Das Besondere an USA-Reisen war immer, dass es viel zu lachen gab. Das grüne Einreiseformular früher etwa, bei dem man ankreuzen musste, ob man mal Nazi war. Die entwaffnende Auswahl von Salat-Dressings (eins künstlicher wie das andere), die einem das Restaurant-Personal vortrug, oder das Glas voll mit eisgekühltem Rotwein. Oder die gefühlt 20 Arten von Toastbrot zum Pappteller-Frühstück, die braune Brühe im Styroporbecher, die als Kaffee galt.


Bei einem Geschäftsessen in St. Paul/Minnesota – wir waren alle 50 plus – fragte die junge Kellnerin nach unseren ID’s, wegen der Altersgrenze beim Alkoholausschank. In einem anderen, in North Carolina, wurde uns eine Waiting Area angeboten, bevor ein Platz frei wurde – man könne aber schon z.B. ein Bier bestellen. Als der Platz frei wurde, machten wir uns mit übergroßen Plastikbechern gefüllt mit irgendeinem Light Richtung Tisch auf, aber unser Bekannter bat meine Frau geschockt um ihr „Glas“: Es sei unpassend, wenn eine Frau mit Bier in der Hand das Restaurant durchquere.
Jeder kann sicher Dutzende solcher Geschichten erzählen – etwa unser Hotel im French Quarter in New Orleans, bei dem der Zugang mit Gittertür besser gesichert war, als ein Gefängnis in Deutschland. Alles war zum Lachen, bis es das nicht mehr ist. Die Skurrilitäten sitzen jetzt im Weißen Haus und in der gesamten Administration. Und ähnlich belustigend inkompetent, einer sich vom Rest der Welt „screwed“ fühlenden Supermacht, geziert sich US-Politik heute.

Ich wünsche mir das Amerika zurück, das wir zuerst kennenlernten: die Kellnerin in Manhattan, die vorschlug, erst Mal eine halbe Pizza zu bestellen – es sei denn wir seien seeeehr hungrig. Oder der Busfahrer des Rental Car Shuttles in Dallas-Fort Worth, der angesichts unserer Kinder und sieben Koffer ausstieg und freundlich beim Einladen half („Oh I know, all kids stuff!“). Der Mann an der Zapfsäule neben uns, an einer Tankstelle in Kalifornien: Als ich hilflos nach der passenden Sorte „Gas“ suchte, meinte er: „Is this a rented car? Take the cheapest stuff you can get!“ Oder der Beamte, der bei der Einreise in Newark meinen Freund, der kein Wort Englisch konnte, nach dem Zweck seines Besuchs in den USA fragte. „Me, Germany man!“ sagte mein Freund stolz, er wurde durchgewinkt. Auch Lachen kann befreiend sein.
Once Germany’s protector, Washington is no longer its North Star. Straits Times, Singapore, 2.4.2025
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