Das Abendland ist nach Auffassung Vieler längst untergegangen. Alte, liebgewonnene Werte und gesellschaftliche Strukturen seien zerfallen. Da kommt ein Ritual gerade recht, mit dem man das alte, weltbeherrschende Abendland neu beleben könnte: das Konklave in Rom. Ausgerechnet jenes Land, das entdeckt und besiedelt wurde, als Papsttum auf dem Höhepunkt der Macht war, will dabei seinen Einfluss geltend machen.
In diesen Tagen treffen sich im Schnittpunkt von Abend- und Morgenland 135 abstimmungsberechtigte alte Männer in roten Roben aus aller Welt in einem fast fensterlosen, wenngleich von Michelangelo bemalten Raum. Sie werden sogar eingeschlossen (Conclave) und erst wieder rausgelassen, wenn ihre Stimmzettel als weißer Rauch durch einen Schornstein verschwinden. Das alte Abendland unter Renaissance-Deckenbildern in Aktion. Die Männer in den roten Roben wählen das Oberhaupt einer rund 1,4 Milliarden Mitglieder zählenden globalen Organisation. Sie reisen aus Dili und Manila, Goa und Manaus, Singapur oder Kigali an. Die aus Köln, München oder Warschau, aus Dublin und Marseille, erst recht die aus Washington, New York oder Toronto sind in der Minderheit gegenüber dem Global South.
Der von ihnen Gewählte ist zugleich absoluter Herrscher über einen winzigen Staat innerhalb der Stadt Rom, der aber über Botschaften in rund 150 Ländern verfügt. Man tritt fast automatisch mit der Geburt bei, kann aber austreten, die Mitgliedschaft kündigen. Das tun im Abendland viele, aber im Morgenland und im globalen Süden kommen mehr hinzu als austreten.
Alle sprechen Latein, die Amtssprache. Italienisch können ist auch Pflicht, weil der im Konklave Gewählte auch Chef der Organisation in Rom ist. Damit sind aber schon die verbleichenden Spuren des Abendlandes aufgezählt: Indien hat mehr Wahlmänner als Deutschland, Asien – von Bagdad bis Tokio – ist so stark vertreten wie die USA: Sri Lanka, Thailand, Myanmar, Tonga, Malaysia, Singapur, die Mongolei, Hongkong oder Japan zum Beispiel senden je einen Repräsentanten ins Konklave. Das Gewicht der Organisation verschiebt sich nach Süden und Osten und damit weit weg vom Abendland.
Man ahnt, was für ein Krimi sich unter den Gemälden von Michelangelo abspielen wird, er hat sicher längst begonnen. Denn zehn Wahlberechtigte stammen aus den USA, und einige von denen planen eine „Panne“ wie die Wahl des Argentiniers 2013 zu verhindern. Es geht um Restauration von Macht und Einfluss weißer Männer des Abendlandes jenseits des Atlantik. Eine besondere Rolle spielen Tech-Milliardäre aus dem Silicon Valley, die selbst erklärten „Päpste“ der Algorithmen und KI. Sie haben einen schon ins Weiße Haus befördert, und dabei die fürs Wohlbefinden der Seelen zuständige Organisation instrumentalisiert. Der Vize ist konvertiert und schnell noch vorher nach Rom gereist.
Maga Catholics’ are gaining ground in the US. Now their sight is set on the Vatican.Conservative US Catholics like Steve Bannon look to win ‘war that lasts decades’ with pope antithetical to Francis. The Guardian online, 28.4.2025
Einige betreiben einen „War Room“ oder schreiben in der New York Times. Und mindestens einer sitzt schon im Konklave. Es sind nicht allein sogenannte Traditionalisten, die volle Kraft zurück wollen, nicht nur in der Organisation selbst, sondern gleich in der ganzen Gesellschaft. Es sind jene neue Kräfte, die sich zu Verkünder einer Wahrheit erklären, in der K.I. und Algorithmen der eigentliche heilige Geist seien. Demokratie ist schlecht, Dogmatismus ist die Zukunft. Ein Papst, der den Transhumanismus – kurz gesagt: die Verschmelzung von Mensch und KI -absegnet, käme gerade recht.
Es wäre das Ende der Organisation, wenn sie vom Silicon Valley-Autoritarismus unterwandert würde. Alles klingt wie ein Dan Brown-Roman oder eine Verschwörungstheorie? Die Wirklichkeit ist wesentlich beängstigender. Man muss nur in den Kreml blicken, wo die Ostversion der Organisation zum Verbündeten der Kriegstreiber geworden ist und verkündet, das Blut Zehntausender junger Männer aus Sibirien sei Preis fürs ewige Heil.

Wenn das die Bestimmung des Abendlandes ist, dann kann es getrost untergehen. Aber tatsächlich braucht die Organisation eine Rückkehr, besser Rückbesinnung, aber eine zu ihren Wurzeln. Diese Richtung wurde vom Argentinier in Rom eingeschlagen. Vielleicht setzt sie einer aus den Regionen der Erde fort, denen Portugal, Spanien, Belgien oder Frankreich einst jene Institution aufzwangen. Es wäre eine späte Revanche des Heiligen Geistes, der seinen Weg durch die Fenster in die Sixtinische Kapelle gefunden hat. Die 135 Männer in roten Roben haben es mit ihren Stimmzetteln in der Hand. Zum Glück ist die Kapelle hermetisch abgeriegelt und unzugänglich für die die Algorithmen aus dem Silicon Valley,
*Titelfoto: katholisch.de
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Es wurde und wird alles geändert, damit nichts Wesentliches im Kirchenstaat geändert werden muss.
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Schon skurril, wenn man überlegt, dass heute jeder mit jedem im Sekundentakt elektronisch kommuniziert, die sich dann aber wirklich physisch einschließen.
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Ja, einige Geheimdienste versuchen alles, um „durch die Wände“ zu lauschen oder Mikros einzuschleußen.
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