Der amerikanische Autor Sinclair Lewis (1885-1951) hatte einen Blick für die Widersprüchlichkeiten seiner Gesellschaft. Vor 90 Jahren erschien sein Roman It Can’t Happen Here. (Man kann das Werk für den Preis einer Briefmarke für den Kindle erwerben.) Das Amerika des Jahres 1935 litt unter den Folgen der Weltwirtschaftskrise, in Europa waren Hitler und Stalin an der Macht, mit Wirkung auf die US-Gesellschaft. Der Protagonist des Romans Doremus Jessup, Besitzer und Redakteur des Daily Informer in einer Kleinstadt in Vermont, beobachtet die politische Entwicklung in Stadt und Land zunächst mit Distanz und einer ihm eigenen liberalen Lässigkeit. Mit seinen Mitbürgern ist er überzeugt, Extreme wie in Europa sind in den USA nicht möglich (der Titel des Romans fällt in den ersten Kapiteln).
Für die Präsidentschaftswahl 1936 wird Berzelius („Buzz“) Windrip aufgestellt, der von einem populären konservativen Radioprediger und seiner „Legion vergessener Männer“ protegiert wird. Sein 15-Punkte-Wahlprogramm ist Populismus pur. „Der Senator war vulgär, nahe zu Analphabet, ein leicht zu entlarvender Lügner in der Öffentlichkeit, und in seinen ‚Ideen‘ geradezu idiotisch. Seine gefeierte Frömmelei war die eine Handelsreisenden für Kirchenmöbel und sein noch stärker gefeierter Humor der verbrämte Zynismus in einem Krämerladen“ (eigene Übersetzung). Der Wahlkampf wird mit medialer Präzision von einem Berater des Kandidaten geführt, der ihn schon Jahre vorher als common man aufgebaut hat – Steve Bannon und Breitbart lassen grüßen. Er setzt sich für den einfachen Mann ein, hat eine paramilitärische Truppe um sich (Minute Men, M.M’s). Windrip gewinnt gegen die konventionellen Kandidaten und setzt sein Programm wie versprochen um. Der Redakteur muss nach Kanada fliehen… You get the point! Es ist als hätte Lewis 1935 seherische Fähigkeiten, so sehr gleicht sein Roman den Entwicklungen von 2016 oder 2024 (er wurde tatsächlich von einem deutschen Verlag neu heraus gegeben).
2025 in den USA scheint die Wiederholung von 1933/34 bei uns, als Intellektuelle wie Hannah Arendt oder die Familie Mann Deutschland verließen. Sie sahen, was andere zunächst ignorierten. Daran erinnert mich das bestürzende (Video-)Editorial vorgestern in der New York Times.
Alle drei Wissenschaftler sind Expterten für Faschismus und autoritäte Strukturen, Snyder auch mit vielen Publikationen zu Totalitarismus in Deutschland bekannt. Der Rundumschlag der derzeitigen Administration gegen Wissenschaft, Bildung, Medien, Migranten, Justiz, zivilgesellschaftliche Einrichtungen ist wie ein Spiegel des Programms von Buzz Windrip.
Wem aber die innenpolitischen Entwicklungen in den USA noch nicht beängstigend genug sind, dem empfehle ich den Podcast (53 Minuten) im Artikel „Interview with the Herald of the Apocalypse„. Der unscheinbare junge Mann, Daniel Kokotajlo, ist ein Aussteiger von OpenAI. Seine Prognosen, schon für 2027 (!!), lassen einen schlaflos. Hier kannst Du nicht mehr ins Exil fliehen, die KI’s (plural) holen die gesamte Menschheit überall ein.
Schlüssel für dieses und das Szenario von Sinclair Lewis ist die Rolle der Tech Billionairs in der Formierung der Trump-Administration. Die NYT ist ein globales Medium, nicht bekannt für Verschwörungstheorien. Übrigens auch nicht unbedingt das ZDF.
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Wenn alle Demokraten das Land verlassen, wer sorgt dann dafür, dass die U.S.A. den Weg zurück in die Demokratie finden? Oder müssen wir darauf warten, dass die Mächtigen den Planet so weit ausgebeutet haben, dass ihnen ein Leben auf dem Mars oder dem Mond vielversprechender erscheint?
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Eine richtige Frage! Im Roman kommt der Zeitungsredakteur zurück und arbeitet im Untergrund, das Ende lässt Sinclair Lewis bewusst offen. Zu den Tech-Milliardären: Da sagt der Insider in dem Podcast, dass hinter den Kulissen seit Jahren (!) gearbeitet wird, mithilfe der menschlichem Handeln überlegenen K.I. tatsächlich in ferne Welt zu entfliehen. Ohne jede demokratische Kontrolle, gegen die sie sich vehement wehren. Vielleicht so, wie heute auf Superjachten, die autonom und unkontrolliert über die Weltmeere schwimmen. Vorher kann es sein, dass die K.I.’s die Menschheit als Störfaktor eliminiert haben – lange bevor die Natur über uns siegt. Ich bin wirklich das Gegenteil von einem dystopisch Denkenden, aber die Quellen dieser Infos allein machen mich schon besorgt. Jedenfalls so oder so eine wichtige Diskussion, daher danke ich Dir für den Kommentar.
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