, vor allem der Kinder: das wars, was man anstreben muss. Statistisch ist nachgewiesen, dass mit Fernsehen die Geburtenrate auf dem Land sinkt und der Schulbesuch steigt. So viel zu angepasster Technologie und unserer Vorstellung von „Entwicklung“.
Vermutlich ist der ideale Weg im Sinne Gandhis heute ganz anders: dezentrale Energieversorgung von der Sonne – auf dem Subkontinent im Überfluss vorhanden.

Mehr als Kochherde aus Ton könnten unsere 200 € „Balkon-Kraftwerke“ eine Lösung sein: Die Energie reicht für eine Lampe, einen kleinen Herd, zum Aufladen von Handys und für einen Fernseher – dezentral und – mit einem staatlichen Kredit gefördert – auch für ländliche Haushalte erschwinglich. Mit dem Kauf eines F-35 Kampfjets ließ sich zum Beispiel eine Million Haushalte in Indien mit einem unserer „Balkon-Kraftwerke“ versorgen.
Ürigens, eine Reihe meiner Schüler ging tatsächlich nach der Graduation und dem Studium in die Entwicklungshilfe.
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Toll … was man dem Geld von ein „paar“ Kampfjets alles so anstellen kann.
Ein Patriot-Abwehrsystem gibts auch schon für eine Milliarde, damit könnten 5 Mio weitere Haushalte so ein Ding kriegen
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Ich glaube man könnte mit einem Monat Kriegskosten der US-Waffensysteme sämtliche Trinkwasser- und Energieprobleme in den Dörfern Südasiens lösen.
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