„Zeichnet Kriegsanleihen!“

Poster aus dem Ersten Weltkrieg

Kriege kosten Geld. Die Binsenweisheit wird oft übersehen, wenn über Krieg und Frieden diskutiert wird. Im Umkehrschluss: ohne Geld kein Krieg. Im Ersten Weltkrieg lieh sich die kaiserliche Regierung das Geld dafür bei der eigenen Bevölkerung, die sie zuvor auf einen Hurra-Patriotismus eingestellt hatte. 60 % der Kosten wurden damit gedeckt.

Die zweite Möglichkeit: Der Krieg finanziert sich selbst! Eroberte Gebiete werden geplündert (Rohstoffe, Banken, Privatvermögen) – so finanzierte sich der Zweite Weltkrieg von Nazideutschland. Nicht zu vergessen die Vermögen verfolgter und ermordeter Juden. Und heute?

Bei Russland wissen wir es ziemlich genau: Die Devisenerlöse aus dem Verkauf von Öl und Gas flossen in einen Staatsfonds oder in die Taschen von Oligarchen, samt der des Präsidenten. Soweit sie im Ausland angelegt wurden, sind sie vom Zugriff abgeschnitten. Der Krieg geht aber weiter, also muss der Staat Geld drucken oder Gold verkaufen. Über die Lieferung zum Discount an andere Abnehmer wie Indien und China und Geldzahlungen außerhalb des von Swift kontrollierten Transfersystems bleibt der Geldfluss am Laufen. Die Bevölkerung zahlt mit Inflation, Konsumverzicht und toten Söhnen (0der wandert aus).

Die Ukraine kann den Krieg nur führen, weil das Ausland die Staatsausgaben finanziert und kostenlos Waffen liefert. Die USA wollen sich das mit Zugriff auf Rohstoffe zurück zahlen lassen, so viel zur „Verteidigung unserer Freiheit“

Wie finanzieren die USA ihr Militär und ihre Kriege? Nun, über gewaltige Staatsschulden. Alleine die Bomben auf die Houthis in den vergangenen Wochen haben 7 Milliarden US-Dollar gekostet. Unter den etwa 190 Ländern (siehe Tabelle bei Wikipedia) liegen die USA auf Platz 12 der am höchsten verschuldeten Länder, gemessen am Prozentanteil der Staatsverschulden am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Schulden haben sich seit 2005 verdoppelt. In jener Gruppe von 1 bis 12 liegt Japan einsam an der Spitze, gefolgt von Griechenland und Italien. Selbst das Finanzzentrum Singapur – eine Stadt der crazy rich – ist hoch verschuldet.

Deutschland liegt auf Platz 71, die Verschuldung hat sich von 55 % (1995) auf 67 % (2022) erhöht, irgendwo muss die „schwarze Null“ ja gewirkt haben. Bislang haben wir fleißig gespart (besonders bei den Verteidigungsausgaben) und die Wiedervereinigung über neue Steuern finanziert („Soli“). Damit ist in der neuen Regierung Schluss, Hurra (?).

Zurück zu den USA: Deren Staatsverschuldung steigt unentwegt. Zusätzlich sollen Steuern gesenkt (!) und Sozialausgaben gekürzt werden: die Reichen profitieren, die Armen tragen die Lasten – auch (oder erst recht) unter der populistischen neuen Regierung. Die Entlassung von hunderttausenden Bediensteten hat staatliche Leistungen reduziert, mit Folgen, die sich noch zeigen werden. Aber die Einsparungen wurden schon im Jemen verpulvert, so viel zum Effizienz-Verständnis des E-Auto- und Raketenbauers. Die Zölle sollten ursprünglich Steuereinnahmen kompensieren („Billions and Billions; we will become rich„), stellen sich aber jetzt als bloße Verhandlungsbasis raus, dennoch selbst in reduzierter Form mit inflationärer Wirkung.

Also müssen sich die USA auf dem internationalen „Finanzmarkt“ Geld für ihre Krieg holen (oder sich von den Golfstaaten beschenken lassen, auch ein Weg des Sparens). Anders ausgedrückt: das Ausland finanziert die US-Kriege. Ich weiß, so sagt das keiner. Eher, „weil der Dollar als sichere Anlage gilt“ – in Krisenzeiten, bei denen die USA keine unwesentliche Ursache sind. Das Ausland hält immerhin 9 Billionen US-Dollar an US-Staatsanleihen. Das sind allerdings nur 25 % der US-Staatsschulden, 55 % werden von inländischen Anlegern gehalten.

US Treasuries: Who owns US debt? Reuters.com, 10.2.2025

Foreign holdings of U.S. Treasuries top $9 trillion in March, data shows. CNBC.com, 16. Mai 2025

Die Grafik unten aus der gleichen Quelle ist von 2023. China verkauft langsam aber kontinuierlich seine Anleihen und ist mittlerweile „nur“ noch auf Platz 3, hinter Japan und dem Vereinigten Königreich (Deutschland taucht auf der Liste gar nicht auf!!). Bemerkenswert, dass Länder des offshore bankings (ja z.B. Luxemburg!) hohe Teile der „Schatzbriefe“ der USA halten.

Japan und das UK finanzieren ihre eigene Sicherheit durch die USA, China hat erkannt, dass es sich in den eigenen Fuß geschossen hat und zieht sich vorsichtig zurück.

Und Deutschland? Wir können uns zurück lehnen: Die Bundesbank hat in den vergangenen Jahren Gold aus dem Ausland zurück geholt, die/der exposure zu Dollar-Anleihen ist gering (die dritte große Rating-Agentur hat die USA gerade zurückgestuft, was wohl am Montag zu der einen oder anderen Verwerfung führen wird) und der internationale Kapitalmarkt drängt geradezu nach deutschen Staatsanleihen, obwohl wir für die 10-Jahresanleihen 2 Prozentpunkte weniger Zinsen zahlen als die USA (unser AAA-Rating macht den Unterschied).

Ist das alles gut? Für das neue Regierungsprogramm und die geplante Aufrüstung schon. Wenn es denn so gewollt ist. Aber die Lehren aus der Geschichte gelten immer noch: Hat die Weimarer Republik die Kriegsschulden des politisch bankrotten Kaiserreichs an die Bevölkerung zurück gezahlt? Nein, die Hyperinflation von 1923, von der Regierung toleriert, erledigte das vollständig. Die Konsequenz war, dass die neue Republik schon sehr früh das Vertrauen der mittleren Bürgerschicht verlor, der Weg zur Nazidiktatur war vorgezeichnet.

Und die USA? Es funktioniert immer noch: Inflation killt Schulden (siehe Link zu CNBC unten). Na dann Prost.

Ray Dalio says the risk to U.S. Treasurys is even greater than what Moody’s is saying. CNBC.com, 19.5.2025

*Aufmacherbild von WordPress K.I. gezeichnet


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